• Startseite
  • Panorama
  • Leichenfund nach acht Jahren – Polizei überprüft Aussage der Nachbarin

Leichenfund nach acht Jahren – Polizei überprüft Aussage der Nachbarin

  • Frührenter war mit 59 Jahren gestorben – und blieb acht Jahre unentdeckt.
  • Es gibt keine Spuren eines Verbrechens.
  • Die Polizei prüft aber, warum niemand den Tod bemerkte.
|
Anzeige
Anzeige

Senden. Im Fall der nach acht Jahren gefundenen Leiche eines Rentners im Ort Senden im Münsterland überprüft die Polizei derzeit, wie der Tote in seiner Wohnung so lange unentdeckt bleiben konnte. Im Zentrum der Ermittlungen steht die Aussage einer Nachbarin, die sich schon vor längerer Zeit bei der Polizei gemeldet haben will, weil sie ihren Nachbarn länger nicht gesehen und einen „erbärmlichen Geruch“ im Treppenhaus festgestellt habe. Die Polizei aber habe die Wohnung trotz dieser Aussage damals nicht geöffnet, ein Leichenspürhund habe nicht angeschlagen. So stellt es die heute 60-Jährige in Medienberichten dar.

Der Tote war erst am 20. September entdeckt worden, als die Feuerwehr zu einem Kellerbrand in dem Haus gerufen worden war. Feuerwehrleute hatten die Tür gewaltsam geöffnet.

Alle Daten zu Polizeieinsätzen sind gelöscht

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Ob es den Polizeieinsatz damals gegeben hat und wie er genau abgelaufen ist, müssen Beamten jetzt durch mühsame Befragungen herausfinden. Daten zu Einsätzen werden nach fünf Jahren gelöscht und sind nicht mehr vorhanden. Was die Beamten der zuständigen Kreispolizeibehörde Coesfeld nach eigenen Angaben gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) stutzig macht, ist das Vorkommen des Leichenspürhunds in der Erzählung der Nachbarin. Im Normalfall rückten bei einer solchen Vermisstenmeldung Beamte aus und öffneten – je nach Einschätzung der Lage – zuerst einfach die Wohnungstür, erklärt eine Polizeisprecherin in Coesfeld. Gebe es Anzeichen wie starken Geruch oder einen überfüllten Briefkasten, sei das Anlass genug, die Tür zu öffnen – und der logische Weg, um nach der vermissten Person zu sehen. Ein Leichenspürhund sei unüblich und müsse außerdem extra aus der Landesstelle angefordert werden. Diese befinde sich für Nordrhein-Westfalen in Schloss Holte-Stukenbrock. „Theoretisch kann es sein, dass es gar keinen Einsatz gegeben hat“, so die Sprecherin.

Im Briefkasten war nur ein einziger Brief

Auch weitere Ungereimtheiten müssen die Beamten noch klären. Etwa zu der Frage, warum nur ein einziger Brief im Postkasten des Toten gefunden wurde, als die Beamten am 22. September die Wohnung öffneten, nachdem sie wegen eines Kellerbrandes das gesamte Hochhaus evakuieren mussten. Die Metallbriefkästen im Eingang des siebenstöckigen Hauses sind verschlossen, der Hausmeister gibt auf Nachfrage an, von keinem Mieter Zweitschlüssel zu haben. Die Polizei will nun weitere Zeugen befragen, etwa den Postboten.

Fest steht laut den Ermittlern, dass ein Fremdeinwirken bei der Todesursache ausgeschlossen ist. Aufgrund von Hinweisen in der Wohnung und der Obduktion des Leichnams geht die Polizei vom Todeszeitpunkt um die Jahreswende 2011/2012 aus. Die Eigentumswohnung des Toten ist versiegelt und gilt als Tatort, bis alle Fragen geklärt sind. Dazu gehört auch, wer das Erbe antritt und sich um die Bestattung kümmern muss. Der damals 59-Jährige soll einen Sohn haben und einen Bruder, einen pensionierten Schulrektor aus Münster.