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Missbrauchskomplex Münster: Ein Drittel der Daten noch nicht ausgewertet

  • Die Täter im Missbrauchsfall Münster sind inzwischen verurteilt – zumindest die bekannten.
  • Aber: Noch immer sind rund ein Drittel der sichergestellten Daten nicht ausgewertet.
  • Weitere Tatverdächtige existieren – sie konnte aber noch nicht identifiziert werden.
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Münster. Rund ein Jahr nach Bekanntwerden des Missbrauchskomplexes in Münster ist noch immer ein Drittel der sichergestellten Daten nicht ausgewertet. Das bestätigte Marco Krause, Leiter der Ermittlungskommission der Polizei, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Ermittlungskommission arbeitet weiterhin mit Hochdruck an der Auswertung der noch übrigen Beweismittel“, so Krause.

In einer Laube einer Kleingartenanlage in Münster hatten Ermittler im Mai 2020 in einer Zwischendecke zahlreiche Datenträger und professionelles Videoequipment sichergestellt. In der Hütte waren zwei Jungen über Jahre unzählige Male auf das Schlimmste missbraucht worden. Der Hauptverdächtige im Missbrauchsfall, Adrian V., wurde festgenommen und Anfang Juli dieses Jahres zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Auch seine Komplizen erhielten Haftstrafen.

„Wie ein Puzzle zusammenführen“

Bis heute sind aber noch nicht alle Tatverdächtigen im Missbrauchskomplex identifiziert: „Es existieren noch unbekannte Tatverdächtige, an deren Identifikation täglich mit Hochdruck gearbeitet wird“, sagt Krause. Dazu müssten die Datenträger detailliert ausgewertet werden. „Hierbei ist jede Straftat von Belang. Die Ermittlungsarbeit wird einfacher, wenn die Straftat, der Täter, das Opfer und der Tatort aus einer Datei hervorgehen. Dies ist aber selten der Fall.“

Vielmehr seien die einzelnen Hinweise in unterschiedlichen Dateien und auf verschiedenen Datenträgern gespeichert. „Es gilt, diese einzelnen Hinweise zu finden und wie ein Puzzle zusammenzufügen. Sobald der Anfangsverdacht einer Straftat zu erkennen ist, wird dazu ein Ermittlungsverfahren eingeleitet“, erklärt der Kriminaloberrat.

Die größte Herausforderung sei weiterhin die große Masse der Daten. „Es wurden rund 1400 IT-Datenträger sichergestellt. Dabei können Bilddateien in sechsstelliger Anzahl auf einem Datenträger gefunden werden. Hinzu kommen weitere Dateien in Form von Videos, Text und Sprache“, erklärt Krause.

Große psychische Belastung

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Für Ermittlerinnen und Ermittler der sogenannten Ermittlungskommission „Rose“ bedeutet die Arbeit eine große psychische Belastung. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch speziell ausgebildete Mitarbeiter betreut. Die Betreuung ist vielfältig. Es werden Möglichkeiten für Supervisionen angeboten. Zudem betreut der Polizeiseelsorger und Landespfarrer Stefan Draheim die Kolleginnen und Kollegen und bietet auch Einzelgespräche an.“

Darüber hinaus gebe es Seminare, die die Resilienz der Mitarbeitenden stärken sollen sowie spezielle Sportangebote. „Aber ganz wichtig ist: Alle müssen aufeinander Acht geben, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen“, so Krause.

Ein Jahr lang Daten entschlüsselt

Der Prozess im Missbrauchsfall Münster war am 6. Juli mit der Verurteilung des Münsteraners Adrian V. zunächst zu Ende gegangen. Auch weitere Männer waren verurteilt worden. Ein Mann aus Hannover muss für zehn Jahre ins Gefängnis, ein 43-Jähriger aus Schorfheide in Brandenburg elf Jahre und sechs Monate. Zwölf Jahre muss ein 31-Jähriger aus dem hessischen Staufenberg in Haft. Die Mutter des Haupttäters wurde wegen Beihilfe zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Auf die Schliche gekommen waren die Ermittler dem Hauptverdächtigen durch die Ermittlungsarbeit einer Kollegin. Ihr war es nach einem Jahr gelungen, einen wichtigen Datenträger zu entschlüsseln – darauf waren Missbrauchshandlungen des Hauptbeschuldigten zu erkennen, wie Krause erklärt.

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Die anschließenden Ermittlungen führten die Polizei schließlich zu der bekannten Gartenlaube. Hier fanden die Einsatzkräfte weitere versteckte Datenträger – zudem gerieten weitere Beschuldigte in den Fokus der Ermittlungen.

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