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Mutter darf nicht mitreisen: Blinde und taube US-Schwimmerin sagt Paralympics ab

  • Bei den Paralympics in Tokio wollte die US-Schwimmerin Becca Meyers wieder nach Gold greifen.
  • Weil ihre Mutter nicht als gewohnte Hilfe mit nach Japan darf, hat die blinde und taube 26-Jährige jetzt ihre Teilnahme abgesagt.
  • Dem Olympischen und Paralympischen Komitee ihres Heimatlandes macht sie schwere Vorwürfe.
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Tokio. Die blinde und taube US-Schwimmerin Becca Meyers hat ihren Start bei den Paralympics abgesagt, weil ihre Mutter sie nicht nach Tokio begleiten darf. Die 26-Jährige beklagt in einem Beitrag für die Zeitung „USA Today“, dass ihr das Olympische und Paralympische Komitee ihres Heimatlandes (USOPC) im Gegensatz zu früheren Wettkämpfen die Unterstützung ihrer Mutter nicht genehmigt habe. „Ich bin eine taube und blinde Schwimmerin. Wie kann ich mich sicher durch die chaotischen und verwirrenden paralympischen Austragungsorte bewegen, wenn ich keine persönliche Pflegeassistentin habe, der ich vertraue?“, schreibt Meyers.

Die Paralympischen Spiele sollten ein Zufluchtsort für Sportler mit Behinderungen sein. „Der einzige Ort, an dem wir in der Lage sind, unter gleichen Bedingungen mit allen Annehmlichkeiten, Schutz- und Unterstützungssystemen miteinander zu konkurrieren“, schreibt die 26-Jährige, die wegen eines Gendefekts gehörlos und blind ist.

„Ich muss meine Stimme für den nächsten blinden und gehörlosen Athleten erheben“

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Betreuende würden Sportlerinnen und Sportlern wie ihr die Fähigkeit geben, ihrer Umgebung zu vertrauen. „Uns für die kurze Zeit, in der wir uns in dieser neuen, ungewohnten Umgebung aufhalten, zu Hause zu fühlen“, so Meyers. „Was passiert, wenn mitten in der Nacht ein Notfall eintritt? Was ist, wenn wir schnell von einem Ort zum anderen verlegt werden müssen? Masken und Distanzierung haben es unglaublich schwer für mich gemacht zu erkennen, was andere Menschen tun oder sagen. Wenn ich niemanden habe, dem ich vertrauen kann, wie kann ich dann darauf vertrauen, dass ich in Sicherheit bin?“

Sie habe fünf Jahre lang trainiert, um an den Paralympischen Spielen teilnehmen zu können. „Ich weiß, dass meine Chancen, für mein Land zu schwimmen, langsam enden. Aber genug ist genug, ich muss meine Stimme für den nächsten blinden und gehörlosen Athleten erheben.“

Das USOPC verwies nach Angaben der Nachrichtenagentur AP auf die durch die Corona-Pandemie notwendige kleinere Delegation und andere Helfer für die Sportlerinnen und Sportler. Laut Meyers ist allerdings nur eine Betreuerin oder ein Betreuer für insgesamt 34 Mitglieder des US-Schwimmteams zuständig.

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Meyers gewann in Rio 2016 drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille, 2012 in London jeweils eine Silber- und Bronzemedaille.

RND/seb, mit dpa

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