• Startseite
  • Panorama
  • Kritik an Maskenpflicht-Wirrwarr in Hamburg: „Steigt keiner durch“

Kritik an Maskenpflicht-Wirrwarr in Hamburg: „Steigt keiner durch“

  • Vor einer Woche führte der Hamburger Senat eine verschärfte Maskenpflicht ein: An einigen öffentlichen Plätzen der Hansestadt müssen Masken nun auch im Freien getragen werden.
  • Allerdings gelten die Regeln nur in bestimmten Straßen – und zu bestimmten Zeiten.
  • Das führte zu reichlich Verwirrung.
Johanna Apel
|
Anzeige
Anzeige

Hamburg. Es klingt eigentlich simpel: Um eine Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, gilt vielerorts die Maskenpflicht. Wo Menschen sich zu nahe kommen, sollen sie dadurch sich und andere schützen. Komplizierter wird es jedoch, wenn nicht allen klar ist, wann und wo das Tragen einer Maske Pflicht ist.

In den vergangenen Tagen sorgten Meldungen aus Hamburg für reichlich Verwirrung: Dort hatte der Senat die Maskentragepflicht verschärft. So gilt seit dem 12. Oktober in einigen Teilen der Hansestadt die Maskenpflicht auch im Freien – allerdings nur in bestimmten Straßen und zu bestimmten Uhrzeiten. Hamburg hat am Montag die wichtige Warnstufe von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten.

Maskenpflicht an einigen Hamburger Straßen

Anzeige

Wer also künftig entlang der Binnenalster schlendern will, sollte die Maske griffbereit haben: Denn dort gilt die Maskenpflicht täglich von 15 bis 18 Uhr und zwar „im räumlichen Bereich vor dem Gebäude mit der Hausnummer 40, abgegrenzt durch die Straßen Ballindamm und Bergstraße“, wie es in der dazugehörigen Verordnung heißt.

Die Maskenpflicht im Freien betrifft auch Hamburgs wohl berühmteste Straße: die Reeperbahn. Allerdings nicht immer und überall, wie ein Blick in die neue Verordnung verrät: „Einschließlich der Plätze Nobistor und Spielbudenplatz, abgegrenzt durch den Millerntorplatz, die Straße Zirkusweg, die Holstenstraße und den Finkenpark sowie in der Straße Spielbudenplatz im räumlichen Bereich der Hausnummern 1 bis 31, freitags, sonnabends sowie an Feiertagen und tags zuvor, jeweils von 18 Uhr bis 4 Uhr am Folgetag.“

Verwirrung in den sozialen Medien

Anzeige

Was kompliziert klingt, sorgte auch in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Zahlreiche Nutzer auf Twitter und Facebook kritisieren die neue Regelung. So sei sie gerade für Ortsfremde schwer umzusetzen und schaffe auch bei Hamburgern „vollkommene Verwirrung“. Viele Nutzer mobilisieren dabei nicht gegen eine Maskenpflicht per se – finden aber die jetzige Form befremdlich. So kommentiert etwa ein Facebook-Nutzer mit dem Namen Sep Nie: „Macht allgemein Sinn. In dieser Flickenteppichform eher nicht. Das ist wie Busfahrplan und Tidenkalender auswendig lernen. Da wird keiner mehr durchsteigen.“

Eine Sorge, die auch beim Senat angekommen ist. So nahm die Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bei einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche Stellung zu den Vorwürfen, dass die Regelung Verwirrung stifte. Die Straßen seien nicht willkürlich gewählt, sondern danach „wo nachweislich über einen längeren Zeitraum hohe Personenkonzentrationen stattgefunden haben. Danach sind auch die Uhrzeiten ausgewählt worden“, so Leonhard.

Anzeige

Maskenpflicht auch auf der Reeperbahn

Die Regelung soll also da greifen, wo viele Menschen aufeinander treffen und sich auch im Freien zu nahe kommen könnten – etwa an den vielfrequentierten Straßenzügen in der Innenstadt. Das ist jedoch nicht zu jedem Zeitpunkt gleich: Einige öffentliche Plätze sind tagsüber stärker besucht, andere wiederum in den Abendstunden oder nachts.

So dürfte es wenig verwundern, dass die Maskenpflicht auf der Reeperbahn von 18 bis 4 Uhr gilt – also dann, wenn sie am vollsten ist. Melanie Leonhard erklärte die grobe Faustregel: So könne man sich grundsätzlich merken, dass die Maskenpflicht an Orten, die eher dem Kontext Abend und Freizeitgestaltung zuzuordnen sind, eher abends und am Wochenende gelte. „Und in Bereichen, die eher dem Kontext ‚Einkaufen tagsüber‘ zuzuordnen sind, gilt sie tagsüber“, so die Senatorin.

Schilder weisen auf Maskenpflicht hin

Bei der Pressekonferenz zeigte sie Verständnis dafür, dass die neuen Regeln noch nicht jedem bewusst sein könnten. „Das wissen wir ja und darauf nehmen wir natürlich auch in unserer Kontrollpraxis Rücksicht“, so Leonhard. Zum besseren Verständnis sollen nun auch Schilder an den jeweiligen Orten über die Maskenpflicht informieren, außerdem weisen Beamte vor Ort darauf hin.

Dass die Regelung sogar zwischen Hausnummern unterscheide, hat laut der Gesundheitssenatorin folgenden Grund: So habe man „einzelne Hausnummern erfasst, um Platzbereiche zu kennzeichnen“, erklärt Melanie Leonhard. „Das müssen wir immer tun, denn wir müssen nachweisen, dass es genau die Bereiche trifft, in denen es sozusagen zu Ballung kommt.“ Die nächsten Wochen würden zeigen, wie diese Regelung funktioniere – und ob sie vielleicht ausgeweitet werden müsse. Schöner sei allerdings – so die Senatorin – wenn sie gar nicht mehr erforderlich sei.

Ärztekammerpräsident: Durch milde Mittel bereits sehr viel erreicht

Dem pflichtet auch der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Pedram Emami, bei. „Wir reden in den letzten Tagen sehr oft darüber, warum Maßnahmen eingeführt werden. Dabei ist das Augenmerk immer auf die Maßnahmen selbst gerichtet und nicht auf den Auslöser, warum diese Dinge eingeführt werden“, so Emami. Durch relativ milde Mittel habe man die Dinge im Sommer im Griff gehabt – und damit sei schon „sehr, sehr viel erreicht“ worden. Allerdings lasse bei vielen Menschen nun die „Stringenz und Konsequenz“ nach, mit der die Maßnahmen gefolgt werden.

Das führe wiederum dazu, dass Maßnahmen ergriffen werden müssten, erklärt der Mediziner. „Und da kann ich nur an die Öffentlichkeit appellieren: Es ist verhältnismäßig einfach, die Dinge im Griff zu behalten – wenn wir das nur alle gemeinschaftlich machen. Wenn wir die Solidarität bewahren und uns an die ganz einfachen Regeln halten, müssen die Dinge nicht noch komplizierter werden, als sie es ohnehin schon sind.“







  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen