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“Kiez zum Leben erwecken”: Rund 50 Gastronomen planen Protestaktion auf Hamburgs Amüsiermeile

  • Die Reeperbahn ist in der Corona-Krise von der lauten, bunten Vergnügungsmeile zum Ort gespenstischer Stille geworden.
  • Mit einer großen Protestaktion wollen nun Inhaber von Restaurants, Bars und Clubs auf die schwierige Situation aufmerksam machen.
  • Rund 50 Gastronomen haben sich dafür zusammengeschlossen.
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Hamburg. Der Hamburger Kiez leidet extrem unter der Corona-Krise. Viele Bars, Clubs und Co. stehen kurz vor der Pleite. Reeperbahn-Experten warnen, dass die Vergnügungsmeile nach der Krise nicht mehr die sein könnte, die sie mal war. Nun haben sich rund 50 Inhaber von Bars, Kneipen, Clubs und Discos zu einem großen Protest zusammengeschlossen, wie sie in einer Pressemitteilung berichten.

Demnach wollen die ganzen Läden die Große Freiheit am 7. Mai um 21.30 Uhr kurz wieder zum Leben erwecken: Leuchtreklamen, Musik und Co. sollen wieder angeschaltet werden – zurzeit herrscht dort wegen der Schließungen vor allem gespenstische Stille. Doch dann soll es damit auch schon wieder vorbei sein: Laut der Pressemitteilung soll dann wieder alles abgeschaltet werden und ein Trauerkranz für den Kiez im Beisein von Pfarrer Karl Schultz von der St.-Joseph-Kirche auf der Großen Freiheit niedergelegt werden. “Gastronomen halten Traueranzeigen mit Namen ihrer Läden in den Händen. Es folgt eine Schweigeminute”, heißt es in der Ankündigung weiter. Wegen der auch für Versammlungen geltenden Auflagen musste die Anzahl der Teilnehmer trotz großen Interesses auf 25 Personen beschränkt werden. Die Anwesenden repräsentieren allerdings die rund 50 Bars, Clubs und Kneipen.

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RND-Videoschalte: Gastrobranche fordert Öffnungsperspektive für Hotels und Restaurants
10:25 min
Guido Zöllick, Präsident des Bundesverbands Deutscher Hotels und Gaststätten (Dehoga), pocht auf einen Zeitplan für Lockerungen im Gastgewerbe.  © RND
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Olivia Jones steht als Prominente für den Kiez

“Wir möchten mit unserer Aktion nicht anklagen, sondern ein starkes Bild senden: Leben ist nicht nur das Gegenteil von Tod. Zum Leben gehört mehr, als nur am Leben zu sein. Es geht auch darum, ein lebenswertes Leben zu haben, um Existenzen, die sich Menschen aufgebaut haben, deren Lebenswerke jetzt bedroht sind”, erklärt Travestiekünstlerin Olivia Jones demnach. Sie steht als Prominente für den Hamburger Kiez und betreibt dort mehrere Clubs. Sie sehe den Protest auf dem Hamburger Kiez auch stellvertretend für andere Städte: “So wie hier auf St. Pauli geht es gerade Bars und Clubs in ganz Deutschland. Und nicht alle haben die Möglichkeit, so prominent wie wir auf sich aufmerksam zu machen. Auch denen möchten wir mit unserer Aktion eine Stimme geben.”

In einem Gespräch zwischen Olivia Jones und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am vergangenen Samstag für das Onlinekulturmagazin “Kulturona” hatte Tschentscher bereits gesagt, dass er sich gezielt für die Rettung der Hamburger Clubs und Bars einsetzen will. Dafür wolle er sich auch am Mittwoch im Ministerrat stark machen. Jones hatte ihm berichtet, dass vielen Besitzern von Bars und Clubs auf St. Pauli “der Boden unter den Füßen weggerissen” worden sei.

Olivia Jones trifft Peter Tschentscher bei einer Talkveranstaltung zu Corona. © Quelle: imago images/Chris Emil Janßen
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Werden Bars und Clubs bei Lockerungen vergessen?

Während Restaurants und Gaststätten in einigen Bundesländern schon bald wieder – unter Auflagen – öffnen dürfen, sieht das bei Bars, Clubs und Discos weniger positiv aus. “Man hat den Eindruck, dass in dieser Lage Bars, Kneipen und Clubs vergessen werden. Dabei waren das die Ersten, die schließen mussten, und es werden verständlicherweise die Letzten sein, die öffnen dürfen”, erklärt Olivia Jones in der Mitteilung. “Ich mache mir große Sorgen um die Vielfalt, nicht nur auf St. Pauli.”

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Der Protest am kommenden Donnerstag soll nicht nur vor Ort auf dem Hamburger Kiez stattfinden, sondern auch live auf den Social-Media-Profilen der verschiedenen Gastronomen, Barbetreiber und Co. als Livestream übertragen werden.

RND/hsc/mit dpa

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