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Kleider vergewaltigter Frauen: Die Ausstellung „Was ich anhatte...“

Studentin Sarah schaut sich Kleidungsstücke von Frauen an, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, im Rahmen der Ausstellung "was ich anhatte..." in einem Schaufenster an.

Studentin Sarah schaut sich Kleidungsstücke von Frauen an, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, im Rahmen der Ausstellung "was ich anhatte..." in einem Schaufenster an.

Aachen. Eine abgetragene Jeans, ein geblümtes Kleid, ein Dirndl, ausgetretene helle Sportschuhe. Neben schwarzem T-Shirt und rot-weißen Shorts hängt an einem Kleiderbügel ein Blatt Papier. „Mein innerster Kern war zersplittert und es hat mich Jahre gekostet, ihn wieder zusammen zu puzzeln“, steht darauf.

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Es ist der Bericht einer unbekannten Anna über eine Vergewaltigung und die traumatischen Folgen. Insgesamt kommen in Aachen anonym ein Dutzend Frauen zu Wort. Sie haben eine Vergewaltigung hinter sich und wollen die Opfer-Rolle hinter sich lassen. Die Schau „Was ich anhatte... “ zeigt die zur Tatzeit getragenen Kleider und macht daraus eine eindrückliche Ausstellung.

Frauen erzählen ihre Geschichten

Es seien größtenteils die originalen Kleidungsstücke, berichtet Ausstellungsmacherin Beatrix Wilmes. Wenn die Kleider nicht mehr da waren, seien sie gebraucht nachgekauft worden. Mit Wäscheklammern fixiert, baumeln sie auf dürren Bügeln im Schaufenster eines Kulturzentrums am Rand der Innenstadt von Aachen.

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Auch die Texte der Frauen sind unverändert. Sie hängen mit QR-Codes verkürzt an den Kleidern. Vor dem ehemaligen Ladenlokal sind auf dem Bürgersteig fünf Quadrate abgeklebt, von denen aus die Passanten die kleine Ausstellung corona-konform sehen können. Sie dauert bis zum 11. März.

Studentin Jasmin schaut sich Kleidungsstücke von Frauen an, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, im Rahmen der Ausstellung "was ich anhatte..." in einem Schaufenster an.

Studentin Jasmin schaut sich Kleidungsstücke von Frauen an, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, im Rahmen der Ausstellung "was ich anhatte..." in einem Schaufenster an.

Studentin Sarah ist mit einer Freundin gekommen. Eine Viertelstunde steht die 24-Jährige vor dem Schaufenster an einer Fahrradstraße, entschlüsselt mit Hilfe des Handys die Strichcodes und liest gebannt die Berichte.

Es sei erschreckend, meint die junge Frau und weist auf die ganz alltäglichen Klamotten im Schaufenster, die für eine traumatische Gewalterfahrung stehen. „Ich habe nicht gedacht, dass es so emotional ist.“ Die Studentin wurde aufmerksam, weil ihre Universität in den sozialen Medien auf die Ausstellung aufmerksam gemacht hatte. Auch die Frauenseelsorge im Bistum Aachen wies darauf hin.

Ausstellungsmacherin Wilmes berichtet, fast 50 Frauen hätten sich auf den Aufruf gemeldet und Kleider sowie Berichte geschickt. Die Ausstellung solle verdeutlichen, dass sexualisierte Gewalt ein strukturelles Problem sei. „Eine Frau wird nicht vergewaltigt, weil sie einen Minirock trägt“, heißt es in der Ausstellung gegen den Mythos von einer Schuld der Opfer bei sexualisierter Gewalt.

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Teils blicken die Frauen lange zurück: Eine Erwachsene schildert den Missbrauch durch den Stiefvater in ihrer Kindheit. Die älteste Frau ist über 80 Jahre alt. In diesem Fall berichtet die Enkelin über den Missbrauch ihrer dementen Oma durch einen Pfleger. „Als ich das erfahren hab, ist mir kotz-schlecht geworden und ich habe gezittert vor Wut.“

Für 2020 weist die Kriminalstatistik in Nordrhein-Westfalen 2302 bekannt gewordene Vergewaltigungen aus, fast zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Die Aufklärungsquote beträgt über 80 Prozent.

Schaufenster-Schau in Aachen kam gut an

Aachen ist nach Hamm die zweite Station von „Was ich anhatte... “. Die Ausstellung sei nicht immer die gleiche, sondern werde leicht verändert, sagt Wilmes. Der nächste Stopp sei noch nicht geklärt. Wegen der Corona-Konzepte seien die Städte unsicher. Die Schaufenster-Schau in Aachen kam jedenfalls gut an.

Anna, die bei einem erlebnispädagogischen Wochenende von einem Kollegen missbraucht worden war, sagt, sie sei nicht mehr dieselbe wie vorher. Sie erzählt von Albträumen, Panikattacken, Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Aber auch von Stärke, Kampfgeist und wiederentdeckter Lebensfreude. Ihr Ziel sei, dass das Erlebte zu etwas werde, aus dem sie Stärke ziehen könne.

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RND/dpa

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