Nach Kochsalzskandal: Polizei durchsucht das Impfzentrum Schortens

  • Mitte August wurde bekannt, dass eine ehemalige Mitarbeiterin des ostfriesischen Impfzentrums Schortens mehrere Spritzen für Corona-Impfungen mit Kochsalz aufgezogen hat.
  • Seit dem frühen Morgen durchsucht die Polizei das Impfzentrum sowie weitere Räumlichkeiten des DRK.
  • Anlass ist der Verdacht auf Abrechnungsbetrug - und nicht direkt die Kochsalz-Injektionen, die eine Krankenschwester im Frühjahr aufgezogen haben soll.
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Schortens. Seit dem frühen Morgen durchsuchen Beamtinnen und Beamten der Ermittlergruppe „Vakzin“ das Impfzentrum Schortens, ebenso wie Räume der Kreisverbände Jeverland und Varel-Friesische Wehde des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Das Impfzentrum wird ebenfalls vom DRK betrieben.

Im Frühjahr wurde bekannt, dass eine ehemalige Mitarbeiterin des Impfzentrums im April sechs Spritzen für Corona-Schutzimpfungen mit Kochsalzlösung gefüllt haben soll. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bestätigt die zuständige Polizeidirektion Oldenburg, dass die Durchsuchungen nicht im direkten Zusammenhang mit diesem Vorfall stehen. Als Grund für den Polizeieinsatz nannte ein Sprecher den Verdacht auf Abrechnungsbetrug. Zunächst hatte der „Spiegel“ über den Polizeieinsatz berichtet.

Fünf DRK-Mitarbeitende unter Betrugsverdacht

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Die Polizei verdächtigt fünf Mitarbeitende der beiden DRK-Kreisverbände zwischen Februar 2021 und Juli 2021 mehr Arbeitsstunden abgerechnet zu haben, als von dem im Impfzentrum eingesetzten Personal tatsächlich geleistet wurden. Schon in einer ersten Stichprobe von Stundenabrechnungen, die beim Landkreis Friesland eingereicht wurden, kamen die Polizistinnen und Polizisten laut Bericht auf eine vierstellige Schadenssumme. Um wie viel Geld es nun insgesamt geht, müsse noch ermittelt werden.

Bei der Durchsuchung seien mehr als 40 Polizeikräfte im Einsatz gewesen, dabei wurden unter anderem Aktenordner, Computer, Tablets und Handys sichergestellt.

Der Oldenburger Regionalverband des DRK wollte sich auf Anfrage mit Hinweis auf die aktuellen Ermittlungen nicht äußern. Der Bundesverband teilt auf Anfrage des RND mit, dass die Kreisverbände jeweils rechtlich völlig selbstständig seien. Im Frühjahr seien bundesweit etwa 300 Impfzentren vom DRK-Verbänden betrieben worden. Wie viele es aktuell sind, konnte der Bundesverband nicht mitteilen.

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Tausende müssen zur Nachimpfung

Ursprünglich wurde die Ermittlungsruppe “Vakzin” eingesetzt, um gegen eine examinierte Krankenschwester zu ermitteln. Sie hatte zugegeben, am Impfzentrum in Schortens am 21. April sechs Spritzen für Corona-Schutzimpfungen überwiegend mit Kochsalzlösungen gefüllt zu haben. Ihr war beim Anmischen ein Fläschchen mit Impfstoff runtergefallen, was sie nach eigener Aussage vertuschen wollte.

Am 10. August hatten Kreis und Polizei dann mitgeteilt, dass nach weiteren Zeugenaussagen nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Frau weitere Spritzen mit Kochsalzlösungen aufgezogen habe. Um die möglicherweise fehlenden Impfungen nachzuholen, sollen daher knapp zehntausend Betroffene als Vorsichtsmaßnahme nachgeimpft werden. Zu diesem Fall gab die Polizeidirektion Oldenburg keine neuen Hinweise bekannt.

RND/goe/dpa

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