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Mord an Rentner - Schneider zu lebenslanger Haft verurteilt

Der angeklagte Schneidermeister (mit Ordner vor dem Gesicht) ist vom Landgericht Hamburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der angeklagte Schneidermeister (mit Ordner vor dem Gesicht) ist vom Landgericht Hamburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Hamburg. Für den heimtückischen Mord an einem 83-Jährigen in Hamburg-Wilhelmsburg hat das Landgericht einen Schneidermeister zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zudem werde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, sagte die Vorsitzende Richterin Jessica Koerner am Donnerstag. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Die Kammer glaubte dem Angeklagten nicht, sich nur gewehrt zu haben. Es gebe keinerlei Zweifel, dass der 54-Jährige den alten Mann am 20. März dieses Jahres ermordet habe, um an in der Wohnung verstecktes Bargeld des Seniors zu gelangen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Az.: 621 Ks 3/20)

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Unter Tränen beteuert der Angeklagte seine Unschuld

Der Angeklagte hatte vor Gericht unter Tränen ausgesagt, dass der alte Mann, den er schon viele Jahre gekannt habe, ihm eine Nähmaschine zum Kauf angeboten habe. Bei der Besichtigung in dessen Wohnung sei es zum Streit gekommen - unter anderem, weil der Schneider die Maschine nach einem Test nicht nehmen wollte. Der verbale Schlagabtausch habe sich hochgeschaukelt. Der 83-Jährige habe ihn geschubst, mit einer Schere in der Hand angegriffen und geschrien: „Ich bringe Dich um“. „Ich wusste weder ein noch aus.“ Der alte Mann sei viel kräftiger als er gewesen, sagte der eher schmächtig wirkende Angeklagte. Er habe sich gewehrt, dabei ein Stück Stoff ergriffen und auf das Gesicht des Rentners gedrückt.

Richterin: “Ich möchte diese ganze Lügerei nicht hören

Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert, weil der Angeklagte aus Notwehr gehandelt habe. Er kündigte bereits an, Revision einzulegen. Der Schneidermeister unterbrach die Urteilsbegründung der Richterin mit dem Ausruf: „Ich möchte diese ganze Lügerei nicht hören.“ Nach einer kurzen Pause, in der der Verteidiger auf den 54-Jährigen einredete, setzte die Richterin ihre Ausführungen fort. Der Verurteilte blieb mit verschränkten Armen sitzen.

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Eine solche Tat traue man dem Angeklagten auf den ersten Blick nicht zu, räumte Koerner ein. Er wirke höflich und eher schüchtern. Die Beweisaufnahme habe gezeigt, man dürfe sich nicht täuschen lassen. Seine Aussage habe „lebensfremd“ gewirkt. „Das stimmt alles nicht.“

Der vorbestrafte Schneidermeister habe von einer große Bargeldsumme gewusst

Nach Überzeugung des Gerichts wusste der nicht vorbestrafte Schneidermeister, dass der Rentner große Bargeldsummen in seiner Wohnung aufbewahrte. Um sich Zutritt zu verschaffen, habe der 54-Jährige ein Kaufinteresse nur vorgetäuscht. Dass er das Vertrauen des Mannes ausgenutzt habe, sei „schuldsteigernd“, urteilten die Richter. Zudem sahen sie gleich drei Mordmerkmale erfüllt, darunter Habgier. Der Mann habe die Tat geplant, um ungestört nach dem Geld suchen zu können, und seinen Bekannten deshalb stranguliert. Die Leiche wurde zwei Tage später neben der Nähmaschine gefunden.

Die finanzielle Situation der Familie des Angeklagten sei angespannt gewesen, zudem habe der Sohn - auf dem alle Hoffnungen geruht hätten - viel Geld verspielt und für Markenkleidung ausgegeben, sagte Koerner. Nach der Ermordung des 83-Jährigen habe der Schneidermeister aus einem Koffer fast 100.000 Euro an sich genommen. Rund 50 000 Euro, die in der Waschmaschine versteckt waren, blieben zurück. Die Ermittler fanden die Beute aber nicht beim Angeklagten. Doch da Tage bis zur seiner Festnahme vergangen seien, habe er ausreichend Zeit gehabt, das Geld verschwinden zu lassen, war das Gericht überzeugt.

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RND/dpa

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