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Nach Eklat um Harry und Meghan: Wie realistisch ist eine Abschaffung der Monarchie?

Königin Elisabeth II. von Großbritannien verlässt den Buckingham Palace.

Ein Buckingham-Palast ohne Queen, keine repräsentativen Aufgaben für Prinz William und kein Treueschwur auf die royalen Nachkommen: Das ist für Großbritannien eigentlich undenkbar. Und doch wird gerade nicht nur im Netz, sondern auch in vielen britischen Haushalten diskutiert: Wie zeitgemäß ist die Monarchie eigentlich noch? Auslöser ist – natürlich – das Interview von US-Talkerin Oprah Winfrey mit Harry und Meghan, das am Sonntagabend in den USA gezeigt wurde.

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Auf der Insel wurde das brisante Gespräch, in dem Meghan unter anderem davon erzählte, dass vor der Geburt von Sohn Archie über dessen mögliche Hautfarbe diskutiert wurde, am Montagabend in der Primetime gezeigt – währenddessen trendete auf Twitter der Hashtag „Abolish the Monarchy“ (zu Deutsch „Monarchie abschaffen“). User erklärten darunter unter anderem, dass sie die britische Monarchie veraltet finden und abschaffen wollen. „Das Beste für alle wäre, wenn die Monarchie abgeschafft werden würde: Es ist besser für die Windsors und es ist besser für uns. Genug von dieser knirschenden Seifenoper“, schrieb ein User zum Beispiel.

Queen-Reaktion auf Interview von Meghan und Harry: „Statement kurz, aber sehr persönlich“

Großbritannien-Korrespondentin Katrin Pribyl spricht im Video-Interview über das Statement des britischen Königshauses zum Interview von Harry und Meghan.

Diskussion flammt immer wieder auf

Eine neue Diskussion ist das allerdings nicht: Immer wieder wird die Legitimität der britische Krone infrage gestellt, ausgelöst durch den Palast und seine manchmal zweifelhaften Entscheidungen. Da war zum Beispiel der Fall Prinz Andrew: Der Sohn der Queen sorgte für großes Aufsehen, weil er in dem Missbrauchskomplex um den verstorbenen Jeffrey Epstein verwickelt sein soll. Ihm wird vorgeworfen, mit der damals minderjährigen Virginia Giuffre Sex gehabt zu haben, was der Palast und der Prinz aber vehement bestreiten. Prinz Andrew stellte sich sogar vor die Kamera und gab der britischen BBC ein Interview, um sein Image wieder aufzupolieren. Das Gespräch lief sehr schlecht: Er zog sich aus der Verantwortung und stritt ab, die Frau jemals getroffen zu haben – obwohl es ein gemeinsames Foto der beiden gibt. Der Palast zog nur lasche Konsequenzen, so darf der 61-jährige Prinz seitdem nicht mehr als arbeitendes Mitglied der Royals in Erscheinung treten.

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Die frühere „Guardian“-Kolumnistin Suzanne Moore nahm die Prinz-Andrew-Causa zum Anlass, um wieder für eine Abschaffung der Monarchie zu plädieren. „Wenn die Königin geht, könnten wir beschließen, erwachsen zu werden, eine reife Demokratie zu werden und uns in eine Welt zu begeben, die wirklich post-imperial ist“, schrieb Moore im November 2019.

Und nun sind da Meghan und Harry, die aus dem Palast geflohen sind und den Royals Rassismus und ein vergiftetes Klima vorwerfen.

In Großbritannien gibt es schon länger eine Kampagne, die sich seit ihrem Gründungsjahr 1983 gegen den Palast stellt. Die Organisation nennt sich „Republic“ und repräsentiert laut eigener Angaben bis zu zwölf Millionen Briten von insgesamt 65 Millionen, die die parlamentarische Monarchie abschaffen und die Queen mit einem gewählten Staatsoberhaupt ersetzen wollen. Der Chef von „Republic“, Graham Smith, äußerte sich am Montag zum Meghan-und-Harry-Interview und verurteilte die Monarchie scharf. „Diese verrottete Institution muss weg“, sagte er.

Abschaffung der Krone benötigt das Parlament und ein Gesetz

Doch wie würde so ein Prozess aussehen? Die Monarchie-Expertin Marlene Koenig erklärte dem Portal „Insider“, dass es einen vom Parlament erlassenen und von der Queen unterschriebenen Gesetzesbeschluss geben muss. Um diesen gesellschaftlichen Umbruch durchzusetzen, brauche es allerdings eine breite Unterstützung. Diese sehe sie in Großbritannien nicht: „Es gibt keine Proteste. Die republikanische Bewegung ist klein.“

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Das geht auch aus einer YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2020 hervor: So würden lediglich 22 Prozent der Befragten die Monarchie abschaffen. 62 Prozent finden, dass Großbritannien weiterhin eine Krone haben sollte und 16 Prozent wussten es nicht. Eine Statista-Auswertung des letzten Jahres gibt ein ähnliches Bild ab. Demnach unterstützt die Mehrheit der Briten die Monarchie, wobei Menschen ab 65 Jahren mit 84 Prozent die größte Unterstützergruppe darstellen und die 18- bis 24-Jährigen mit 42 Prozent die kleinste. Die Jungen scheinen also die größten Kritikerinnen und Kritiker der Krone zu sein.

