Kugelschreiber bis unters Dach - Ostfriese sammelt für Weltrekord

  • Gerd Reck ist leidenschaftlicher Sammler und der Kuli-König aus Ostfriesland.
  • In seinem Fehhaus stapeln sich die Stifte bis unters Dach.
  • Irgendwann einmal möchte er mit seiner Kugelschreiber-Sammlung einen Weltrekord aufstellen.
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Westrhauderfehn. Nein, das ist jetzt kein Ostfriesenwitz: Wenn Gerd Reck alle seine Kugelschreiber an die Bewohner seines Heimatdorfes Westrhauderfehn in Ostfriesland verteilen würde, bekäme jeder der rund 7000 Einwohner etwa 20 Stück. Doch das ist natürlich keine Option für den Ostfriesen, denn der leidenschaftliche Kugelschreiber-Sammler verfolgt ein festes Ziel: „Ich möchte der Mensch mit den meisten Kugelschreibern auf der Welt werden“, sagt Reck. Rund 150.000 Kulis hat er nach eigenen Schätzungen schon beisammen - nimmt man nur die Einzelstücke seien es immer noch mehr als 80.000, sagt er.

Kugelschreiber gehören zu Gerd Recks Leben - im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie stapeln sich in seinem kleinen Haus, das idyllisch am Seitenarm eines Fehnkanals liegt, bis unter das Dach: Ob auf dem Küchentisch, in Vitrinen im Wohnzimmer oder abgepackt zu Tausenden in Kisten im Obergeschoss - überall sind Kugelschreiber zu entdecken. Den wohl interessantesten Teil seiner Sammlung hat Reck in seinem Party- und Hobbyraum ausgestellt. Meterweise liegen sie dort fein aufgereiht auf Auslagen an den Wänden oder baumeln von der Theken-Decke. „Wenn man es selber nicht gesehen hat, kann man es eigentlich gar nicht glauben“, stellt Reck trocken fest.

Der Siegeszug des Kugelschreibers begann 1938

Die vielen Aufdrucke auf den Stiften zeugen von der kleinen Errungenschaft, die der Kugelschreiber bis heute ist. Über Jahrzehnte hatten immer wieder Tüftler an Füller-Alternativen gearbeitet, die nicht klecksen und austrocknen. Meist mit mäßigem Erfolg. Erst der Ungar Lászlo Bíró erhielt 1938 ein erstes Patent. Von da an begann der Kugelschreiber seinen Siegeszug um die Welt. Ein Schreibtisch ohne Kuli ist heute kaum denkbar - trotz papierlosen Büros.

Reck zeigt Gästen gern seine Objekte. Ein Rundgang durch die Sammlung des ostfriesischen „Kuli-Königs“ mutet fast wie ein kleiner Museumsbesuch an. Formen, Farben und Funktionen sind kaum Grenzen gesetzt: Kugelschreiber im Design von Spritzen, Knochen oder Feuerzeugen, mit Musik oder Licht, in Formen eines Kaktus, Rennwagens oder als Skier. Oder noch extravaganter mit aufklappbarer Miniatur-Toilette oder Lottokugeln am oberen Schaftende.

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Ein bisschen so wie Dagobert Ducks erster Taler: Dieser Kugelschreiber löste Gerd Recks Sammelleidenschaft aus. © Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Von den ganzen „einfachen“ Kulis kaum zu reden, die mit Firmenlogos und Werbesprüchen auch ein Stück Werbegeschichte der vergangenen Jahrzehnte erzählen. Dazu kommen noch lauter kuriose Halterungen, wie etwa eine Pyramide - für den Pharao-Stift, versteht sich. „Wenn ich sowas bekomme, da geht mir das Herz auf“, sagt Reck. Zu einem seiner Lieblings-Kulis zählt ein Stift in Form eines Ferrari-Rennwagens. Gern hätte er darauf noch eine Signatur von Michael Schumacher, doch das werde nach dessen Unfall wohl schwierig, gibt Reck zu.

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Der Minensucher ist keinesfalls allein unterwegs

Mit seiner Leidenschaft ist der „Minensucher“ übrigens nicht allein. Der Club der Kugelschreibersammler Deutschlands zählt aktuell rund 70 Mitglieder. „Es gibt sehr viele, die Kugelschreiber sammeln, aber oft nur für sich selbst im stillen Kämmerlein“, sagt der Vorsitzende Andreas Hennig. Manche sammeln dabei nur bestimmte Typen, andere Sammlungen seien dagegen bunt gemischt. Im Internet und auf eigenen Tauschbörsen wird getauscht. „Man hat irgendwann ein Faible gefunden und das hat einen als Hobby dann nicht mehr losgelassen“, beschreibt Hennig die Leidenschaft vieler Sammler.

Bei Gerd Reck nahm alles vor 27 Jahren seinen Lauf. „Das war ein ganz blöder Zufall“, erinnert sich der 58-Jährige. Bei einer Montage im Daimler-Werk in Sindelfingen in Baden-Württemberg fehlte ihm beim Ausmessen ein Stift. Eine Vertreterin, die gerade in der Nähe einen Automaten mit Schokoriegel befüllte, konnte aushelfen. Sie schenkte ihm einen rot-schwarz-goldenen Kuli des Schokoriegelherstellers Mars. „Der hatte es mir auf den ersten Blick angetan“, sagt Reck. Besonders die verschiebbaren Perlen am Clip faszinierten ihn. „Ich hab mir aber auch gesagt: Da gibt es bestimmt noch schönere.“

Seitdem wird der Sammler regelmäßig auf Flohmärkten fündig. Freunde und Arbeitskollegen versorgen den gelernten Schweißer stets mit neuen Exemplaren, sogar aus dem Ausland. Den wohl größten Teil bekommt Reck aber meist direkt vor seine Haustür geliefert. Entweder legen Spender Stifte in eine rote Blechdose, die vor seiner Garage steht, oder aber sie schicken Kulis aus ganz Deutschland per Paket nach Ostfriesland.

Täglich neue Exemplare

Fast jeden Tag kommen neue Exemplare an - manchmal sogar kistenweise, wie an diesem Morgen ein Pappkarton mit rund 400 Stiften. „Der stand einfach vor der Haustür“, sagt Reck. Demnächst wird dann wieder sortiert. Einzelstücke trennt er von doppelten Exemplaren. Hilfsmittel wie etwa eine große Excel-Tabelle, in der Typen aufgelistet sind, hat er nicht. „Wenn man sich dafür interessiert, dann hat man die Doppelten im Blick“, erklärt der Ostfriese.

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Es gibt auch ungewöhnliche Exemplare in der Sammlung - wie hier dieser Kugelschreiber in Form einer ägyptischen Göttin mit dazugehöriger Pyramide. © Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Für den Weltrekord muss Reck wohl noch ein bisschen sammeln. Zwar gibt es aktuell keine offizielle Zahlen. In Deutschland gebe es Sammler mit rund 300.000 Stiften, berichtet Club-Vorsitzender Hennig. Einen Höchstwert hält aber der Däne Finn Sörensen. Er besitzt nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Kugelschreiber. Ein Teil seiner Sammlung lagere der Däne in Hochseecontainern, sagt Hennig. „Das ist ein sehr platzintensives Hobby.“ Auch Gerd Reck plant schon eine Erweiterung: In diesem Sommer soll im Garten noch eine Holzhütte für seine Sammlung gebaut werden. So will der Ostfriese seinem Traum vom Weltrekord näher kommen - Stift für Stift.

dpa/RND

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