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Lava auf La Palma läuft ins Meer: Warum ist das für die Menschen so gefährlich?

  • Eine gute Woche nach dem Vulkanausbruch auf der spanischen Kanareninsel La Palma fließen heiße Lavaströme ins Meer.
  • Dabei entstehen giftige Gase, die in die Luft aufsteigen.
  • Wie gefährlich die sind, erklärt ein Experte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
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Santa Cruz de La Palma. Zehn Tage nach dem Ausbruch des Vulkans auf der Kanareninsel La Palma hat die flüssige Lava das Meer erreicht. Rauchsäulen steigen auf, als das geschmolzene Gestein in der Nacht zu Mittwoch in den Atlantischen Ozean fließt. Bilder zeigen, wie sich die glühend heiße Lava wasserfallartig über die 100 Meter hohen Klippen ins Meer ergießt. Experten warnten schon vor Tagen, der Rauch könnte giftige Gase enthalten.

Kurz bevor sich die Lava in Los Guirres hinunter ins Meer ergoss, floss sie über eine Küstenstraße und schnitt damit die letzte Verbindung in die Region ab. Das Gebiet wurde schon vor Tagen geräumt, weil die Behörden erwartet hatten, dass die Lava die 6,5 Kilometer lange Strecke zum Meer überwinden würde.

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Stark ätzende Salzsäure entsteht

Die Behörden richteten einen Sicherheitsbereich im Umkreis von 3,5 Kilometern ein und forderten die Bewohner des Gebiets auf, bei geschlossenen Fenstern in ihren Häusern zu bleiben, um ein Einatmen der giftigen Gase, die unter anderem stark ätzende Salzsäure enthalten, zu vermeiden. Sie entsteht, wenn die 1000 Grad heiße Lava in das nur 20 Grad warme Meer stürzt. Es kommt zu einer chemischen Reaktion – und Salzsäure steigt in Gasform nach oben.

Salzsäure kann zu Verätzungen der Haut, starken Atembeschwerden und Reizungen der Augen führen. Zudem können sich winzig kleine Vulkansplitter bilden, die zu Verletzungen in der Lunge führen können.

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Mehrere Landhäuser gingen bereits in Flammen auf, als sie von der um die 1000 Grad heißen Lava erreicht wurden.  @ Quelle: Arturo Jimenez/dpa
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Experte: „Vergleichbar mit einem Industrieunfall“

Es ist aber nicht nur Salzsäure, die die aktuelle Situation so gefährlich macht. „Das, was auf La Palma passiert, kann man von der Qualität und der Gefährdung durch die Gase mit einem Industrieunfall vergleichen“, wie Donald Bruce Dingwell, Professor für Geo- und Umweltwissenschaften der Sektion Mineralogie, Petrologie und Geochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt. „Ein Vulkan enthält viele Gase, von Uran über Fluor bis Schwefel, die zumeist nach oben entweichen. Ein Teil der Gase ist aber auch in der Lava gespeichert, die auf ihrem Weg entgast“, zeigt der Experte auf.

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Besonders gefährlich werde es aber, wenn die heiße Lava auf Wasser treffe. „Die Lava schreckt ab, es kommt zu Explosionen und chemischen Reaktionen“, sagt Dingwell dem RND. Durch den Zusammenfluss von Lava und Meerwasser würden weitere neue Gase, die beispielsweise brom-, schwefel- und chlorhaltig sein können, entstehen. „Der Grund, warum es so pikant ist, wenn Lava ins Meer fließt, ist, dass durch die Explosionen und die Verdampfung von Meerwasser sehr viele Aerosole gebildet werden. Wenn man in der falschen Windrichtung steht, bekommt man die Aerosole voll ab“; erläutert der kanadischstämmige Münchner Professor.

Der Münchner Vulkanologe Donald Dingwell. © Quelle: picture alliance / dpa

Dingwell betont natürlichen Prozess

Für die Natur seien die Auswirkungen des Lavaflusses ins Meer laut Dingwell wenn überhaupt sehr lokal bemerkbar. „Es ist im Grunde nur ein einzelner Lavastrom, der in einen Ozean fließt. Der Meeresbiologie tut das nicht wirklich weh. Es geht kein Ökosystem daran kaputt“, meint der Vulkanologe und betont: „Es handelt sich um einen natürlichen Prozess. Lavaströme sind ein Teil des Ökosystems und nicht anthropologischer Ursache. Dass Lava in Ozeane fließt, gibt es seit viereinhalb Milliarden Jahren. Die Erde hat überhaupt kein Problem damit. Die Menschen vor Ort haben das Problem.“

Donald Bruce Dingwell beobachtet den Vulkanausbruch auf La Palma von Beginn an. Gemeinsam mit seinen Kollegen an der Ludwig-Maximilians-Universität München möchte er aktiv mitforschen und versucht schon seit Längerem, an Gesteinsproben von der Kanareninsel zu kommen, erzählt er dem RND.

Video
Nach Vulkanausbruch: Lava auf La Palma strömt ins Meer
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Tage nach dem Beginn des Ausbruchs eines Vulkans auf der spanischen Insel La Palma kam die Lava am späten Dienstagabend mit dem Wasser in Berührung.  © Reuters
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Sicherheitsbehörde: „Suchen Sie sich einen sicheren Ort“

Die kanarische Sicherheitsbehörde twitterte in der Nacht zu Mittwoch, kurz nachdem die Lava begann, ins Meer zu fließen: „Wenn Sie draußen sind, suchen Sie sich einen sicheren Ort, um Zuflucht zu suchen.“ Im Freien solle man sich mindestens ein nasses Tuch vor Mund und Nase binden. Der kräftige Wind war den Menschen aber bei allem Unglück zunächst wohlgesinnt und blies die Schwaden aufs Meer hinaus.

Die Lavaströme auf La Palma haben seit dem Ausbruch am 19. September mindestens 656 Gebäude zerstört. Betroffen waren zumeist Häuser auf der Südwestseite der Insel. Berichte über Verletzte oder Todesopfer gab es nicht. In den ersten Stunden nach dem Ausbruch hatten die Behörden rasch die Evakuierung von mehr als 6000 Menschen aus der Gefahrenzone organisiert.

RND mit dpa und AP

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