Polnischer Fernsehbericht

Hitzige Debatte: Papst Johannes Paul II. soll von Missbrauch gewusst und Täter geschützt haben

Papst Johannes Paul II. soll Täter geschützt haben.

Papst Johannes Paul II. soll Täter geschützt haben.

Papst Johannes Paul II. hat nach einem Bericht des polnischen Fernsehsenders TVN24 in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau von Missbrauchsfällen gewusst und die Täter gedeckt. Der am Montagabend ausgestrahlte Film löste in Polen eine hitzige Debatte aus: Einige sahen darin den Versuch linker Kräfte, das Gedenken an den 2005 gestorbenen und 2014 heilig gesprochenen Papst zu untergraben, andere forderten eine vollständige Aufklärung von sexuellem Missbrauch in der polnischen katholischen Kirche.

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In dem Bericht werden drei Priester namentlich genannt, die von Karol Wojtyla vor seiner Wahl zum Papst 1978 wegen Missbrauchs von Kindern versetzt oder ins Kloster geschickt wurden. Zwei von ihnen, Eugeniusz Surgent und Jozef Loranc, verbüßten schließlich kurze Haftstrafen, recherchierte TVN24. Der dritte, Boleslav Sadus, wurde von Wojtyla, der von 1964 bis 1978 Erzbischof von Krakau war, nach Österreich geschickt. In dem Empfehlungsschreiben an den damaligen Wiener Erzbischof Franz König wurde nicht erwähnt, dass Sadus Jungen missbraucht hatte, hieß es in dem Bericht des Journalisten Marcin Gutowski.

Wojtyla wusste angeblich seit den 1970ern Bescheid

Der Bericht stützt sich auf Dokumente des polnischen Geheimdienstes, der im damals kommunistischen Polen die katholische Kirche zu diskreditieren suchte und Informanten in ihr hatte. Gutowski sprach nach eigenen Angaben ferner mit mehreren Opfern und einem Mann, der sagte, er habe Wojtyla in den 1970er-Jahren informiert, dass Surgent Kinder missbrauche. Keiner der Geistlichen wurde von der Kirche verstoßen.

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In dem Film wird geschlussfolgert, dass Wojtyla zweifellos von dem Missbrauch der drei Priester in seiner Erzdiözese wusste und versuchte, das geheim zu halten. Ein Journalist, der über Missbrauch von Kindern durch Priester in Krakau geschrieben hat, sagt in dem Bericht, Wojtyla habe so gehandelt, wie es damals Linie der katholischen Kirche gewesen sei. Auf der anderen Seite wird ein Philosoph, der Wojtyla noch persönlich kannte, mit der Einschätzung zitiert, es dürfte vielen polnischen Gläubigen schwerfallen, diese neuen Fakten über ihren Papst zu akzeptieren.

Katholische Kirche fordert weitere Recherchen

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki twitterte nach der Sendung ein Foto mit Johannes Paul II., der eine Menge in Polen begrüßt, und fügte dessen Leitspruch „Habt keine Angst“ hinzu – ohne weiteren Kommentar. Ein jesuitischer Geistlicher, Krzysztof Madel, schrieb auf dem Kurzmitteilungsdienst, der Fokus sollte auf den Opfern liegen. Ein Beamter des Bildungsministeriums, Radoslaw Brozka, twitterte hingegen, das Andenken an Johannes Paul werde von Leuten angegriffen, die den Katholizismus aus der polnischen nationalen Identität eliminieren wollten.

Die katholische Kirche in Polen hat auf neue Vorwürfe gegen den früheren Papst Johannes Paul II. reagiert, er habe in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau (Krakow) von Missbrauchsfällen gewusst. Die Bestimmung seiner Rolle und eine gerechte Bewertung seiner Entscheidungen und Handlungen erfordere weitere Archivrecherchen, teilte der Koordinator der Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, der Jesuit Adam Zak, am Dienstag mit.

„Verfahren und Wege“

„Heute haben wir zweifellos ein viel größeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Auswirkungen sexuellen Missbrauchs“, hieß es in der Stellungnahme weiter. Die Kirche habe Verfahren und Wege entwickelt, um zu reagieren und zu helfen.

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Polen ist stark katholisch geprägt. Der Kirche gehören Schätzungen zufolge knapp 33 Millionen Menschen an - das sind mehr als 85 Prozent der Bevölkerung.

AP/RND

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