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Eingesperrt im Quarantänehotel: Junge Spanier rebellieren auf Mallorca

  • Mehr als 1000 junge Menschen haben sich auf Mallorca bei Abifahrten mit dem Coronavirus infiziert.
  • 249 von ihnen sind in einem Quarantänehotel eingesperrt.
  • Nach mehr als 15 Monaten Pandemie lässt das Verständnis für die Einschränkungen nach.
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Madrid. „Zwei junge Leute fliehen aus dem Covid-Hotel“, titelten fast gleichlautend die beiden großen Mallorquiner Lokalzeitungen am Mittwochvormittag. Bemerkenswert ist das Wort „fliehen“. Sie waren eingesperrt, so wie 247 andere Jugendliche mit ihnen, und sie wollten raus.

Die Covid-Krise ist auch eine Krise der persönlichen Freiheiten. Sehr lange hat die ganz große Mehrheit der Spanierinnen und Spanier nicht gemurrt. Doch nach mehr als 15 Monaten Pandemie und angesichts einer schnell fortschreitenden Impfkampagne lässt das Verständnis für die Einschränkungen nach. Mindestens unter den Jüngsten. Sie fühlen sich unverletzlich.

Das Mallorquiner Drama begann Mitte Juni mit einer Reihe von Schulabschlussfahrten aus ganz Spanien auf die Mittelmeerinsel. Die Regionalregierung der Balearen verbietet solche Reisen für die eigenen Schülerinnen und Schüler derzeit noch, wahrscheinlich aus gutem Grund. Doch in anderen Gegenden Spaniens sind die Behörden etwas entspannter und die jungen Leute sowieso. Also auf nach Mallorca. Um zu feiern und sich mit anderen jungen Leuten von anderen Schulen aus anderen Regionen zusammenzutun.

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Schülerinnen und Schüler flüchten

Ein Reggaeton-Konzert in der Stierkampfarena von Palma und ein paar andere Feste erwiesen sich als ideale Pandemiebeschleuniger. An diesem Montag nannte Spaniens oberster Seuchenschützer Fernando Simón die Zahlen: Von 5126 Schulreisenden auf Mallorca hätten sich 1167 angesteckt, mehr als jeder Fünfte.

Die Schülerinnen und Schüler sitzen jetzt über ganz Spanien verteilt zu Hause in Quarantäne, auch die Nichtinfizierten. Ernsthaft erkrankt ist einer von ihnen, er liegt auf einer Intensivstation seiner Heimatstadt Elche. Andere Schülerinnen und Schüler aber, die später auf Mallorca ankamen und abreisen wollten, als die Masseninfektion schon bekannt geworden war, sind ins Quarantänehotel von Palma mit Namen Bellver gebracht worden. 249 junge Leute sind dort eingesperrt.

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Vielleicht haben sich aber auch einige von ihnen schon wieder aus dem Staub gemacht, so wie die beiden Jungen, die von einem Kamerateam gefilmt wurden, als sie das Hotel am Dienstagabend ganz friedlich, ihre Koffer hinter sich herziehend, verließen. Das Bellver ist kein Hochsicherheitstrakt. Einfach so weggehen darf man trotzdem nicht. Einer der beiden Jungen bekam ein schlechtes Gewissen und kehrte wieder zurück.

Kneipen liefern Alkohol

Die Schülerinnen und Schüler im Hotel machen seit Tagen ziemlichen Lärm, medial und auch wirklich. Andere, ältere Quarantänegäste beschweren sich über laute Musik und wenig zivilisiertes Miteinander.

Kneipen aus der Nachbarschaft sollen die jungen Leute mit Alkohol versorgt haben, den sie an zusammengeknoteten Bettlaken auf ihre Zimmer hochzogen. Andere haben kleine Plakate gemalt, die von der Straße aus zu sehen sind: „Freiheit“ steht darauf oder „Wir sind negativ, wir wollen raus“. Deswegen berichten jetzt Fernsehen und Zeitung über sie. Die Mutter eines der Eingesperrten, eine Anwältin, hat Strafanzeige gegen die verantwortlichen Behörden erstattet.

Die Staatsanwaltschaft in Palma hat sich am Dienstag zu der Sache geäußert: Sie findet, dass es keine genügend „spezifischen“ oder „konkreten“ Gründe gebe, gerade diese knapp 250 Menschen im Hotel festzuhalten; das Einzige, was sie gemein hätten, sei die Tatsache, an Schulabschlussfahrten nach Mallorca teilgenommen zu haben. Andere Personen wie Hotelmitarbeiter, die mit den Mitte Juni Infizierten Kontakt hatten, seien dagegen nicht ins Bellver eingewiesen worden. Ein Fall von Diskriminierung.

Internationale Touristen nicht betroffen

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Eine Verwaltungsrichterin in Palma gab den Argumenten der Staatsanwaltschaft am Mittwochnachmittag Recht: Zumindest die 181 negativ Getesteten unter den Schülern im Quarantäne-Hotel dürfen das Bellver verlassen; die anderen müssen bleiben.

Am frühen Mittwochnachmittag berichtete die Lokalzeitung „Diario de Mallorca“ von einem neuen Covid-Ausbruch, dieses Mal in Alcudia im Nordosten der Insel, unter 21 jungen Katalanen.

Nach allem, was man zurzeit weiß, sind deutsche oder andere ausländische Urlauberinnen und Urlauber von der jüngsten Masseninfektion nicht betroffen. „Wir können das zwar nicht hundertprozentig ausschließen“, sagte der Corona-Sprecher der Balearen-Regierung, Javier Arranz, am Dienstag zur deutschsprachigen „Mallorca-Zeitung“. „Aber wir gehen davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler und die internationalen Touristen in getrennten Veranstaltungen waren.“

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