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Nach Kritik von Sophia Thomalla: Wie geht es Tätowierern in der Corona-Krise?

  • Für die Tattoobranche ist die Pandemie fatal: Seit Wochen sind die Studios geschlossen, die Einnahmen gleich null.
  • Das hat auch Moderatorin Sophia Thomalla kritisiert.
  • Ein Verband fordert die Öffnung der Studios – unter strengen Auflagen.
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Die Auswirkungen des Coronavirus bedeutet für viele Branchen ein Kampf ums finanzielle Überleben: Die Sicherheitsmaßnahmen führen dazu, dass Dienstleister wie Tätowierer oder Piercer seit vielen Wochen nicht mehr öffnen können und somit hohe finanzielle Einbußen haben. Die Bundesregierung gab kürzlich bekannt, dass Friseursalons am 4. Mai, unter strengen Hygieneauflagen, wieder öffnen dürfen. Die Tattoobranche darf dies jedoch erstmal nicht – für viele unverständlich.

So auch für die Verfasserin einer Petition, die schon mehr als 63.000 Unterstützer hat. Eva Hood, eine Tätowiererin aus Hamburg, fordert dort, Tattoo- und Piercingstudios zur gleichen Zeit wie Friseursalons zu öffnen. In der Beschreibung der Petition heißt es unter anderem: “Angesichts der Tatsache, dass in Tattoo- und Piercingstudios schon immer unter den höchsten hygienischen Maßnahmen gearbeitet wurde,[...] halten wir es für richtig und fair, diese Studios gleichzeitig mit Friseursalons wieder eröffnen zu dürfen.”

Gefahr für Soloselbstständige

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Auch Martina Lehnhoff, Sprecherin des Vereins ProTattoo e.V. und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Piercing, spricht sich für eine Öffnung der Studios samt Sicherheitsvorkehrungen aus. “Bei Tattoostudios ist es vielfach so: Die Arbeitsplätze sind in separaten Räumen, der Tätowierer hat nur Kontakt zu dem einen Kunden über den ganzen Tag”, sagte Lehnhoff gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Da müsste man mit entsprechenden Anpassung, mit Hygienekonzepten arbeiten, die auch von den Verbänden schon vorliegen.” Sie sei besonders für eine Öffnung, da viele “Soloselbstständige durchs Raster fallen”.

Lehnhoff sagte dem RND, dass die Soforthilfen bei Soloselbstständigen nicht mehr für den privaten Lebenserhalt verwendet werden dürfen. “Was die Soforthilfen angeht, hat keiner eine Rechtssicherheit, weil in den letzten Wochen relativ oft die Berechtigungen und die entsprechenden Verwendungsmöglichkeiten geändert wurden.” So sei die Unsicherheit laut Lehnhoff “sehr sehr groß, weil es keine eindeutige Antwort gibt.”

“Wir riskieren Insolvenzen”

Ein weiteres großes Problem ist, dass bei einigen Unternehmern die Grundsicherung des Arbeitsamts nicht greift. “Wir riskieren – wenn das noch über einen längeren Zeitraum andauert – unglaublich viele Insolvenzen, weil die Geschäfte nicht in der Lage sind das aus Ressourcen und aus Rücklagen über einen langen Zeitraum zu stemmen.” Besonders wichtig sei ebenso, dass Tätowierer, die aus persönlichen Gründen nicht öffnen können, zum Beispiel wegen einer Vorerkrankung, eine “finanzielle Sicherheit haben, dass sie sich über Wasser halten können”.

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Thomalla fordert Öffnung der Studios – und schreibt Jens Spahn

Auch Influencerin Sophia Thomalla kämpft für eine Wiedereröffnung von Tattoostudios. Auf Instagram kritisiert sie Gesundheitsminister Spahn: “Die Hygienebestimmungen in einem Tätowierstudio sind auf jeden Fall mehr gegeben als wenn ich mir ums Eck in einem vollbesetzten Salon die Spitzen schneiden lasse.”

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Spahn antwortete laut Thomalla sogar per Privatnachricht und schrieb unter anderem: “Die Friseure sind im ersten Schritt dabei, weil der Wunsch nach einem Haarschnitt aktuell größer ist als der nach einem Piercing.” Lehnhoff stimmt Spahn in diesem Punkt durchaus zu und bestätigt Friseuren eine größere Systemrelevanz als beispielsweise Piercern.

Dennoch kritisiert sie gegenüber dem RND die Hygienepläne: “Ich habe die Hygieneempfehlungen für das Friseurhandwerk gelesen und bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich ausreichend ist, um die Mitarbeiter in dem Handwerk ausreichend zu schützen – aber das werden wir sehen.” So könnten höhere Infektionsraten, eventuell ausgelöst durch die Friseursalonöffnungen, Auswirkungen auf die Zukunft der Tattoo- und Piercingbranche haben.

Interesse ist da

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Das Interesse an Tattoostudios reißt in Zeiten von Corona jedoch nicht ab. Lehnhoff, die auch selber zwei Studios im Raum Köln hat, bekommt über ihre Hotline zahlreiche Anfragen von Kunden. “Es wird ein Großteil geben, die sich freuen, wenn wir öffnen. Es wird aber auch einen Großteil geben, die sagen: ‘Och nö, momentan ist mir aufgrund des Risikopatienten im familiären Umfeld das Risiko noch zu groß.’ – das werden wir sehen.”

RND/am

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