Löchrige Grenze gefährdet Kampf gegen Ebola in Kongo und Uganda

Schon immer wechseln die Bewohner von Kongo und Uganda ohne Formalitäten von einem Land ins andere, die Verwandtschaftsbeziehungen beiderseits der Grenze sind eng. Doch in Zeiten von Ebola stellt das ein hohes Risiko dar, und die Behörden scheinen machtlos.

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Butembo. Die üppig bewachsene Gegend an der Grenze zwischen Kongo und Uganda ist von zahlreichen Trampelpfaden durchzogen. Menschen von beiderseits der Grenze wechseln auf die jeweils andere Seite, um Verwandte, Freunde oder einen der belebten Märkte zu besuchen. Das Problem dabei ist, dass Träger des tödlichen Ebola-Virus unter ihnen sein könnten und so die Bemühungen erschwert werden, den jüngsten Ausbruch der Seuche im Osten Kongos einzudämmen. Inzwischen sind dort mehr als 1400 Menschen an der Krankheit gestorben.

Der geschäftige Grenzposten Mpondwe ist täglich ab 7 Uhr zwölf Stunden lang geöffnet. Nach Einbruch der Dunkelheit nehmen die Menschen aber die schmalen "Panyas", der Kisuaheli-Ausdruck für "Mäusepfade". Die Wege sind ein Zeichen der engen Verbindung zwischen beiden afrikanischen Staaten. Die meisten Bewohner der Gegend haben Verwandte auf beiden Seiten der Grenze. Doch in Zeiten von Ebola bereitet das den Ärzten und örtlichen Behörden Sorge. Der Kongo kämpft seit August vergangenen Jahres gegen einen Ebola-Ausbruch im Osten des Landes. In der vergangenen Woche breitete sich die Seuche ins Nachbarland Uganda aus, zwei Menschen starben daran.

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„Die Grenze ist sehr durchlässig“, sagt James Mwanga, ein ugandischer Polizist, der für den Grenzposten Mpondwe zuständig ist. Man wisse meist nicht, wer die inoffiziellen Grenzübergänge genommen habe. „Wir haben unsere Wachsamkeit erhöht.“

Die Ebola-Todesfälle in Uganda traten auf, nachdem eine kongolesisch-ugandische Familie in den Kongo gereist war, um einen an der Seuche erkrankten Angehörigen zu pflegen. Die Behörden vermuten, dass Mitglieder dieser Familie über einen Trampelpfad nach Uganda zurückkehrten. Unter ihnen waren ein fünf Jahre alter Junge und seine 50-jährige Großmutter, die inzwischen beide an Ebola starben. Möglicherweise setzten sie damit viele Ugander einer Ansteckungsgefahr aus.

Der aktuelle Ausbruch in Ostkongo ist der zweitgrößte in der Geschichte des tödlichen Erregers. Noch verheerender war eine Epidemie in Westafrika, der 2013 bis 2016 mehr als 11.000 Menschen zum Opfer fielen. Trotz zwischenzeitlich entwickelter Impfstoffe erweist sich der aktuelle Ausbruch als schwer zu kontrollieren. Der Osten Kongos ist eine Unruheregion, Rebellen haben dort medizinische Zentren angegriffen, und auch in der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche. Das Virus verbreitet sich leicht durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter und kann in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich verlaufen.

Noch unbegründet, Gesundheitsnotstand auszurufen

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Menschen zu erkennen, die möglicherweise einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren, ist daher entscheidend. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden in Uganda mindestens 112 Ebola-Kontakte ermittelt. Der Ausbruch sei ein „außergewöhnlicher Vorgang“ und Anlass zu großer Sorge, noch sei es aber unbegründet, ihn als internationalen Gesundheitsnotstand einzustufen, teilte ein Expertenkomitee der WHO in der vergangenen Woche mit. Solch ein Schritt könnte „unbeabsichtigte Folgen“ haben, sagte Preben Aavitsland, der amtierende Vorsitzende des Komitees. So könnten Fluggesellschaften Flüge einstellen oder Regierungen Grenzen schließen.

Das kongolesische Gesundheitsministerium erklärte, die Entscheidung zeige, dass seine Bemühungen zur Eindämmung des Ausbruchs effektiv seien. Auch manche Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes sind gegen die Ausrufung eines Notstands. „Stellen Sie sich vor, Nachbarländer würden ihre Grenzen wegen uns schließen“, sagt Gerard Kasereka, ein Mitarbeiter des Dienstes, der in der kongolesischen Stadt Butembo vorbeugendes Händewaschen überwacht. „Wir würden leiden, denn die meisten Menschen in Butembo leben vom Handel, und die meisten unserer Waren kommen aus Uganda, Kenia und Dubai.“

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Trotz der Gefahr weiterer Ansteckungsfälle über die Grenze hinweg betonen die Behörden in Uganda, sie seien bereit, eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Sie dringen auf Wachsamkeit und empfehlen den Menschen, auf Umarmungen und sogar Händeschütteln zu verzichten. An vielen Grenzübergängen müssen Reisende ihre Hände in gechlortem Wasser waschen und ihre Körpertemperatur messen lassen, bevor sie einreisen dürfen.

In Uganda kam es in vergangenen Jahren zu mehreren Ebola-Ausbrüchen

In Uganda kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren Ebola-Ausbrüchen, sie wurden jeweils erfolgreich unter Kontrolle gebracht. Beim ersten Auftreten im Jahr 2000 wurden im Norden des Landes 425 Ugander infiziert, mehr als die Hälfte von ihnen starben. Ein weiterer Ausbruch 2007 kostete 37 Menschen in Bundibugyo das Leben, einem abgelegenen Bezirk nahe der kongolesischen Grenze.„Ich finde in Uganda keinen Verwandten, der bereit ist, mich bei sich übernachten zu lassen“, sagt Morian Kabugho aus dem kongolesischen Dorf Kasindipolo. Sie geht über die Grenze, um auf einem Markt in Uganda Eier zu verkaufen. Über die Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes im Kongo beklagt sie sich. „Ich bin nicht glücklich über meine Regierung. Die Schwestern sind faul. Wenn man ins nächste Gesundheitszentrum geht, schicken sie dich weiter ins entfernte Beni.“ Sollte sie jemals Fieber bekommen und befürchten, sich mit Ebola infiziert zu haben, würde sie nach Uganda gehen, weil sie hoffe, dort besser versorgt zu werden, sagt Kabugho.

Die örtlichen Behörden räumen ein, dass es schwierig sei, die Grenze zu kontrollieren. Sie hoffen, dass mehr Menschen die Sicherheitshinweise beherzigen. Das sei bisher häufig nicht der Fall, sagt Moses Mugisa, ein städtischer Bediensteter, der für die Grenzregion zuständig ist. Offiziellen Zahlen zufolge passieren bei Mpondwe täglich bis zu 800 Kongolesen zu Fuß die Grenze nach Uganda. Wie viele die inoffiziellen Trampelpfade nutzen, ist nicht bekannt. Vor allem an Markttagen sind es viele. „Die Zahlen sind überwältigend“, sagt Primrose Natukunda vom Ugandischen Roten Kreuz. Wenn der Grenzposten geschlossen sei, werde es nach Einbruch der Dämmerung auf den Fußpfaden lebendig. „Nachts passieren die Leute dort die Grenze. Es gibt niemanden, der sie aufhält.“

Von RND/AP