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Klinikpersonal will sich nicht impfen lassen – 153 Angestellte in Houston entlassen

  • 153 Krankenhausangestellte in Houston werden entlassen, weil sie sich nicht impfen lassen wollen.
  • 117 von ihnen gehen juristisch dagegen vor und vergleichen ihre Situation mit medizinischen Experimenten in den Konzentrationslagern der Nazis.
  • Die Klage wird abgewiesen – der Fall löst eine Debatte aus.
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Dallas. 153 Angestellte einer Klinik in Houston sind nach einer gescheiterten Klage gegen eine Corona-Impfpflicht gefeuert worden oder von sich aus gegangen. Dies teilte eine Sprecherin des Houston Methodist Hospital am Dienstag mit. Im April hatte die Einrichtung als erstes Großkrankenhaus in den USA vorgeschrieben, dass sich Mitarbeiter gegen das Coronavirus impfen lassen müssen. Dagegen gingen 117 Angestellte juristisch vor.

Ihre Situation lasse sich mit medizinischen Experimenten vergleichen, die unwillige Opfer in Konzentrationslagern der Nazis im Zweiten Weltkrieg über sich hätten ergehen lassen müssen, argumentierten die Angestellten. Bundesrichter Lynn Hughes bezeichnete den Vergleich in einem Urteil vom 12. Juni als „verwerflich“ und wies die Klage ab. Die Behauptung der Kläger, wonach die Vakzine experimentell und gefährlich seien, sei falsch, erklärte er. Wenn den Angestellten die Vorschrift nicht gefalle, könnten sie ja auch woanders arbeiten.

Angestellte sollten sich bis zum 7. Juni impfen lassen

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Das Houston Methodist Hospital hatte Angestellte aufgefordert, sich bis zum 7. Juni impfen zu lassen. Am darauffolgenden Tag wurden 178 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wegen Missachtung der Vorschrift für zwei Wochen ohne Bezahlung suspendiert.

Die impfunwilligen Klägerinnen und Kläger sind nach der jüngsten Richterentscheidung bereits vor ein Berufungsgericht gezogen. Die Krankenschwester Jennifer Bridges war Hauptklägerin in dem Fall um das Houston Methodist Hospital. Für den Fall eines Sieges auf Bundesebene hoffe sie darauf, dass „sie Gesetze machen, die Angestellte davor schützen, das an jedem anderen Ort des Landes durchmachen zu müssen“, sagte sie mit Blick auf die Impfpflicht. Sie glaube einfach nicht an die Sicherheit der Impfstoffe.

Die US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention haben betont, dass die Corona-Vakzine bis auf eine geringe Zahl gesundheitlicher Probleme sicher und hochwirksam seien.

Wie weit darf das Gesundheitswesen zum Schutz der Patienten gehen?

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Der Fall in Texas wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie weit das Gesundheitswesen für den Schutz von Patienten und anderen gehen kann. Entsprechend groß war in den USA das Interesse an dessen Ausgang, zumal es sich laut Berichten um den ersten derartigen Justizstreit in Amerika handeln soll. Die Debatte dürfte nun aber erst losgehen. Denn andere Kliniken im Land, etwa in Washington D.C., Indiana, Maryland, Pennsylvania und zuletzt New York taten es dem Houston Methodist Hospital mit einer Impfvorschrift gleich und spüren nun ebenfalls Gegenwind aus der Belegschaft.

Rechtsexperten sagen, dass solche Vorgaben gerade in Zeiten einer öffentlichen Gesundheitskrise wahrscheinlich auch weiterhin von den Gerichten bestätigt würden, solange Arbeitgeber angemessene Ausnahmen etwa aus medizinischen oder religiösen Gründen vorsähen.

Laut Marc Boom, dem Präsidenten und Geschäftsführer des Houston Methodist Hospital, haben sich fast 25.000 der mehr als 26.000 Angestellten gegen das Coronavirus impfen lassen. „Ihr habt das Richtige getan“, schrieb er in einer Mitteilung an das Personal. „Ihr habt eure Patienten, eure Kollegen, eure Familien und eure Gemeinde geschützt. Die Forschung belegt, dass die Vakzine nicht nur sicher sind, sondern notwendig, wenn wir im Kampf gegen Covid-19 über den Berg kommen wollen.“

RND/AP

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