Luftfahrtexperte: Angaben des Iran mit Skepsis betrachten

  • Die iranische Luftfahrtbehörde führt den Absturz einer Boeing bei Teheran auf einen technischen Defekt zurück.
  • Der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sieht diese Angaben skeptisch.
  • Er plädiert dafür, offizielle Untersuchungen abzuwarten.
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Der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg hat dazu aufgerufen, die offizielle Darstellung Teherans, der Absturz des ukrainischen Passagierflugzeuges im Iran sei auf einen technischen Defekt zurückzuführen, mit Skepsis zu betrachten. „Die Erfahrung lehrt, dass vorschnelle Einschätzungen oft danebenliegen. Wir sollten die ersten offiziellen Untersuchungsergebnisse abwarten, die laut internationalen Vereinbarungen in 30 Tagen vorliegen müssen“, sagte Schellenberg dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Laut Schellenberg fehlen zurzeit aussagekräftige Bilder von Wrackteilen, die Auskunft über die Art der Deformation geben könnten. Nur daran sei erkennbar, wie das Flugzeug Feuer gefangen hat und ob es möglicherweise von außen beschossen wurde.

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Schellenberg: Boeing 737-800 gilt als zuverlässig

Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 zählen laut Schellenberg zu den weltweit zuverlässigsten. „Die Unglücksmaschine muss in einem korrekten Grundzustand gewesen sein. Sie war kurz zuvor in Paris, Mailand und London. Die technischen Vorschriften für einen Eintritt in den EU-Luftraum sind streng“, sagte Schellenberg.

Nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs im Iran hat die ukrainische Fluggesellschaft Ukraine International Airlines erste Angaben zur Maschine gemacht. „Es war eines unserer besten Flugzeuge mit einer ausgezeichneten, zuverlässigen Mannschaft“, betonte der Präsident des Unternehmens, Jewgeni Dychne, am Mittwoch in Kiew. Insgesamt waren neun ukrainische Besatzungsmitglieder an Bord.

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„Wahrscheinlichkeit für einen Fehler der Besatzung ist minimal“

Den Angaben nach hatte die Maschine nach dem Start bereits eine Höhe von 2400 Metern erreicht. „Die Wahrscheinlichkeit für einen Fehler der Besatzung ist minimal“, betonte der Vizepräsident der Fluggesellschaft Igor Sosnowski. Die Boeing des Typs 737-800 NG sei 2016 neu an die Ukrainer ausgeliefert worden. Erst am Montag hätte das Flugzeug eine reguläre technische Überprüfung ohne Probleme absolviert.

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Bei dem Absturz am Mittwochmorgen waren alle Insassen ums Leben gekommen. Vorläufigen Angaben nach befanden sich an Bord 176 Menschen. Iranische Vertreter gingen zunächst von einem Triebwerksbrand als möglicher Absturzursache aus.

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