Wenn sie also bei ihren Ansichten bleiben, könnte es tatsächlich sein, dass in einigen Jahrzehnten die Stimmung kippt. Vor allem wenn nachkommende Generationen eine ähnliche Meinung haben.

Monarch müsste Buckingham-Palast verlassen

Doch was hieße das eigentlich konkret für den zukünftigen König, wenn die Monarchie abgeschafft würde? Prinz Charles oder die weiteren Thronfolger William und George müssten den Buckingham-Palast dann verlassen. Der Londoner Wohn- und Arbeitssitz des Throninhabers gehört dem „Crowns Estate“, der wiederum dem ranghöchsten Monarchen gehört, aktuell also der Queen. Allerdings nur so lange er oder sie auch Staatsoberhaupt bleibt, wie auf der Website steht. „Der Crown Estate ist im Besitz des Monarchen im Recht der Krone. Das bedeutet, dass die Königin es kraft ihrer Position als regierende Monarchin besitzt, solange sie auf dem Thron ist, ebenso wie ihr Nachfolger.“ Gleiches gilt für die Schlösser in Windsor und in Holyroodhouse.

Jedoch besitzt die Queen und die Royal Family ebenfalls eigene Immobilien, darunter das Schloss Balmoral in Schottland und Sandringham in Norfolk. Dort könnten die Royals also im Fall einer Abschaffung der Monarchie leben. Die arbeitenden Mitglieder der Familie würden dann vermutlich einen ähnlichen Weg gehen wie Harry und Meghan seit dem „Megxit“: Millionendeals und bezahlte öffentliche Auftritte, um den extravaganten Lebensstil halten zu können.

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Der Royal-Journalist Aaron Drapkin spekuliert außerdem, dass die Nationalhymne „God Save the Queen“ umgedichtet werden müsste. Wenn man dies weiterdenkt, wäre auch der Treueschwur veraltet, den neu eingebürgerte Britinnen und Briten halten müssen. In dem Schwur versprechen neue Bürgerinnen und Bürger ihre Loyalität gegenüber der britische Monarchie und deren Nachkommen.

Skandale im spanischen Königshaus

Auch in Spanien sorgt das Königshaus in letzter Zeit für Kritik – und für Rufe nach einem Ende der Monarchie: Dort sind ranghohe Royals in Skandale verwickelt. So ließen sich jüngst die Königsschwestern in den Arabischen Emiraten gegen das Coronavirus impfen und umgingen dadurch die Impfreihenfolge im Heimatland. Die Infantinnen besuchten dort ihren Vater, den Ex-König Juan Carlos. Er hat wegen Korruptionsvorwürfen im Juli 2020 das Land verlassen.

Nachdem die Ermittlungen um den Ex-König um angebliche Schmiergeldzahlungen bekannt geworden sind, kam es in Spanien zu zahlreichen Protesten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ein Demonstrant forderte: „Wir müssen das System von Korruption säubern und wir sollten mit der Krone beginnen.“ Vor allem linke Kräfte in Spanien fordern eine Aufhebung der Monarchie und die Formierung von einer parlamentarischen Monarchie zu einer Republik, darunter die linkspopulistische Partei Podemos.

Laut einer „Ipsos Mori“-Umfrage aus dem Jahr 2018 wollen 37 Prozent der Befragten ein Ende der spanischen Krone: Das ist nicht die Mehrheit, aber in Spanien scheint die Idee eines Landes ohne Monarchie besser anzukommen als in Großbritannien.

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Es hängt an Charles

Dennoch hängt die britische Krone wohl nicht so sehr an der 94-jährigen Queen, sondern an ihrem Nachfolger Prinz Charles. Und der steht nach dem Interview mit Meghan und Harry ebenfalls in der Kritik.

Der Royal-Journalist Clive Irving stellte jüngst eine steile These auf: Queen Elizabeth II. könnte die letzte Königin Großbritanniens sein. Diese Theorie hat er in seinem Buch „Die letzte Königin“ festgehalten und hängt maßgeblich von dem Prinzen ab. Er sagte in einem „Vanity Fair“-Interview: „Ich denke, es besteht ein reales Risiko, dass die Monarchie sehr schnell über eine Klippe stürzt, wenn Charles ihr nachfolgt.“ Charles habe ein ernstes Problem, da er nicht wie ein belebender Generationswechsel wirke. So stelle sich für die Monarchie die Frage: „Kann die britische Krone lange genug unter Charles überleben, damit sie noch für William und Kate intakt ist?“

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