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Lavastrom vergrößert La Palma: Ist die neu entstandene Fläche für Menschen nutzbar?

  • Der Ausbruch des Cumbre Vieja auf La Palma sorgt dafür, dass die Kanareninsel wächst.
  • Ein Vulkanologe bezeichnet das als „beeindruckenden, uralten natürlichen Prozess“.
  • Er erklärt, was in ein paar Jahren mit dem neu entstandenen Land geschehen könnte.
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Santa Cruz de La Palma. Seit dem 19. September bricht der Cumbre Vieja auf La Palma aus. Erst vor wenigen Tagen hat der Lavastrom das Meer erreicht. Durch den Kontakt zwischen der rund 1000 Grad heißen Lava und dem Salzwasser des Atlantiks entstehen giftige Gase und Salzsäure, wie Prof. Dr. Donald Bruce Dingwell dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch erklärte.

Die Gasbildung ist allerdings nicht der einzige Effekt der aktuellen Geschehnisse: Die Fläche der Kanareninsel vergrößert sich derzeit durch das Erkalten der ins Meer laufenden Lava. „Die neue Fläche beträgt schon etwa 100 Hektar“, sagt Dingwell, Professor für Geo- und Umweltwissenschaften der Sektion Mineralogie, Petrologie und Geochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem RND am Freitagmittag.

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Experte: „Beeindruckender, uralter natürlicher Prozess“

Das flüssige Gestein härtet aus, sobald es in das etwa 20 Grad warme Wasser des Atlantiks fließt, und schiebt so die Küste langsam ins Meer hinaus, wie auf einem auf Twitter veröffentlichten Video des spanischen Forschungsinstituts CSIC zu sehen war. Es bildete sich eine kleine, etwa 500 Meter breite Halbinsel.

„Was wir hier im kleinen sehen, ist Erdkrustenbildung. Das ist ein beeindruckender, uralter natürlicher Prozess“, betont der Vulkanologe, denn: „Ohne die Vulkane würde es die Kanaren überhaupt gar nicht geben.“ Wie weit die Vergrößerung der Insel reichen könnte, sei stark vom Ausbruchsgeschehen abhängig und schwer vorherzusagen.

Video
Insel La Palma wächst durch Vulkanausbruch
1:34 min
Vulkanologen haben die Hoffnung, dass sich die Lava nach dem Vulkanausbruch auf La Palma nicht weiter an Land ausbreitet.  © Reuters
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Neues Land wohl in ein paar Jahren kultivierbar

Nach der Einschätzung des Experten könnte die neu entstandene Fläche in naher Zukunft auch von Menschen besiedelt oder landwirtschaftlich genutzt werden. „Eine Botanikerin vor Ort hat gesagt, dass das Gebiet sich in drei bis fünf Jahren spürbar biologisch verändern wird. Dann könnte es losgehen“, erzählt der Münchner Professor dem RND. Er vermutet, dass „sich innerhalb von Jahrzehnten, wenn nicht sogar nur Jahren, Menschen melden würden, die das Land nutzen wollen“.

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Aus Sicht eines Wissenschaftlers hätte es Dingwell am liebsten, wenn das neu entstandene Inselgebiet nicht von Menschen berührt werden würde. „Ich würde es als Untersuchungsgebiet ausweisen und nur die Prozesse studieren, die da vor sich gehen“, sagt er. Was die Inselregierung mit der neuen Landfläche aber einmal vorhaben wird, ist ungewiss.

Bislang rund 800 Gebäude durch Lava zerstört

Vulkanologen betonten, dass der Abfluss der Lava ins Meer die Lage auf der Insel etwas entspannt habe, da die Gefahr, dass sich die Lava an Land ausbreitet, gesunken sei, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Bisher seien rund 800 Gebäude zerstört oder beschädigt worden, die meisten davon Wohnhäuser, berichtete die Zeitung „La Vanguardia“. Der Vulkan war am 19. September erstmals seit 50 Jahren wieder aktiv geworden.

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Der Flugverkehr von und zu der Insel konnte unterdessen wieder aufgenommen werden. Mehrere Fluggesellschaften wie Binter und Canaryfly kündigten für Donnerstag bereits Flüge an. Liveflugtracker, die im Internet alle gemeldeten Flüge in Echtzeit anzeigen, verzeichneten am Vormittag je einen Binter-Flug von und zu der Insel.

mit dpa

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