Missbrauchskomplex Münster: Anklage fordert fast elf Jahre Haft

  • In einem Fall im Missbrauchskomplex Münster hat die Staatsanwaltschaft eine hohe Haftstrafe gefordert.
  • Ein Mann aus Aachen soll zu zehn Jahren und acht Monaten verurteilt werden.
  • Der Mann hatte sich zu den Vorwürfen geäußert und auch in einem anderen Prozess als Zeuge ausgesagt.
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Münster. Im Missbrauchskomplex Münster hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen einen Mann aus Aachen am Dienstag eine Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten gefordert. Nach Angaben eines Gerichtssprechers sprach sich die Anklage zudem für eine anschließende Sicherungsverwahrung aus. Der 27-Jährige soll mehrere Kinder an verschiedenen Orten schwer sexuell Missbrauch und vergewaltigt haben. Darunter ist auch der Ziehsohn des im Hauptprozess angeklagten IT-Technikers aus Münster. Die Verteidigung stellte in ihrem Plädoyer keinen Antrag zur Strafhöhe, lehnte aber die Sicherungsverwahrung ab. Sie dient dazu, gefährliche Täter zu bessern und die Allgemeinheit zu schützen.

Der Prozess fand zum Schutz des Opfers weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ein Urteil will das Landgericht am nächsten Dienstag (9.3.) sprechen. Der Mann hatte sich zu den Vorwürfen geäußert. Auch sagte er als Zeuge in einem anderen Prozess aus, was zur Festnahme der Lebensgefährtin des Hauptangeklagten führte. Sie soll den Missbrauch ihres eigenen Sohnes nicht verhindert haben.

Münster ist einer von drei großen Missbrauchsfällen der vergangenen Jahre in Nordrhein-Westfalen. Der Fall kam im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. Im Komplex „Rose“ laufen bundesweit Verfahren gegen fast 30 Beschuldigte. Ein Mann aus Schleswig-Holstein ist bereits rechtskräftig verurteilt - zu drei Jahren und drei Monaten Haft. Er hatte ein Geständnis abgelegt und dem Opfer so eine Zeugenaussage vor Gericht erspart. Zwei Männer aus Hannover wurden zu Haftstrafen von fast acht und knapp über vier Jahren verurteilt. Diese Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

Hauptangeklagter ist der IT-Techniker aus Münster. Er soll seinen Ziehsohn an verschiedenen Orten, darunter in einer heute abgerissenen Gartenlaube in Münster, mehreren Männern zum Missbrauch angeboten haben. Außerdem machte er Aufnahmen von den Vergewaltigungen. Der Hauptprozess läuft derzeit am Landgericht Münster. Mit einem Urteil wird im Frühjahr gerechnet.

RND/dpa

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