Bundesweite Razzia: „Werden Kampf gegen Pädo-Kriminelle nicht aufgeben“

Polizisten stehen während einer Razzia wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie an einem Wohnhaus.

Polizisten stehen während einer Razzia wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie an einem Wohnhaus.

Köln. Polizei und Staatsanwaltschaft sind mit einer bundesweiten Razzia gegen 65 Verdächtige vorgegangen, die kinderpornografische Inhalte besessen und verbreitet haben sollen. Die Verfahren hatten sich aus den Ermittlungen rund um den Kindesmissbrauchskomplex Bergisch Gladbach ergeben. Den Verdächtigen sei die Polizei durch Auswertungen von Chats in verschiedenen Messenger-Systemen auf die Spur gekommen, sagte Michael Esser, Leiter der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „Berg“ der Kölner Polizei, bei einer Pressekonferenz.

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Es gebe keine Hinweise, dass aktive Missbrauchstäter unter den Verdächtigen seien, so Esser weiter. An einem der durchsuchten Objekte sei ein 13-jähriges Kind aufgrund „unklarer Wohn- und Familienbeziehungen“ vom Jugendamt in Obhut genommen worden.

Insgesamt 330 Beschuldige im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach

Seit Beginn der Ermittlungen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach seien 52 Kinder befreit worden, sagte Esser. Insgesamt gebe es 330 Beschuldige, zehn seien inzwischen verurteilt, elf angeklagt, sieben noch in Untersuchungshaft. „Wir werden den Kampf gegen Pädo-Kriminelle nicht aufgeben“, betonte Esser. Man werde weiter alles daran setzen, das Leid der Kinder zu beenden. „Die Täter sollen wissen, dass wir alle Register ziehen“, so der Kriminaldirektor.

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Schwerpunkt der aktuellen Razzia waren Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Insgesamt waren zehn Bundesländer betroffen. Alleine in NRW richten sich die Durchsuchungen gegen 16 Beschuldigte.

Reul dankt Polizei nach Razzien: „Auf keinen Fall nachlassen“

Bei der Razzia am Dienstag handelte es sich um den zweiten bundesweiten Großeinsatz der Ermittlungsgruppe im Fall Bergisch Gladbach. Vergangenen September hatte die Polizei in zwölf Bundesländern mit rund 1000 Einsatzkräften 60 Anschriften von rund 50 Beschuldigten durchsucht.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) dankte nach den neuen Durchsuchungen „den hunderten von Polizistinnen und Polizisten für ihren hochprofessionellen und hochkomplexen Einsatz“. „Beharrlichkeit und Geduld zahlen sich in unserem Kampf gegen Kindesmissbrauch und Kinderpornografie aus“, sagte Reul am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das zeige sich bei dem Großeinsatz. „Die Pädokriminellen in Nordrhein-Westfalen, in ganz Deutschland und im europäischen Ausland sollen wissen, dass wir ihnen auf den Fersen sind und sie sich nirgendwo sicher fühlen können“, sagte Reul. „Wir dürfen hier auf keinen Fall nachlassen, uns für die Kinder einzusetzen.“

Hohe Haftstrafen in ersten Prozessen

In ersten Prozessen in dem Missbrauchskomplex sprachen Gerichte hohe Haftstrafen aus. Ein 43-Jähriger wurde im vergangenen Oktober in Köln zu 12 Jahren Haft verurteilt. Der Mann aus Bergisch Gladbach gilt als Schlüsselfigur in dem Netzwerk. Das Landgericht Wiesbaden verurteilte Anfang November einen 39-Jährigen wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu 13 Jahren Haft.

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Die Besondere Aufbauorganisation „Berg“ der Kölner Polizei ermittelt seit Oktober 2019. Im Haus des Mannes aus Bergisch Gladbach waren damals Unmengen kinderpornografischer Daten gefunden worden. Über ihn stießen die Ermittler auf Hunderte weitere Verdächtige. Die Polizei arbeitet mit der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) der Kölner Staatsanwaltschaft zusammen.

RND/dpa/seb

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