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Missbrauchsfall Lügde: Neuer Verdächtiger soll mit einem Hauptangeklagten befreundet sein

Überraschende Entwicklung im Missbrauchsfall Lügde: Die Polizei ermittelt gegen einen weiteren Verdächtigen – einen 57 Jahre alten Besitzer einer Parzelle auf dem Campingplatz.

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Lügde. Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde gibt es einen weiteren Verdächtigen. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Es handelt sich um einen 57-Jährigen aus Steinheim in Nordrhein-Westfalen, der auf dem Campingplatz in Lügde eine Parzelle besitzt. Der Mann ist auf freiem Fuß. „Er wurde weder vorläufig festgenommen, noch wurde ein Haftbefehl gegen ihn beantragt“, teilte die Polizei auf Anfrage mit.

Der Mann geriet durch eine Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittlungskommission „Eichwald“. Gegen den 57-Jährigen wurde aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Der Mann, der eine eigene Parzelle auf dem Campingplatz besitzt, wurde bis dahin nicht als Beschuldigter in dem Missbrauchskomplex geführt.

Der neue Beschuldigte soll gut mit Mario S., einem der beiden Hauptangeklagten, befreundet gewesen sein. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung teilten sich die beiden Männer von 2010 bis 2015 fünf Jahre lang dieselbe Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen. Auch sollen beide bis heute unter der gleichen Adresse in Steinheim bei Höxter gemeldet sein. Auch dort wurde gestern nach Recherchen von NDR, WDR und SZ von Ermittlern die Wohnung durchsucht.

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Polizei durchsuchte Parzelle und bewachte sie in der Nacht

Am Mittwoch begann die Polizei mit der Durchsuchung der Parzelle des Verdächtigen – Wochen nachdem die Parzellen der beiden Hauptangeklagten Andreas V. und Mario S. abgerissen worden waren. Aufgrund der Größe des Areals konnte die Durchsuchung an dem Tag nicht abgeschlossen werden, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Parzelle wurde über Nacht versiegelt und von der Polizei bewacht.

Am Donnerstag ging die Durchsuchung weiter. Dabei stellte die Polizei Gegenstände sicher. Ermittler in weißen Schutzanzügen fotografierten auf der Parzelle und trugen in Kisten Gegenstände von dem Gelände. Journalisten durften den Campingplatz nicht betreten. Von außen war auf der Parzelle eine Art Holzbaracke mit mehreren Anbauten zu sehen. Wie lange die Aktion dauern wird, war zunächst unklar. „Wir können nicht sagen, ob wir heute fertig werden“, hatte ein Kripo-Beamter am Donnerstagvormittag erklärt.

Video: Lügde-Prozess: Hauptangeklagte gestehen

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Lügde-Prozess geht am Donnerstag weiter

Der Strafprozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz ging am Donnerstag vor dem Landgericht Detmold weiter. Dabei sollten weitere Opfer und Angehörige vernommen werden. Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt.

Vor Gericht stehen noch zwei Angeklagte, ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 34-Jähriger aus Steinheim. Beide hatten zum Verhandlungsauftakt ein Geständnis abgelegt. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade, war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden. Es wird am 17. Juli fortgesetzt.

Die Deutschen aus Lügde und Steinheim sollen ihre Opfer auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen auch wiederholt vergewaltigt haben. Der 49-Jährige aus Stade soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt wurden die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer.

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Von RND/dpa/seb/mat