Meteorologe: Vorhersagen zur Juli-Flutkatastrophe waren sehr gut

  • Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen war dem DWD teils vorgeworfen worden, nicht präzise genug vor dem Unwetter Mitte Juli gewarnt zu haben.
  • Diese Darstellung weist der Wetterdienst jetzt erneut entschieden zurück.
  • Die Vorhersagen zu den Niederschlägen vor der Hochwasserkatastrophe seien sehr gut gewesen, sagt ein Vorstandsmitglied des DWD.
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Hamburg. Die Vorhersagen zu den Niederschlägen vor der Hochwasserkatastrophe im Juli waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sehr gut. Die Herausforderung habe darin bestanden, vorherzusagen, wo die Wassermengen genau abfließen werden, sagte der Vorstand Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst, Tobias Fuchs, am Mittwoch auf dem Extremwetterkongress in Hamburg. Die Meteorologen müssten ihre Modelle mehr mit denen der Hydrologen verzahnen, forderte Fuchs.

Anfang August sei ein internationales Forscherteam unter Koordinierung des DWD zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen durch den Klimawandel um den Faktor 1,2 bis 9 erhöht habe, sagte Fuchs. Die Intensität der Niederschläge sei in den untersuchten Regionen um 3 bis 19 Prozent gestiegen. Das Team hatte Frankreich, Westdeutschland, den östlichen Teil von Belgien, die Niederlande, Luxemburg und den Norden der Schweiz betrachtet. „Wir sehen also, der Klimawandel hatte seine Finger bei den Starkniederschlägen in diesem Jahr im Spiel“, sagte der Meteorologe.

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Nordrhein-Westfalen, Erftstadt: Ein Foto, das die Bezirksregierung Köln am Freitag über Twitter verbreitete, zeigt Überschwemmungen in Erftstadt-Blessem.  @ Quelle: Rhein-Erft-Kreis/dpa
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DWD: keine klare Veränderung bei den Starkregenereignissen

Anhand der langjährigen flächendeckenden Daten von 51 Wetterstationen könne der DWD jedoch keine klare Veränderung bei den Starkregenereignissen in Deutschland feststellen, sagte der Meteorologe. Die Anzahl von Tagen mit mehr als 20 Litern Niederschlag je Quadratmeter habe sich zwischen 1951 und 2020 nur unwesentlich verändert. Leichte Indizien für eine Zunahme lieferten jedoch die radarbasierten Auswertungen. Aus diesen lasse sich für einige Regionen ableiten, dass sich eine steigende Häufigkeit von Starkniederschlägen andeute. Seit 2001 gebe es ein flächendeckendes Wetterradarnetz. 20 Jahre seien aber zu kurz, um aus den Daten klimatologisch robuste Trends ableiten zu können.

Mitte Juli hatte die Flutkatastrophe ganze Landstriche in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verwüstet. Bislang wurden rund 190 Tote gezählt, mehrere Menschen gelten noch immer als vermisst. Der Extremwetterkongress will die Öffentlichkeit über den Stand der Klimaforschung informieren und auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam machen. Er wird von dem Hamburger Meteorologen Frank Böttcher veranstaltet.

RND/dpa

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