Hunderte Kinder ohne Tests in Quarantäne geschickt

  • Der Kreis Nordwestmecklenburg hat Hunderte Schüler in Quarantäne geschickt – ohne die Kinder auf Corona zu testen.
  • Der Landkreis argumentiert, Tests seien immer nur eine Momentaufnahme.
  • Eltern sehen in der Quarantäne hingegen eine „Missachtung des Kindeswohls“.
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Wismar. Hunderte Schüler sind im Kreis Nordwestmecklenburg in Quarantäne und das, ohne dass sie vom Landkreis getestet werden. Dieses Vorgehen sorgt bei Eltern für Unmut. Betroffen sind im Kreis Westmecklenburg zurzeit etwa 400 Kinder, weil in gleich mehreren Klassen jeweils ein Kind positiv auf Corona getestet wurde.

Für die anderen Kinder bedeutet die angeordnete Quarantäne einsame Osterferien. Olaf Deutschmann kritisiert das Vorgehen des Kreises in „Ostsee-Zeitung“ (OZ): „Das grenzt an Missachtung des Kindeswohls“. Seine Tochter wurde in Quarantäne geschickt. Um zu wissen, ob seine Familie infiziert ist, will er nun selbst Corona-Tests besorgen.

Kreis: Logistischer Aufwand für Reihentestung von Schülern zu hoch

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Auf die Kritik zur Teststrategie teilte der Kreis der OZ mit, dass ein Corona-Test nur eine Momentaufnahme sei. Habe ein Kind zum Beispiel einen Tag vor der Quarantäne Kontakt mit dem Virus, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Test negativ ist. Die „Virenlast“ sei direkt nach erfolgter Ansteckung noch nicht sehr hoch. Covid-19 habe zudem eine lange Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen, in denen eine infizierte Person jederzeit infektiös werden könne.

„Deshalb ist der logistische Aufwand einer Reihentestung nur dann zu rechtfertigen, wenn er aufgrund eines vermuteten länger zurückliegenden Beginns des Infektionsgeschehens Sinn macht und ein größeres Ausbruchsgeschehen vermutet wird“, heißt es in der Antwort des Kreises weiter. In der Regel werde deshalb nur beim Auftreten von Symptomen ein Test angeordnet. Ein negativer Test direkt nach Beginn der Quarantäne würde auch nicht zu deren Aufhebung führen, da er nur bedingt aussagekräftig sei.

Quarantäne auch nach gleichzeitiger Zeit auf dem Pausenhof

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Nicht nur die Teststrategie des Kreises sorgt bei Eltern für Verärgerung, sondern auch die Quarantäneanordnung. Durch diese wurden 97 Kindern der Grundschule Poel in Quarantäne geschickt. Die Anordnung wurde bereits einen Tag später angepasst, mit der Begründung: „Nach weiteren Ermittlungen der möglichen Kontaktketten innerhalb der Schule stellte sich heraus, dass die gemeinsame große Pause doch unter einer Form von Trennung stattgefunden hat, die es erlaubte, die Quarantäne auf die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a einzugrenzen, die am 22. oder 23. März in der Schule waren.“ Die anderen Klassen wurden von der Quarantänepflicht befreit. Auch hier: ungetestet.

Quarantäne für ganze Klassenzüge seien das letzte Mittel und würden nicht leichtfertig ausgesprochen, so der Kreis gegenüber der OZ. Berücksichtigt werde dabei das Hygienekonzept der Schule, etwa wann und wo die Maskenpflicht greife und wie die Trennung auf dem Pausenhof arrangiert sei.

RND/js

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