Mutter tötet Säugling nach Geburt – mehr als drei Jahre Haft

  • Eine junge Frau bringt auf der Toilette ein Baby zur Welt, tötet es und vergräbt es im Garten.
  • Wegen Totschlags verhängt das Gericht in Lüneburg mehr als drei Jahre Haft.
  • Die Verteidigung der Frau hatte auf Freispruch oder eine Bewährungsstrafe plädiert.
Anzeige
Anzeige

Lüneburg. Eine 22-jährige Frau aus Bardowick ist wegen des Tötens ihres neugeborenen Sohnes zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Mit diesem Urteil ist der Prozess am Montag vor dem Lüneburger Landgericht bereits am zweiten Verhandlungstag zu Ende gegangen. Das Gericht stellte den offenen Vollzug in Aussicht. „Es tut mir leid, ich wollte das nicht“, war der einzige Satz, den die Mutter von sich gab.

Die Staatsanwältin hatte auf Totschlag plädiert und eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren beantragt. Der Verteidiger wollte einen Freispruch oder eine Bewährungsstrafe. Das Schwurgericht hob den Haftbefehl bis zur Rechtskraft des Urteils auf. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

„Wir haben Reue gesehen“

Anzeige

Über ihren Anwalt hatte die Angeklagte eingeräumt, die Mutter des Babys zu sein. Gleichzeitig ließ sie erklären, dass sie die Schwangerschaft nicht bemerkt und den Jungen im September 2019 auf der Toilette in dem Haus der Eltern zur Welt gebracht habe. Danach hatte sie das Kind auf dem Grundstück vergraben.

Ein Mord aus niedrigen Beweggründen verneinte die Kammer. „Es ist als Totschlag zu bewerten“, sagte der Vorsitzende Richter Franz Kompisch. Er machte deutlich, dass es ein minder schwerer Fall des Totschlags ist. Es entspreche nicht dem Charakter der Angeklagten, einen Menschen zu töten. Es sei eine ausweglose Lage für die junge Frau gewesen. „Wir haben Reue gesehen. Das hat alles Spuren hinterlassen“, sagte Kompisch.

Anzeige

„Ist die Angeklagte eine Gewissenlose oder sitzt hier ein unreifes Kind, dass ein Kind gebar“, fragte der Richter und fügte hinzu: „Wir neigen zu der zweiten Hypothese.“ Behütet sei die 22-Jährige in Bardowick aufgewachsen. „Sie negierten die Schwangerschaft“.

Zum Zeitpunkt der Festnahme im August 2020 war die Frau, die vor drei Jahren Abitur und dann eine Ausbildung zur Speditionskauffrau in Hamburg gemacht hatte, erneut schwanger. Ihren Sohn brachte sie im niedersächsischen Frauengefängnis in Vechta zur Welt. Der Vater besuchte sie regelmäßig im Gefängnis.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen