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Kritik an „Monopoly“-Spiel: Hasbro entschuldigt sich für antisemitischen Begriff

  • Eine Sonderedition des berühmten „Monopoly“-Brettspiels wirbt mit dem Untertitel „Mogeln und mauscheln“ – wer am besten betrügt, gewinnt.
  • Der Begriff „mauscheln“ hat allerdings einen antisemitischen Hintergrund.
  • Beim Hersteller Hasbro hat man das offenbar nicht gewusst.
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Dreieich. „Mogeln und mauscheln“ heißt die Sonderedition des „Monopoly“-Spiels des US-amerikanischen Spieleherstellers Hasbro – und die Idee klingt zunächst einmal ganz witzig: Wer bei diesem Spiel am besten schummelt, der gewinnt.

„(Fast) alles ist erlaubt bei dieser Variante des berühmten Brettspiel­klassikers“, heißt es im Werbetext zum Spiel. „Auf dem Spielplan liegen Mogelkarten, die die Spieler versuchen zu erfüllen. Heimlich Geld aus der Bank nehmen? Zu viel Miete berechnen? Beim Würfeln mogeln? Wer (…) am besten mauschelt, ist im Vorteil. Aber wer erwischt wird, muss mit der im Spiel enthaltenen Handschelle ins Gefängnis.“

Das Problem an der Sache: Der Begriff „mauscheln“, der im Untertitel und in Werbetexten des Spiels zu Hauf verwendet wird, hat eine antisemitische Geschichte. Auf diesen Umstand weist der Autor Ronen Steinke auf Twitter hin.

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Spottname für jüdische Händler

„Ich nehme an, #Aldi und @Hasbro, euch war nicht bewusst, was es mit dem Wort ‚mauscheln‘ auf sich hat, das ihr für den Titel eures neuen ‚Monopoly‘-Spiels verwendet. Drum erklär ich’s gern kurz. #antisemitismus“, schrieb Steinke am Montag.

Oft werde das Wort ohne böse Absicht verwendet – für schummlerisches Geschäftemachen, so der Autor. „Aber es ist entstanden im 17. Jahrhundert, es ist abgeleitet von Mauschel, einer jiddischen Form des Vornamen Moses (auf Hebräisch: Moshe). Dieser Name wurde damals im deutschsprachigen Raum als Spottname für jüdische Händler oder auch allgemein für arme Juden hergenommen. Als ‚Übername‘, wie Sprachwissenschaftler*innen sagen. So wie später – und ähnlich abfällig – auch ‚Ali‘ für Türken.“

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Das Verb Mauscheln bedeute im Wortsinne nichts anderes als „reden wie ein Jude“. „Kurz: Das Wort sollte man nicht verwenden“, so Steinke.

Vielen ist die Bedeutung nicht bekannt

Auf Twitter stieß der Post auf großes Interesse. Einige Nutzerinnen und Nutzer fragen sich, wie so etwas überhaupt passieren kann. „Das Schlimme ist doch, dass man das nach 40 Sekunden Recherche bei Wikipedia herausgefunden hat. Daher ist von klarer Absicht seitens @Hasbro auszugehen“, glaubt sogar einer.

Ein anderer kommentiert: „Kann passieren. Ich hab mir bis gerade eben auch nichts bei dem Wort gedacht, was ich in Zukunft ändern werde.“ Eine Nutzerin gibt zu: „Ich kannte das Wort ‚mauscheln‘ in seiner negativen Bedeutung und hab es gelegentlich benutzt, aber der Ursprung war mir nicht bekannt. Wieder was gelernt und ich werde bewusst darauf achten, es nicht mehr zu benutzen.“

Nazis nutzen „mauscheln“ für ihre Propaganda

Tatsächlich hat der Begriff „mauscheln“ eine belastete Vergangenheit. Als weitere Bedeutung entwickelte sich im 17. Jahrhundert auch die Formulierung „wie ein Schacherjude handeln“, also betrügen. Dieses unsaubere Geschäft „nach Judenart“ nannte man Mauschelei.

Im einem 1870 erschienenen judenfeindlichen Pamphlet mit dem Titel „Der Mauscheljude“ wird bereits vor einer angeblichen jüdischen Weltverschwörung gewarnt. Die Nationalsozialisten verwendeten den Begriff dann später ausgiebig in ihrer Propaganda. Beispielsweise kommt der Begriff in Julius Streichers Hetzblatt „Der Stürmer“ vor, aber auch in dem von Elvira Bauer veröffentlichten Kinderbuch „Trau keinem Fuchs auf grüner Heid und keinem Jud bei seinem Eid!“

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde der Begriff nicht mehr verwendet. Jedoch tauchte er ab 1970 wieder verstärkt in der Alltagssprache auf, wie in Isabel Enzenbachs „Handbuch des Antisemitismus“ nachzulesen ist, diesmal jedoch ohne Bezug auf seinen antisemitischen Hintergrund. Im Duden beispielsweise steht heute nur noch, dass der Begriff umgangssprachlich als Synonym zu „betrügen“ oder „täuschen“ genutzt werde – kein Hinweis zu seiner Herkunft.

Allerdings hat der Begriff auch insbesondere in der Spielebranche eine belastete Vergangenheit. Ein Kartenspiel mit dem Namen „Mauscheln“ oder „Polnische Bank“ war beispielsweise in Deutschland und den Ländern des früheren Österreich-Ungarn lange Zeit weit verbreitet. Und auch, wenn der Begriff heute anders verwendet wird, so hatte er damals auch bei diesem Kartenspiel einen eindeutig antisemitischen Hintergrund.

Hasbro entschuldigt sich

Den deutschen Mitarbeitern des Unternehmens Hasbro scheint die Geschichte des Wortes jedenfalls nicht geläufig gewesen zu sein. Tatsächlich verwendet das Unternehmen die Unterzeile „Mogeln und mauscheln“ gleich bei zwei Spielen: Bei „Monopoly“ und auch bei „Cluedo“.

„Bei der Übersetzung der Spieletitel von ‚Monopoly Cheaters Edition‘ und ‚Cluedo Cheaters Edition‘ war uns diese Bedeutung hinter dem Wort nicht bewusst“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND). „Wir entschuldigen uns zutiefst bei allen, die sich durch unsere unwissentliche Verwendung dieses Begriffs beleidigt fühlen könnten, und werden bei zukünftigen Produktionen dieser Spiele einen neuen Titel verwenden“, heißt es weiter.

Die Spiele mit dem Untertitel „Mogeln und mauscheln“ seien bereits seit 2018 in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Markt. Bislang hatte den antisemitischen Hintergrund des Begriffes offenbar schlichtweg niemand bemerkt.

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