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Linde in Dresden könnte älter als „Deutschlands ältester Baum“ sein

  • Eine Eibe in Balderschwang, eine Femeiche in Raesfeld und eine Linde in Schenklengsfeld wollen bisher Deutschlands älteste Bäume sein.
  • Weit über 1000 Jahre sollen sie der jeweiligen Gemeinde zufolge alt sein.
  • Nun meint ein Forscher aus Dresden, dass eine Linde in der sächsischen Stadt die Gewächse in Sachen Alter überbieten könnte.
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Dresden. Um den Titel „Deutschlands ältester Baum“ wetteifern gleich mehrere Gewächse: eine Eibe in Balderschwang im bayerischen Allgäu, laut örtlicher Website im „Alter von 2000 bis 4000 Jahren“, die Femeiche von Raesfeld, nach Angaben der Gemeinde mehr als 1500 Jahre alt, und die Linde im hessischen Dorf Schenklengsfeld, der Gemeinde zufolge immerhin 1200 Jahre alt. Und auch Dresden hat einen angeblich tausendjährigen Baum: die Kaditzer Linde. Und genau die könnte laut „Dresdner Neuesten Nachrichten“ (DNN) in Wirklichkeit der älteste Baum der aufgezählten sein.

Die Zeitung beruft sich auf Andreas Roloff, Professor am Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der Technischen Universität (TU) Dresden in Tharandt, der skeptisch sei, was die Altersangaben dieser Bäume angehe. Der Wissenschaftler sei demnach zu der Auffassung gelangt, dass es in Deutschland zwar einige wirklich sehr alte Bäume gebe, die mehrere Hundert Jahre alt seien – aber keiner zähle seiner Meinung nach mehr als 1000 Jahre, wie die Gemeinden es angeben. Auch ob die Bäume dieses Alter jemals erreichen, zweifelt er an.

Suche nach dem ältesten Baum Deutschlands kompliziert

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So habe eine Studentin von Roloff kürzlich in ihrer Masterarbeit untersucht, welche Charakteristika alte Bäume zu schutzwürdigen Bäumen machten, und dabei auch nach dem ältesten Baum in Deutschland gesucht, berichten die „DNN“. Doch gefunden habe sie ihn demnach nicht. „Die Aufzeichnungen mit Hinweisen enden meist vor 400, maximal 500 Jahren“, sagt der Wissenschaftler der Zeitung. Die Kaditzer Linde in Dresden könnte in Wirklichkeit älter sein als die Bäume in Balderschwang, Raesfeld und Schenklengsfeld, berichtete Roloff den „DNN“ von den Forschungsergebnissen. Zum einen sei der ursprüngliche Stamm anhand der heute erhaltenen, annähernd halbrunden Stammform noch in Teilen zu erkennen, begründet Roloff das – was bei den anderen nicht überall der Fall sei.

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Zum anderen verweist er laut „DNN“ auch auf eine Lithografie mit dem Titel „Die große Linde auf dem Kirchhofe zu Kaditz“, die nach Abgleichen die Linde vor der großen Brandkatastrophe 1818 zeigen müsse – bei der in Kaditz auch das Pfarrhaus und die Linde brannten. Aus seiner Sicht passe der Umfang von etwa 15 Metern vor der Brandkatastrophe mit den heutigen Ausmaßen des Baumes zusammen. „Dafür braucht eine Linde mindestens 600 Jahre“, sagt Roloff demzufolge. Somit wäre die Kaditzer Linde heute mindestens 800 Jahre alt. Dass es einen Beleg dafür gibt, der die Pflanzung der Kaditzer Linde vor 800 oder gar 1000 Jahren dokumentiere, sei aber sehr unwahrscheinlich.

RND/hsc

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