Nach Amokfahrt: Trier will die Innenstadt sicherer machen

  • Mit einem Sicherheitskonzept will Trier die City besser schützen.
  • Eine Amokfahrt wie vor knapp fünf Monaten könnte so wohl verhindert werden.
  • Das Konzept soll am Mittwochabend im Stadtrat beschlossen werden.
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Trier/Mainz. Eine Amokfahrt wie am 1. Dezember 2020 soll es in Trier nie wieder geben: Auch aus diesem Grund plant die Stadt ein neues „urbanes Sicherheitskonzept“, um Fußgänger in der Innenstadt zu schützen. Kern dabei: Die City wird in zehn Zonen aufgeteilt, die durch Barrieren voneinander abgetrennt sind. Eine „Überfahrt“ von einer Zone in eine Nachbarzone ist damit – außer für Lieferverkehr –- nicht mehr möglich. „Damit soll verhindert werden, dass Fahrzeuge auf langen geraden Strecken eine hohe Geschwindigkeit aufnehmen können“, sagte ein Sprecher der Stadt. Das Konzept soll am Mittwochabend im Stadtrat beschlossen werden.

Der Amokfahrer von Trier war laut Polizei zumindest zeitweise 81 Stundenkilometer schnell, als er mit seinem Sportgeländewagen durch die Trierer Fußgängerzone raste und gezielt Menschen ansteuerte. Bei seiner Tat wurden fünf Menschen getötet und 24 Personen teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter sitzt seit der Amokfahrt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Sprecher: „Gibt keine totale Sicherheit vor Gewalt und Terror“

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Nach der Tat hat Trier ein vorheriges Pollerkonzept, das vor allem zur Verkehrslenkung dienen sollte, überarbeitet. „Jetzt steht doch der Aspekt Sicherheit und Gefahrenabwehr stark im Vordergrund“, sagte der Sprecher. Klar sei aber: „Es gibt keine totale Sicherheit vor Gewalt und Terror“, sagte Verkehrsdezernent Andreas Ludwig (CDU). Die Kosten betragen rund 6 Millionen Euro, wobei die Stadt auf eine bis zu 90-prozentige Förderung von der Landesregierung setzt.

In Planung seien Barrieren an 38 Orten – und zwar nicht nur Poller. „Wir wollen keine Polleritis“, sagte Ludwig. „Um die Durchfahrt an bestimmten Stellen zu ermöglichen, sind natürlich versenkbare Poller nötig.“ Darüber hinaus gebe es andere Möglichkeiten. Dazu gehörten massiv verankerte Bänke, Hochbeete, Sitzsteine und Fahrradbügel. Diese sollten auch Einfahrten zum Beispiel in die Fußgängerzone schmaler machen, sagte der Sprecher. Und der Lieferverkehr solle dann auf die Zeit von 6 bis 10 Uhr beschränkt werden.

Mit diesem Konzept ist Trier in Rheinland-Pfalz besonders. „Trier ist sicherlich bisher die einzige Stadt, die so ein flächendeckendes Konzept zur Sicherung der Innenstadt entwickelt hat“, sagte der Geschäftsführende Direktor vom Städtetag Rheinland-Pfalz, Fabian Kirsch, in Mainz. Die Amokfahrt in Trier habe im Deutschen Städtetag „große Betroffenheit“ ausgelöst. Im Anschluss hätten sich Städte Gedanken gemacht, ob und wie sie baulich nachsteuern sollten.

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Es handele sich bei solchen Maßnahmen aber immer „um einen sorgfältigen Abwägungsprozess“, sagte Kirsch. Wichtig sei, dass die Bevölkerung eingebunden werde, damit ein solches Konzept auf Akzeptanz stoße. Denn es könne auch bei Bewohnern oder Lieferanten zu Einschränkungen führen, die dann in Kauf genommen werden müssten.

Städte sollen besser geschützt werden

Bei der Planung von Konzepten habe in rheinland-pfälzischen Städten bislang die Verkehrslenkung im Vordergrund gestanden, meinte Kirsch. Gefahrenabwehr sei immer bei Veranstaltungen Thema. Zudem gebe es oft bauliche Sperrungen wie Bänke, die man nicht auf den ersten Blick erkenne. Zum Städtetag Rheinland-Pfalz gehören 32 Städte.

Die Sicherung von Innenstädten ist auch für Innenminister Roger Lewentz (SPD) ein wichtiges Thema. „Es stehen jährlich insgesamt Städtebaufördermittel in Höhe von rund 90 Millionen bereit. Diese sollen auch genutzt werden können, damit sich die Städte besser gegen solche Taten schützen und die Sicherheit von Fußgängerzonen erhöhen können“, sagte er. In 2021 würden die Mittel voraussichtlich voll bewilligt werden.

Wie technische Lösungen zum Schutz in Fußgängerzonen aussehen sollten, lasse sich nicht pauschal beantworten, teilte das Ministerium mit. Dazu brauche es jeweils eine „Einzelfallprüfung“. Interessen von Anwohnern, aber auch von Feuerwehr und der Polizei seien zu berücksichtigen. „Aufgrund der Vielzahl möglicher Tatorte und Tatbegehungsweisen wird ein absoluter Schutz vor irrational handelnden Einzeltätern trotz aller Bemühungen nie möglich sein.“

Bei der Planung des Trierer Sicherheitskonzeptes habe man auch nach Münster geschaut, sagte der Stadtsprecher weiter. Die Stadt habe nach der Amokfahrt in Münster am 7. April 2018 auch nachgerüstet. Damals war ein Kleinbus in eine Menschengruppe gerast. Vier Menschen starben, mehr als 20 wurden teils schwer verletzt.

Dass das Konzept im Trierer Stadtrat grundsätzlich auf den Weg gebracht wird, daran gebe es keine Zweifel, sagte der Sprecher. Die erste geplante Zone sei der Domfreihof. „Diese soll möglicherweise noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.“ Die übrigen Arbeiten seien bis 2023 geplant, hieß es.

RND/dpa

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