„Kölle Alarm“ statt „Kölle Alaaf“? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Karnevalsauftakt

  • „Kölle Alarm“ statt „Kölle Alaaf“? Die feuchtfröhlichen Bilder von singenden Menschenmassen zum Karnevalsbeginn überraschten sogar manche Frohsinnsversteher.
  • Kritiker halten sie für komplett unverantwortlich, die Diskussion geht auch nach Party-Ende weiter.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Köln. Die Schminke ist vom Gesicht, die letzten Gläser sind geleert - aber die Bilder vom Beginn der Karnevalssaison am Donnerstag bleiben in den Köpfen. Während die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland steigt, standen an den Party-Hotspots im Rheinland Tausende Menschen dicht an dicht zusammen, sangen, tranken. Masken? Oft nur jene, die zum Kostüm gehörten. Wer dabei war, freute sich. Wer die Aufnahmen im Internet oder im Fernsehen sah, wunderte sich. Ein Versuch der Einordnung.

Wieso war da so viel los?

Der 11. November ist der Beginn der Karnevalssaison. Vor allem im Rheinland sind deswegen viele Menschen auf den Beinen. Fällt der „elfte Elfte“ im Kalender auf einen Donnerstag oder Freitag, ist oft noch etwas mehr los, weil sich die Party gut mit einem längeren Wochenende zum Auskatern verbinden lässt. Im vergangenen Jahr fiel all das aber aus. Gerade Köln verwendete viel Energie darauf, Menschen vom Feiern abzuhalten, was auch gelang. Am Donnerstag war es dagegen wieder möglich - was dazu führte, dass sich nicht nur im Rheinland, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet viele mit Kostüm und Bierglas auf den Weg machten. Aber: Es gab Bedingungen.

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Was waren die Auflagen?

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Bei Karnevalsfeiern in Innenräumen durften in Köln nur Immunisierte mitschunkeln - also Menschen, die geimpft oder genesen waren. Die Party-Hotspots in der Altstadt und im Zülpicher Viertel - sehr beliebt bei Jüngeren - wurden zudem abgesperrt. Für den Zutritt galt auch hier die 2G-Regel. Impf- oder Genesenen-Nachweise wurden an den Eingängen kontrolliert, wenn auch nicht immer in Kombination mit einem Personalausweis. Vor allem in das Zülpicher Viertel strömten die Menschenmassen. In allen abgesperrten Feierzonen - also auch in der Altstadt - kamen nach einer Schätzung der Stadt Köln insgesamt etwa 50.000 Menschen zusammen. Also ein gefülltes Stadion.

Was sagen die Kritiker?

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In Anbetracht der Aufnahmen waren selbst manche Kölner überrascht, was wieder möglich zu sein scheint. Der Vorwurf: Es sei unverantwortlich, trotz der hohen Corona-Inzidenzen derart eng beieinander zu feiern. Im Jahr zuvor, als alles abgesagt war, hatte das Robert Koch-Institut (RKI) am 11. November die sogenannte 7-Tage-Inzidenz mit 138,1 angegeben. Am Donnerstag war es ein höherer Wert: 249,1. Viele Menschen waren fassungslos, warum mancherorts Martinszüge abgesagt wurden, eine karnevaleske Mega-Sause aber geht.

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Zumal Frohsinn und Virus schonmal eine ungute Liaison eingegangen waren - die sogenannte Kappensitzung in Gangelt gilt als erster großer Corona-Ausbruch in Deutschland. Dass Feiern nicht komplett zu verbieten, sei das eine, sagen Kritiker. Aber muss dann unbedingt auch noch eine Karnevalsband zum Einheizen singen?

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagt dem Sender RTL, die Bilder hätten ihn „gegraust“. „Das werden wir in ein bis zwei Wochen bitter bezahlen.“ Und daran würden dann nicht nur die Jecken leiden - sondern auch andere. „Wir sehen das auch natürlich mit Sorge“, sagt Norbert Kuster, Geschäftsführer des Landesverbandes NRW in der Deutschen Diabetes-Hilfe. Diabetiker gehören nach Angaben der Organisation zu den Menschen, die ein höheres Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben. „Wir müssen noch Opfer bringen. Wir müssen da aufpassen“, sagt Kuster.

Was sagen die Befürworter?

Sie verweisen unter anderem darauf, dass die Rahmenbedingungen im November 2021 anders sind als 2020. Der Unterschied zur Session des Vorjahres sei, dass 85 Prozent der Menschen über 18 Jahre geimpft seien, erklärt etwa Karl-Josef Laumann (CDU). Der NRW-Gesundheitsminister sieht die Sache realpolitisch: „Also ich glaube einfach, dass du einem Kölner diese Karnevalsgeschichte nicht austreiben kannst.“ Es sei besser, draußen und mit 2G in Kneipen zu feiern als das Geschehen dem Zufall zu überlassen.

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Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn sagt, für Kölner gehöre Karneval fest zum Leben dazu, das Bedürfnis sei groß gewesen. „Deshalb müssen wir einen Tag wie den 11.11. so gut wie möglich organisieren, weil sonst Eskalationen drohen.“ Viele Feiernde selbst gaben an, dass ihnen schon ein wenig mulmig sei. Aber ganz ohne Karneval - das gehe eben auch nicht.

Wobei man sagen muss: Auch ohne Pandemie gab es oft schon Probleme in Rest-Deutschland, den Enthusiasmus für die „fünfte Jahreszeit“ in den Karnevalshochburgen irgendwie begreifen zu können.

RND/dpa

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