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Masken und QR-Codes im Bierkönig: kein Bammel vor Corona am Ballermann

  • Die Corona-Zahlen auf Mallorca und im Rest Spaniens steigen wieder kräftig, vor allem die Delta-Variante verbreitet sich rasant.
  • Ist der Sommerurlaub deshalb in Gefahr?
  • Am Ballermann sieht es nicht so aus.
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Palma. Der berühmt-berüchtigte Ballermann auf Mallorca ist in diesem Juli kaum wiederzuerkennen. Es gibt noch die eine oder andere Schnapsleiche, vor dem Bierkönig wird immer mal jemand im Alkoholrausch von Freunden und Helfern davongetragen. Aber der Sauftourismus ist stark zurückgegangen. „Früher hätte man hier nicht so einfach langgehen können. Da wäre alles voller Leute gewesen“, sagt ein Urlauber zu seinen zwei Freunden. Sorgen wegen der wieder steigenden Corona-Zahlen oder der Delta-Variante macht sich hier kaum jemand. Viele sind schon geimpft und betonen, dass sie sich trotz vieler Kontakte nicht angesteckt hätten.

Tatsächlich ist die sogenannte Schinkenstraße für die Jahreszeit ziemlich leer. Vor den Bars und Kneipen stehen Grüppchen von Rauchern. Die Straßenhändler versuchen ihre Uhren- und Brillenimitate loszuwerden. Mitten auf dem Gehweg sitzt ein Deutscher und philosophiert mit einem der Händler. Beide klagen über ihre ganz unterschiedlichen Probleme.

Zwar schallt die übliche Partymusik zwischen Bamboleo und Bierkönig durch die Gasse. Aber so richtig Stimmung kommt nicht auf. Je nach Lied wird der eine oder andere Refrain mitgegrölt, ansonsten bleibt es ruhig. Viele Urlauber sind per Videoanruf mit der Heimat verbunden, immerhin ist man ja mal wieder auf Mallorca. „Es ist lustig, wohl aber anders“, sagen Alina und Silvana aus Euskirchen. „Wir sind seit einem Monat wieder Single. Da dachten wir uns, es sei der richtige Zeitpunkt.“

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Wieder lange Schlangen

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Partnersuche wie früher im Bierkönig ist jetzt allerdings etwas schwieriger, wild rumtanzen ist nicht mehr. „Es ist Kneipenatmosphäre“, sagt Silvana. Die Türsteher scannen beim Einlass einen QR-Code, damit mögliche Infektionsketten verfolgt werden können. In der Disco herrscht Maskenpflicht. Ohne desinfizierte Hände wird niemand durchgelassen.

Für die Partymeile gibt es spezielle Regeln. Die Bars dürfen die Kunden nur an den Tischen bewirten, maximal zehn pro Tisch. „Wir wurden mit anderen Leuten zusammengesetzt, da der Andrang groß war. Anfangs ist es zwar noch leer, ab 22.00 Uhr wird es aber voll. Wir mussten eine Stunde für den Bierkönig anstehen“, sagt Silvana. Tanzen ist nicht erlaubt, auf dem Weg zur Toilette besteht Maskenpflicht - und das Sicherheitspersonal ist da ziemlich pingelig.

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Dass die auf Mallorca und auch in Katalonien mit der Costa Brava und der Touristenmetropole Barcelona in die Höhe schnellenden Infektionszahlen keine Panik auslösen, hat mit mehreren Faktoren zu tun. Die Impfkampagne hat in Deutschland wie auch in Spanien inzwischen gute Fortschritte gemacht. Es trifft deshalb in Spanien zurzeit vor allem noch nicht geimpfte Menschen zwischen 16 und 30 Jahren. Die aber weisen entweder gar keine oder nur milde Krankheitssymptome auf. Nur wenige landen im Krankenhaus, die Todeszahlen bleiben niedrig. Die Inzidenz verliert damit etwas von ihrem Schrecken. Die deutsche Reisebranche verzeichnet bisher nach eigenen Angaben auch keinen Rückgang der Buchungen.

Balearen bald wieder Risikogebiet?

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Die Sieben-Tage-Inzidenz für die Balearen kletterte bis Dienstagabend wieder auf 128, also weit über den Wert von 50, ab dem Deutschland von einem Risikogebiet ausgeht. Gut möglich, dass die liebste Urlaubsinsel der Deutschen deshalb bald wieder zu einem solchen erklärt wird, so wie das schon mit Katalonien geschehen ist.

Für deutsche Mallorca-Urlauber hätte das aber kaum praktische Auswirkungen und wäre für die Sommersaison höchstens ein Imageschaden. Rückkehrer müssten dann einen negativen Test, einen Nachweis über eine vollständige Impfung vorlegen oder eine Genesung von Covid-19 nachweisen, um einer Quarantäne zu entgehen. Solche Nachweise müssen aber auch jetzt schon bei der Einreise nach Deutschland per Flugzeug vorgelegt werden. Eine Katastrophe für die Tourismusbranche wäre nur die Einstufung als Hochrisikogebiet oder gar als Virusvariantengebiet, der Nachbar Portugal musste letzteres ja bereits erleiden. Dann würde eine Zwangsquarantäne drohen.

Dass es soweit nicht kommen muss, betonte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag in Madrid. „Es gibt keinerlei Hinweise auf Entwicklungen, die befürchten ließen, dass wir in absehbarer Zeit wieder Entscheidungen treffen müssten, die dazu führen, dass deutsche Touristen in Spanien keinen Urlaub mehr machen können“, betonte Maas.

Sorgen will sich auch Chris nicht machen. „Wir hatten nur Angst, ob wir überhaupt herkommen könnten“, sagt der 27-Jährige aus Neuss und fügt hinzu: „Jetzt will ich mich einfach mit meinen Kollegen abschießen (betrinken). Wir wollen endlich wieder feiern.“

RND/dpa

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