Ein Prinz ohne Gefolge: Wie Sven I. den Kölner Karneval verbringt

  • Keine Umzüge, keine Versammlungen und keine wilden Partys: Der Kölner Straßenkarneval fällt in diesem Jahr coronabedingt aus.
  • Doch Sven Oleff regiert diese Session trotzdem als Prinz Sven I.
  • Wie Prinz Karneval den Rosenmontag ohne sein Gefolge verbringt.
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Köln. Eigentlich müsste er jetzt ganz oben auf seinem Wagen stehen, in einem Schwall von Konfettiregen, Kamelle schmeißen. Doch Prinz Sven I. wird an diesem Rosenmontag nicht mitten im Geschehen und ganz ohne seine Kölner Karnevalsjecken sein.

An diesem Rosenmontag 2021 wird der Prinz, der in seiner bürgerlichen Existenz Sven Oleff heißt, auf seiner Couch sitzen, wie er am Telefon erzählt. Mit seiner Ehefrau und der dreijährigen Tochter an der Seite, die dann wahrscheinlich im Kostüm durchs Zimmer tanzen wird, wird er den Rosenmontagszug auf dem Bildschirm vorbeifahren sehen, als Modellnachbildung. Ohne Bierchen. „Der Karneval ist in diesem Jahr alkoholfrei“, sagt der 44-Jährige. Als Oleff im Januar bei der Proklamation zum Prinzen wurde, war schon klar, dass diese Session ganz anders sein würde als alle anderen, die er selbst von klein an mitgefeiert hat. Kein Umzug und erst recht keine jubelnden Jecken. Straßenkarneval und Corona-Pandemie sind eben inkompatibel.

Karneval und Corona? Geht mit Lkw-Auftritt im Hinterhof

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Gibt es denn überhaupt Karneval, die fünfte Jahreszeit, wenn keiner kommen darf, um ihn zu feiern? „Der Karneval ist ja viel mehr als diese betrunkenen Massen, die man im Fernsehen immer sieht“, sagt Sven Oleff im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Karneval ist Gemeinsamkeit, Karneval ist soziale Verantwortung und Vereinsleben.“ Statt großer Auftritte als Dreigestirn mit Bauer Gereon (Gereon Glasemacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Björn Braun) gebe es nun Termine, die auch in der Corona-Pandemie funktionieren.

Zum Beispiel auf einer Lkw-Bühne in den Innenhof eines Altenheims zu fahren. Das war sein erster und für ihn wichtigster Termin als Prinz. „Da standen die Menschen an ihren Fenstern. Und manche haben gelacht und manche haben geweint. Die waren so froh, endlich wieder jemanden anderen zu sehen“, erinnert sich Oleff, der als gelernter Gas- und Wasserinstallateur ein Familienunternehmen führt. Dass man mit dem Karneval so im Kleinen wieder ein bisschen Normalität bieten könne, sei das, was diese andersartige Amtszeit so wertvoll mache. Trotzdem: Er vermisse seine Jecken. „Das ist schwer.“

98 Prozent der Umsätze von normalerweise 600 Millionen Euro fallen weg

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Aber der Karneval steht nicht nur für Kölner Traditionen. Er ist auch ein wichtiger Umsatzbringer, der in diesem Jahr fehlt. 98 Prozent von 600 Millionen Euro Umsatz fehlen in diesem Jahr für diejenigen, die am Karneval verdienen. Für Taxifahrer, Hoteliers, Restaurantbesitzer oder Tontechniker ist der Wegfall des Straßenkarnevals, so wichtig er für das Infektionsgeschehen ist, existenzbedrohend. Deswegen gibt es neben digitalen Veranstaltungen auch eine Spendenaktion: „Mer looße üch nit allein“ heißt sie und soll in Not geratene Bühnenarbeiter, Roadies, Fahrer, Karnevalskünstler, Tanzgruppen und Spielmannszüge unterstützen.

Nach dem Spendenmarathon zur Weiberfastnacht sind schon 800.000 Euro zusammengekommen. Für Prinz Sven I. ist das der große Beweis für die der Isolation trotzende Karnevalsgemeinschaft. „Damit können wir natürlich nicht Tausenden von Menschen helfen“, sagt Michael Kramp, Pressesprecher des Kölner Karnevals. Aber es sei ein Anfang.

2022 darf Sven Oleff noch einmal Prinz Karneval sein

Und so steht Sven Oleff mit seinem Amt vor einem nicht zu lösenden Problem: Die Verantwortung hat er, aber zu den Jecken kommt er nicht. Doch traurig oder gar enttäuscht ist er nicht, dass er ausgerechnet in dieser seltsamen Zeit das Prinzenamt innehat. „Das Amt ist Ehre und Verantwortung zugleich. Und die Ehre in diesem besonderen Jahr noch höher“, findet er.

Außerdem: Er darf im nächsten Jahr gleich noch einmal ins Prinzenkostüm schlüpfen. Denn der Kölner Karneval hat entschieden – und das zum allerersten Mal –, dem diesjährigen Dreigestirn auch noch gleich die nächste Session 2022 zu überlassen. Ein paar kleinere Veranstaltungen wie den Altenheimbesuch soll es auch wieder geben. Aber vor allem einen richtigen Rosenmontagszug. Dann wird es ja vielleicht was, mit dem Konfettiregen, mit dem Kamelleschmeißen, mit dem Winken in die jubelnden Massen – wenn die Verbreitung des Coronavirus es denn zulässt.

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