Klimafragen auf der Wiesn: Wie nachhaltig ist das Oktoberfest?

  • Feiernde Massen, klirrende Krüge: Das Oktoberfest hat begonnen.
  • Mit sechs Millionen erwarteten Gästen wird die Wiesn wohl kaum zur Energiespar-Veranstaltung mutieren.
  • Trotzdem bemühen sich die Veranstalter um Ausgleichsmaßnahmen.
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München. Sonne, blauer Himmel und ein gelungener Anstich: Die Wiesn hat am Samstag einen Bilderbuchstart hingelegt. Zumindest was Wetter und Besucherzahlen angeht. Mehr Menschen als in den Vorjahren strömten am ersten Tag zum Volksfest, in den Gassen zwischen Zelten und Fahrgeschäften herrschte schon nachmittags Gedränge, viele Zelte waren wegen Überfüllung geschlossen.

Außerdem gibt es weniger Sorgen um die Sicherheit. Hunderte Polizisten und Hunderte Ordner sind im Einsatz, fast 50 Videokameras überwachen das Gelände. Nach der Terrorangst der vergangenen Jahre gibt es dieses Jahr ein anderes drängendes Thema: das Klima. Hunderttausende hatten tags zuvor weltweit demonstriert, das Klimakabinett der Bundesregierung hatte stundenlang beraten. In New York tagt nächste Woche der UN-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der UN-Generalversammlung.

Klimafrage hat auch das Oktoberfest erreicht

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Die Klimafrage hat längst das größte Volksfest der Welt erreicht, das zwar weltweit als Vorbild in der umweltschonenden Organisation gilt, aber dennoch mit sechs Millionen Besuchern auch künftig kaum zur Energiespar-Veranstaltung mutieren wird. Das Fest verbraucht an den gut zwei Festwochen so viel Strom wie eine Kleinstadt mit 21 000 Einwohnern, 2,93 Millionen Kilowattstunden waren es 2018. Dazu wurden 200 937 Kubikmeter Erdgas verbraucht. Durch Ökostrom und Ökogas spart das Fest rund 1000 Tonnen CO2 ein.

Forscher der Technischen Universität München (TUM) hatten 2018 allerdings einen erhöhten Methanausstoß gemessen. Sie fanden auf dem Wiesngelände im Schnitt sechsfach erhöhte Methanwerte verglichen mit der Zeit vor oder nach dem Volksfest. Wahrscheinlich liegt das an den Gasgrills.

Im Video: Eröffnung der Oktoberfestes 2019

Video
Wieder zwei Schläge - Das 186. Oktoberfest ist eröffnet
1:19 min
Ozapft is: Mit erneut zwei Schlägen hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Samstag das erste Fass Bier auf der Wiesn angezapft.  © dpa
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Eine Handvoll Zelte, darunter der Schottenhamel, in dem der Oberbürgermeister das erste Fass anzapfte, haben Solarzellen fürs heiße Wasser. LED-Lampen erleuchten die Zelte. Spülwasser der Bierkrüge wird in den Zelten für die Toilettenspülung verwendet. Die Stadt berücksichtigt, so betont OB Reiter, bei der Zulassung noch mehr als früher Umweltverträglichkeit und Regionalität. Bewerber bekommen etwa Punkte wie die Verwendung biologisch abbaubarer Hydrauliköls, für schadstoffarme Zugmaschinen und ein Produktangebot aus Öko-Anbau. Es gibt nicht nur vegetarische, sondern auch vegane Gerichte.

Trotzdem bleibt die Wiesn ein Fest des Fleisches: Zehntausende Hendl werden allein am ersten Wochenende gegrillt, dazu mehrere Ochsen. Der erste, der am Samstag in der Ochsenbraterei auf dem Gasgrill hing, hieß Max. Immerhin drehte sein Spieß mit Ökostrom.

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Söder erst beim Klimaverhandlungsmarathon, dann auf der Wiesn

CSU-Chef und Ministerpräsident Söder, am Vortag noch beim 19-stündigen Klimaverhandlungsmarathon in Berlin, sagt, die Organisatoren hätten ihre Anstrengungen zu Klimaausgleichmaßnahmen weiter verstärkt. "Wir müssen Lebensfreude mit Klimaschutz verbinden." Man solle sich weiter mit Klimaneutralität befassen - aber "trotzdem die Wiesn genießen". Und: "Bei aller Bedeutung von Koalitionsverhandlungen - Berlin war gestern die Hauptstadt von Deutschland, aber heute ist es München, weil es das bedeutendste Fest der Welt ist." Er persönlich stehe aber nicht besonders auf Fahrgeschäfte: "Ich fahr genug Achterbahn während der Woche."

Im Video: Ist Tracht auf dem Oktoberfest Pflicht?

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Stylish auf dem Oktoberfest: Ist Tracht Pflicht?
1:29 min
Blasmusik, Brathendl und Bier: Das Münchner Oktoberfest lockt viele Touristen an. Dazu gehört eigentlich Tracht – aber ist sie auch ein Muss?  © dpa

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RND/dpa/hsc