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Nachfrage steigt enorm

Deutsche kaufen immer mehr Privatbunker: „Das Telefon stand lange nicht still“

Mithilfe eines Krans wird ein Privatbunker aufgestellt.

Hannover.Der Krieg Russlands gegen die Ukraine versetzt aktuell viele Menschen in Sorge um die eigene Sicherheit. Auch die Frage nach Luftschutzbunkern in Deutschland rückt seitdem wieder stärker in den Vordergrund. Der Bund hat daher nun eine Bestandsaufnahme von öffentlichen Schutzbunkern angestoßen. Einige Menschen wollen sich aber auch privat absichern und einen eigenen Schutzraum für den Fall der Fälle besitzen. „Viele haben sich schon jahrelang mit dem Gedanken beschäftigt, aber es nicht als allzu wichtig erachtet. Aber jetzt – ausgelöst durch den Krieg – sagen sie: ‚Ich halte das für wichtig und jetzt möchte ich das Projekt umsetzen‘“, sagt Mark Schmiechen, Sprecher des Unternehmens Bunker Schutzraum Systeme Deutschland (BSSD).

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Privatbunker für mehrere Hunderttausend Euro

Das in Berlin ansässige Unternehmen hat sich seit 2014 auf den Bau von Schutzräumen spezialisiert und stellt individuell konfigurierte Bunker her. Die Ausstattung kann dabei völlig unterschiedlich ausfallen. „Das richtet sich ganz nach dem Kunden, wie lange und mit wie vielen Leuten er sich vorstellt, in solch einem geschützten Ort zu sein“, so Schmiechen. Das Standardmodell habe etwa zwei Betten und eine Lüftungsanlage, die schädliche biologische und atomare Stoffe ausfiltert. „Die fertige Zelle wird bei den Kunden und Kundinnen in der Regel direkt vor Ort in die Erde eingelassen“, erklärt der Sprecher. Teilweise werden die Schutzräume aber auch direkt in Neubauten verbaut.

Blick in einen Privatbunker.

Blick in einen Privatbunker.

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Je nach Ausstattung und Größe ist das keine günstige Investition: Abhängig vom jeweiligen Anbieter liegen die Einstiegspreise zwischen 45.000 und 49.000 Euro. Größere Modelle liegen meist zwischen 360.000 und über 385.000 Euro. Dennoch gehören laut Schmiechen nicht nur reichere Personengruppen zur Kundschaft des Unternehmens: „Das geht quer durch alle Gesellschaftsschichten.“

Mehr Kundinnen

„Interessant ist, dass in der Anfangszeit des Krieges mehr Frauen als Männer angerufen haben. Vielleicht auch weil das Schutzbedürfnis für die eigene Familie bei ihnen manchmal ausgeprägter ist“, berichtet Schmiechen. Derzeit würden sich auch oft mehrere Familien oder Menschen zusammentun, um gemeinsam einen Schutzraum bauen zu lassen.

Das Weltgeschehen habe sich schon immer auf die Nachfrage ausgewirkt. „Immer wenn es auf der Welt kleinere Krisen gab, sind mehr Leute zu uns gekommen und haben sich für Bunker interessiert“, so Schmiechen. „Mit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine ist das immens in die Höhe geschnellt. Das haben wir deutlich an den Aufrufzahlen unserer Internetseite gesehen. Wir waren vorher bei 100 bis 300 Aufrufen pro Tag und sind dann innerhalb eines Tages auf 10.000 geschnellt.“ Auch Wochen nach Kriegsbeginn bekäme das Unternehmen immens viele Anfragen. Aktuell betrage die Warte- beziehungsweise Lieferzeit für einen Bunker vier Monate.

„Sorgentelefon der Bevölkerung“

„Das Telefon stand ziemlich lange nicht still“, erklärt der BSSD-Sprecher. Das Unternehmen habe sogar eine gesonderte Hotline eingerichtet. „Da haben Menschen aus allen Gesellschaftsschichten angerufen und haben ihre Ängste und ihr Schutzbedürfnis geschildert. Also vor allem in den ersten beiden Wochen des Krieges kamen wir uns ein bisschen vor wie das Sorgentelefon der Bevölkerung.“

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Die Privatbunker gibt es in verschiedenen Größen.

Die Privatbunker gibt es in verschiedenen Größen.

Aber verdient das Unternehmen auf diese Weise nicht an der Angst der Menschen? „Erst mal ist am Geldverdienen an sich nichts Verwerfliches“, betont Schmiechen. „Wir freuen uns natürlich nicht, dass es den Krieg gibt und wir deswegen mehr Aufträge haben, um Gottes willen.“ Sie nähmen die Kunden mit ihren Problemen und Bedürfnissen ernst.

Wie viele private Bunker es in Deutschland schätzungsweise gibt, ist nur schwer zu beziffern. Die Zahl der öffentlichen Schutzräume wurde jedoch in den vergangenen Jahren stark reduziert: Nach Angaben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verfügt der Bund derzeit noch über 599 öffentliche Schutzräume für den Kriegsfall. Diese bieten gerade mal etwas mehr als 400.000 Menschen Platz. Grund für die wenigen Bunker ist eine Rückbaumaßnahme von Bund und Ländern. Sie waren 2007 übereingekommen, öffentliche Schutzräume nicht mehr zu erhalten. Aufgrund des Krieges gegen die Ukraine wurde diese Rückbaumaßnahme mittlerweile gestoppt. Der Bestand an Schutzbunkern in Deutschland und ihre Zustände sollen nun untersucht werden.

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