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Modellprojekt Tübingen: OB Palmer erwägt offenbar Abbruch nach Ostern

  • Bisher hat sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer gegen Kritik am Modellprojekt in seiner Stadt gewehrt.
  • Der Anstieg der Inzidenz sei einkalkuliert gewesen.
  • Doch nun geht aus einem internen Schreiben hervor: Komplett überzeugt scheint der Grünen-Politiker nicht mehr.
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Tübingen. Seit rund zwei Wochen können Menschen mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Test Museen, Kinos, Theater, Geschäfte und Restaurants in der baden-württembergischen Stadt Tübingen nutzen. Doch das Modell ist nicht unumstritten – immerhin steigen auch in Stadt und Landkreis Tübingen die Fallzahlen. Am Dienstagabend hatte die Stadt Tübingen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 78 erreicht, im Landkreis liegt sie bei 104.

Wurde das bisher als erwarteter Nebeneffekt durch mehr Tests als zuvor sowie durch einen Corona-Ausbruch in einer Aufnahmeeinrichtung abgetan, schlägt Oberbürgermeister Boris Palmer nun offenbar doch Alarm. Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, soll er in einem Zwischenbericht ans Sozialministerium zwar für eine Fortsetzung über die Ostertage hinaus plädiert haben, erstmals äußerte aber auch er sich aufgrund der steigenden Corona-Zahlen besorgt.

Palmer: Debatte um Fortsetzung von Modellprojekt soll vorgezogen werden

„Die Entwicklung der Fallzahlen ist in der zweiten Woche des Versuchs kritischer zu bewerten als in der ersten“, soll der Grünen-Politiker geschrieben haben. Es gebe zwar keine Hinweise, dass das Modellprojekt für den Anstieg verantwortlich sei, „dies kann aber angesichts der stark gestiegenen Inzidenz insgesamt auch nicht mehr sicher ausgeschlossen werden“.

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Tübingen testet Shopping mit negativem Corona-Test
2:23 min
Die Stadt am Neckar setzt während der Coronavirus-Pandemie nun auf eine Kombination aus Testen und Shoppen.  © Reuters

Das Modellprojekt, das erst vor wenigen Tagen bis zum 18. April verlängert worden war, solle auf jeden Fall über die Osterfeiertage weiter laufen, so Palmer. Aber am 6. April, nach Vorlage des dritten Zwischenberichts, solle über die Fortsetzung des Modellprojektes debattiert werden. Dennoch: „Statt eines Abbruchs des Projekts wäre die Einführung zusätzlicher Testpflichten erwägenswert“, heißt es in dem Bericht. Palmer forderte unter anderem, dass in Schulen und Betrieben zweimal wöchentlich Schnelltests für alle angeboten werden.

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Öffentlich verteidigt Palmer den Modellversuch nach wie vor

Öffentlich hat sich Palmer bisher immer deutlich für den Modellversuch eingesetzt, zuletzt in einem Interview mit dem SWR am Dienstagmittag. Man habe gewusst, dass die Inzidenz zunächst steigen würde, „bis jetzt ist aber alles im erwartbaren Bereich“, so Palmer. Er gab an, keinen Grund zu sehen, den Versuch jetzt abzubrechen. Zumal man bei einem vorzeitigen Abbruch auch „keine wissenschaftliche Informationen“ im Vergleich zu anderen Städten erlangen könne.

Dass die Inzidenz steige, habe auch den Grund, dass viel getestet werde: So habe die 90.000-Einwohner-Stadt Tübingen in einer Woche 50.000 Tests gemacht. „Mittelfristig können wir durch die entdeckten Fälle aber die Inzidenz senken, weil wir Infektionsketten abbrechen konnten.“

Tübingen erwägt nächtliche Ausgangsbeschränkungen ab 20 Uhr

Die „Südwest-Presse“ berichtet, dass Palmer offenbar auch eine Ausgangssperre ins Spiel gebracht hat – allerdings in Kombination mit dem laufenden Modellversuch. Da bei dem derzeit warmen Wetter gerne Partys auf den Wiesen in der Stadt gefeiert würden, könnten nächtliche Ausgangsbeschränkungen ab 20 Uhr greifen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert indes einen Abbruch des Modellversuchs. „Tübingen zeigt, dass unsystematisches Testen mit Öffnungsstrategien die schwere dritte Welle nicht aufhalten wird“, schrieb er auf Twitter. „Testen statt Lockdown“ sei Wunschdenken. Die Lockerungen in den Modellregionen sollten zurückgenommen werden. „Sie geben das falsche Signal“, so Lauterbach. „Stattdessen muss über die Pflicht der Testung in Betrieben und Schulen schnelles Erkennen von Clustern möglich werden. So schafft man die Voraussetzung für Lockerungen.“

RND/msk

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