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Kind zahlt mit Spielgeld: Hausdurchsuchung und Vermerk in der Polizeiakte

  • In der Nähe von Basel hat ein achtjähriges Kind mit Spielgeld in einem Laden bezahlen wollen.
  • Die Polizei nahm das ernst: Sie durchsuchte das Haus der Familie, fotografierte die Kinder wie Verbrecher und schrieb einen Eintrag in die Polizeiakte – der bis 2032 im System bleibt.
  • Während sich der Laden inzwischen entschuldigte, sehen die Sicherheitsbehörden keine Fehler bei sich.
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Basel. Ein achtjähriger Junge hat in Diegten bei Basel einen Polizeieinsatz ausgelöst. Das Kind wollte zusammen mit seinem Bruder in einem Dorfladen mit falschen Euro-Scheinen zahlen. Die Scheine waren offensichtlich nicht echt, denn sie enthielten chinesische Zeichen, es handelte sich wohl um chinesisches Totengeld, das beim Qingming-Fest verbrannt wird. Das berichtet die “Basler Zeitung”. Die Kinder hatten die Scheine bei einer Karnevalsveranstaltung bekommen.

Die Kassiererin ließ die Kinder laufen, doch das Personal fühlte sich aufgrund einer Richtlinie dazu verpflichtet, die Polizei einzuschalten. Die sichtete Material der Überwachungskamera und meldete sich bei den Eltern: Man müsse mit den Söhnen sprechen, für eine unschöne Tat, die keine Kleinigkeit sei. Die Mutter brach in Tränen aus.

Drei Stunden Befragung, Hausdurchsuchung, Verbrecherfotos und ein Eintrag in die Polizeiakte

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Doch es kam alles noch schlimmer. Das Haus wurde durchsucht, 13 Spielgeldscheine wurden sichergestellt. Wie Schwerverbrecher wurden die beiden Brüder dann von der Polizei fotografiert und drei Stunden lang befragt. Laut dem Vater sei die Polizei gar enttäuscht gewesen, dass der Achtjährige mit dem Spielgeld hatte zahlen wollen, nicht sein zehnjähriger Bruder, der in der Schweiz schon strafmündig wäre. Das Kind habe nach der Prozedur gefragt: “Mami, komme ich jetzt ins Gefängnis?”

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Die Aktion hat nun weitere Konsequenzen: Der Junge hat einen Eintrag in der Polizeiakte, der erst im Jahr 2032 gelöscht werden wird. Außerdem müssen die Eltern mit ihrem Sohn zu einem Präventionsgespräch beim Jugendamt erscheinen. Obwohl es sich bei dem Geld nachweislich um Spielgeld, nicht um Falschgeld handelte.

Dorfladen entschuldigt sich bei der Familie

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Inzwischen hat sich der Laden entschuldigt – öffentlich und bei der Familie. Gegenüber “blick.ch” sagte ein Sprecher: “Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei den Kunden um Kinder handelte, wäre eine andere Reaktion wünschenswert gewesen. Mit der betroffenen Familie haben wir das Gespräch gesucht und uns in aller Form entschuldigt.” Man wolle künftig abwägen, inwiefern ein striktes Verfolgen der Richtlinien notwendig sei. Die Firma hätte die Familie nämlich auch problemlos selbst herausfinden können – die Mutter kaufte regelmäßig dort ein.

In der Schweiz hat der Fall große Diskussionen ausgelöst. Während der Laden um Wiedergutmachung bemüht war, gibt es seitens der Behörden kein Einlenken. Gegenüber der “Basler Zeitung” sagten die Sicherheitsbehörden, sie hätten keinen Fehler gemacht. Forderungen, dass sich auch die Politik mit dem “Fall Märkli”, wie der Junge in den Schweizer Medien genannt wird, beschäftigen solle, wurden bisher ebenso unbeantwortet gelassen.

RND/msk

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