Modisch und maskenfreundlich: Der Schnäuzer kommt zurück

  • Wer in Zeiten von Corona einen Mundschutz tragen will, sollte sich von seinem Vollbart trennen – sonst wirkt er nicht.
  • Passenderweise feiert ein anderer Bartstil gerade ein stilles Comeback: der gute alte Schnurrbart.
  • Schuld daran sind nicht zuletzt unsere Fußballspieler.
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Hannover. Es folgt eine Nachricht, die unzählige Männer nachhaltig traumatisieren dürfte (und ja, verdammt, das gilt auch für den Autor dieses Textes): Der Vollbart muss ab. Zumindest dann, wenn man den Anspruch hat, angesichts von Corona-Schutzmaßnahmen eine Maske im Gesicht zu tragen.

Das US-amerikanische Center for Disease Control and Prevention (CDC) hatte schon vor einigen Jahren in einer übersichtlichen Grafik mitgeteilt, dass bestimmte Gesichtsfrisuren mit einem effektiven Mundschutz schlichtweg nicht kompatibel sind. Oder um es anders zu formulieren: fast alle. Und der Vollbart schon gar nicht.

Der Grund ist einfach: Sind zu viele Haare im Gesicht, kann der Mundschutz an seinen Rändern nicht effektiv abschließen. Die Folge: Der Schutz verliert seine Wirkung – oder ist zumindest nicht mehr so wirksam, wie er soll.

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Der Schnäuzer ist maskenfreundlich

Und das gilt nicht nur für den Vollbart. Auch der Kinnbart ist in Verbindung mit einer Schutzmaske laut CDC ein absolutes No-Go, ebenso der kreisrunde Bart und – mit Einschränkungen – auch der Ziegenbart. Ja selbst ein harmloser Drei-Tage-Bart hat unter einer Maske nichts zu suchen.

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Die gute Nachricht: Gänzlich auf seinen Bartwuchs verzichten muss niemand. Denn ein ganz bestimmter Bartstyle schafft es tatsächlich völlig problemlos unter jede beliebige Gesichtsmaske: der gute alte Schnäuzer.

Laut der Abbildung des CDC ist von Rotzbremse bis Walrossbart so ziemlich jede Oberlippenvariation mit einem Mundschutz kompatibel. Der ein oder andere Modeexperte dürfte angesichts dieser Neuigkeiten erfreut aufschreien, denn: Der Schnäuzer feiert ohnehin seit geraumer Zeit ein stilles Comeback.

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Joshua Kimmich: “Believe in your Schnorres”

Wie immer sind es vor allem die Fußballspieler, die den Modetrend in den Mainstream bringen. Hatten sich vor ein, zwei Jahren noch sämtliche Bundesliga-Spieler die Unterarme dicht tätowiert, hält nun allmählich der Schnäuzer Einzug in die Stadien – beziehungsweise in die Instagram-Profile.

Bayern-Star Joshua Kimmich beispielsweise präsentierte am Osterwochenende einen sonnigen Gruß von seiner Hängematte. Mitten im Gesicht: ein gut frisierter Pornobalken. “Believe jederzeit in your Schnorres”, schrieb er als Hashtag dazu.

Und auch außerhalb der Fußballwelt wird der Schnorres immer wieder gesichtet. Hollywoodstar Brad Pitt fällt immer mal wieder mit einem auf, Schauspieler Zac Efron zumindest zeitweise.

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Waschen, trimmen, einreiben

Ob sich der Schnurrbart auch außerhalb der Promiwelt zum Hype entwickelt, lässt sich nur schätzen. Die Barbiere des Landes, die angesichts dieser Frage verlässliche Daten liefern könnten, haben coronabedingt bereits seit Wochen geschlossen. Auffällig ist jedoch: Die Werbeindustrie hat sich dem Thema längst angenommen.

Ein großer Kosmetikhersteller für Männer hat dem Schnurrbart gar eine ganze Website gewidmet. “Der Schnauzbart zierte Staatsmänner, Wissenschaftler und Hollywoodverführer”, heißt es da etwa. Dazu liefert das Unternehmen Tipps, wie mit seinem Schnäuzer umzugehen sei: Täglich waschen, sorgfältig trimmen und mit Bartöl einreiben – damit er geschmeidig bleibt.

Auch Mode- und Lifestylemagazine berichten vermehrt über das Schnurrbart-Comeback. In einem Artikel der “GQ” etwa gibt Konstantinos Tzapos, Barber beim Bullfrog Barbershop in München, Tipps für die perfekte Schnäuzerpflege: “Priorität ist, dass der Moustache sauber und akkurat geschnitten ist. Vor allem um die Nase herum muss er gut in Form gebracht werden und diese muss auf alle Fälle auch frei bleiben.”

Der Vorteil des Schnurrbarts: Sein Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Ein bisschen stutzen, ein bisschen “Moustache Wax” – und alle zwei Tage kämmen.

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Der Magnum-Bart ist heute ein No-Go

Ob hip oder nicht: Wer heute Schnurrbart trägt, trägt auch einen jahrhundertealten Mythos im Gesicht spazieren. Schon im 19. Jahrhundert galt der Schnauzer als hip, bevor er durch Siebzigerjahre-Idole wie Burt Reynolds fragwürdige Berühmtheit erlangte.

Später verhalfen die Werbeanzeigen des amerikanischen Modelabels American Apparel dem Schnauzbart zu einem Comeback. Gründer Dov Charney trug hier lange Zeit den Schnäuzer-Look zur Schau.

Brad Pitt trug schon vor zehn Jahren Schnurrbart. © Quelle: picture-alliance/ dpa

Seit Mitte der 2000er-Jahre wird der Schnurrbart immerhin noch einmal im Jahr getragen – während des alljährlichen “Movember”. Bei diesem lassen sich Männer im November einen Schnurrbart wachsen, um so auf Tabuthemen rund um die Männergesundheit aufmerksam zu machen. Dabei geht es unter anderem um die psychische Gesundheit sowie Hoden- und Prostatakrebs.

Klar ist aber: Dicke Magnum-Bärte haben heute in den Gesichtern von Trendsettern nichts mehr zu suchen. Wildwuchs über der Lippe sei ein No-Go, sagt Konstantinos Tzapos in der “GQ” – stattdessen spreche man heute von einem “Gentleman Moustache”. Insgesamt gebe es 16 angemessene Spielarten des Schnauzers – vom “The Crustache” über “The Toothbrush” bis hin zum “Chevron”. Na dann: Ab an die Rasierer, Männer.

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