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Mafiamitglied in Hannover behandelt? Igor K. beteuert in Interview seine Unschuld

  • Im vergangenen Jahr wurde Igor K. aus Montenegro in Hannover wegen multipler Schuss­verletzungen behandelt.
  • Die Polizei stellte den Mann im Krankenhaus unter Personenschutz, weil sie weitere Anschläge befürchtete wegen mutmaßlicher Mafia­verstrickungen.
  • Igor K. beteuert nun in einem Interview seine Unschuld – es liege eine Verwechslung vor.
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Hannover. Sein Fall sorgte im vergangenen Jahr deutschlandweit für Schlagzeilen: Igor K. wurde Ende Januar 2020 in seiner Heimat Montenegro mehrfach angeschossen – und unter Polizeischutz zur Behandlung nach Deutschland gebracht. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) behandelten Ärzte das Bein von Igor K. Die Polizei in Deutschland ging und geht noch immer davon aus, dass Igor K. in Mafia­verbindungen in Montenegro verstrickt ist.

Sie ordnete Personen­schutz an, weil sie weitere Anschläge befürchtete. Rund eine Million Euro kostete das die Steuerzahler allein an Personal­kosten.

Der Polizeischutz und die öffentliche Debatte seien ein „großer Schock“ gewesen, sagt Igor K. nun im ersten Interview nach dem Anschlag, das er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) gegeben hat. „Wenn ich gewusst hätte, was meine Behandlung für Auswirkungen hat, wäre ich niemals in dieses Land gekommen – allein schon deshalb, um meiner Frau das alles zu ersparen, denn sie stand ebenfalls unter Schock. Unsere gesamte Familie ist durch die Aussagen schlechtgemacht worden. Das fühlt sich nicht gut an.“ Er beharrt darauf: „Es liegt hier eine Verwechslung vor.“

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Igor K. und sein Anwalt argumentieren nach wie vor mit einer Verwechslung

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Schon im vergangenen Jahr sagte der Anwalt der Familie, es handele sich um eine Verwechslung: Es gebe noch einen zweiten Igor K. aus dem gleichen Dorf, ein paar Jahre älter als das Anschlagsopfer. Im Gegensatz zu seinem Mandaten sei dieser zweite Igor K. auch bereits vorbestraft und man sage ihm Verbindungen zum organisierten Verbrechen nach.

Die Ermittlungen hierzu kommen in Montenegro aber offenbar nicht wirklich voran, es gibt lediglich ein Verfahren gegen zwei Männer, die in den Anschlag auf Igor K. verstrickt sein sollen. Der Anwalt der Familie sagte im vergangenen Jahr, es habe sich schon bei dem lebens­gefährlichen Angriff um eine Verwechslung gehandelt. Doch Igor K. hat eine andere Theorie: „Ich gehe davon aus, dass der Anschlag aus Neid verübt worden ist. Wir sind eine recht wohlhabende Familie, mein Schwiegervater hat eine große Firma, wo ich auch arbeite, das ist in Montenegro auch bekannt. Hier kennt jeder jeden.“

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Polizei Hannover hält Verwechslung für „ausgeschlossen“

Ob die Polizei einen Fehler machte und die falsche Person schützte, ist nach wie vor unklar. Die Polizei hält eine Verwechslung aber für „ausgeschlossen“, teilte sie der „HAZ“ mit. Die Polizei Hannover stehe nach wie vor im Austausch mit in- und ausländischen Sicherheits­behörden. „Aus dem bisherigen Austausch haben sich keine Erkenntnisse ergeben, die zu einer veränderten Lagebeurteilung führen.“ Auf Anfrage ließ die Polizei unbeantwortet, warum Igor K. nach seiner Abreise aus Hannover weder in der Türkei noch in Montenegro weiterhin Polizeischutz erhielt.

Igor K. hofft indes auf eine Weiter­behandlung in Hannover. Da es „unmöglich“ sei, in Montenegro Hilfe zu bekommen, und auch Mediziner aus Serbien, Kroatien und Israel eine Behandlung abgelehnt hätten, könnten seine Schmerzen in Bein, Knie und Hüfte nur in Hannover gelindert werden.

RND/msk

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