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Keine Ballermann-Saison auf Mallorca: “Für viele wird das der Ruin sein”

  • Wenn am Montag die ersten deutschen Touristen wieder nach Mallorca dürfen, bleiben die Türen am Ballermann weiter geschlossen.
  • Die Regionalregierung will es so, zumindest bis es einen Corona-Impfstoff gibt.
  • Für Betreiber von Discos und Nachtclubs ist das eine Katastrophe.
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Der Urlaub auf der Deutschen liebster Insel rückt in greifbare Nähe: Tausende Touristen dürfen ab Montag als “Testpersonen” nach Mallorca. Dort sollen sie – genau wie auf den anderen Baleareninseln Ibiza, Menorca und Formentera – den Ernstfall für den Sommerurlaub in Corona-Zeiten proben – für die Zeit ab dem 1. Juli, wenn Spanien offiziell die Grenzen für Touristen wieder öffnet. Doch Party am Ballermann? Mit viel Alkohol und Stars wie Jürgen Drews, Lorenz Büffel oder Mia Julia? Keine Chance. Zumindest wenn es nach Regionalpräsidentin Francina Armengol geht.

Denn im Gegensatz zum Rest Spaniens wollen die Balearen die Wiedereröffnung von Nachtclubs, Diskotheken und Bars so lange wie möglich hinauszögern. Armengol begründet dies gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe damit, dass an solchen Orten das Infektionsrisiko am schwierigsten zu kontrollieren sei. “Wir möchten garantieren, dass Urlaub auf Mallorca sicher ist”, sagt sie. Erst wenn es einen Corona-Impfstoff gebe, wolle sie die Öffnung von Discos wieder zulassen. Das dürfte frühestens zum Jahresende der Fall sein, die Ballermann-Saison ist da längst gelaufen.

Die Ansage ist also deutlich. Und sie ist eine Hiobsbotschaft nicht nur für Partytouristen, sondern vor allem für alle, die am Ballermann durch den Betrieb von Bars und Discos ihr Geld verdienen.

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“Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht"

Einer davon ist Megapark-Chef Gerry Arnsteiner. Er bezeichnet den Alleingang der Regionalregierung als “Sauerei”. “Wir Unternehmer bezahlen für alle Entscheidungen der Politiker seit dem Lockdown und dem daraus erfolgten totalen Stillstand der Unternehmen im Tourismus, der Gastronomie und so weiter”, so Arnsteiner zur “Mallorca Zeitung”.

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Was ihn besonders ärgert: Draußen auf der Straße werde bereits jetzt praktisch nicht mehr kontrolliert. “Wenn man sich am Wochenende nachts um ein Uhr die Terrassen der Kneipen anschaut, dann gibt es da keinen Mindestabstand mehr”, sagt Arnsteiner. Zudem seien die Discobetriebe wie seiner gut vorbereitet: “Wir haben wochenlang an einem Sanitätskonzept gearbeitet, damit wir unsere Kunden vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus schützen können.” Das Konzept sei auch so vom Gesundheitsministerium in Madrid gebilligt worden. “Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Und dann kommt Frau Armengol und sagt, die Diskotheken bleiben geschlossen?”

Ballermann-Aus: “Für viele, viele wird das der Ruin sein”

Deutliche Worte findet auch Ballermann-Star Melanie Müller (32): “Für viele, viele wird das der Ruin sein, natürlich auch für mich”, zumal man nicht wisse, “ob das nächstes Jahr alles so funktioniert am Ballermann, wenn die keinen Impfstoff haben”, so die Schlagersängerin zum “Express”.

Als “furchtbar” bezeichnet auch der Sänger Lorenz Büffel die Entscheidung, Discos und Clubs am Ballermann geschlossen zu lassen. Es sei “extrem hart und sehr, sehr traurig, weil viele Existenzen an der Nichteröffnung der Locations dranhängen”, so Büffel zum “Express”. Andererseits habe man jetzt Gewissheit, woran man ist. “Ich hoffe, dass wir es dann 2021 schaffen, wieder eine Saison zu machen.”

“Das Eimersaufen ist Geschichte”

Zumindest der Bierkönig, eine der beliebtesten Anlaufstellen für deutsche Partytouristen, hat die Ballermann-Saison 2020 noch nicht völlig abgeschrieben. “Wir hoffen, dass wir bald wieder Gäste empfangen können, und werden das Datum für die Wiedereröffnung sofort bekannt geben, wenn feststeht, wann und wie es weitergehen kann”, heißt es in einem vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite veröffentlichten Post.

Doch egal, ob in diesem Jahr noch Partystimmung auf Mallorca aufkommt oder nicht, Regionalpräsidentin Francina Armengol geht davon aus, dass die Corona-Pandemie das Bild am Ballermann nachhaltig verändern wird: “Das Eimersaufen ist Geschichte”, sagt sie klipp und klar. Die Balearen stünden für einen qualitativen und nachhaltigen Tourismus, Sport, Kultur und kulinarische Erlebnisse.

Doch wird es den Ballermann angesichts der Corona-Krise und des Kurses der Regionalregierung in fünf Jahren überhaupt noch geben? Megapark-Chef Gerry Arnsteiner ist sich da nicht mehr so sicher: “Den Ballermann – das weiß ich nicht”, sagt er. “Aber was den Megapark betrifft: Etwas, das so tief verwurzelt ist, wird nicht einfach so verschwinden.” Corona hin oder her.

RND

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