Kevin-Spacey-Prozess: Nach sechs Minuten ist erstmal alles vorbei

US-Schauspieler Kevin Spacey wird sexuelle Nötigung eines 18-Jährigen vorgeworfen. Der Hollywoodstar hätte gern auf sein Erscheinen im Prozess verzichtet – und musste sich vom Richter als erstes eine Anordnung erteilen lassen.

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Nantucket. Es ist sein erster öffentlicher Auftritt, den er US-Medienberichten zufolge zunächst versucht hatte, zu umgehen: Gegen 11 Uhr Ortszeit am Montag aber erschien Kevin Spacey (59, „House of Cards“) am Gericht auf der Insel Nantucket (Massachusetts). Das hatte der Richter so angeordnet. Dem zweifachen Oscarpreisträger wird ein sexueller Übergriff auf einen 18-Jährigen zur Last gelegt. Er soll den jungen Mann betrunken gemacht und ihn dann unsittlich berührt haben.

Kevin Spacey (l.) mit seinem Verteidiger Alan Jackson am Montag im Gerichtssaal von Nantucket.

Der Prozess um den Vorfall aus dem Jahr 2016 beginnt mit einer richterlichen Anordnung: Spacey darf sich dem mutmaßlichen Opfer nicht mehr nähern. Er dürfe keinen „direkten oder indirekten Konakt“ zu dem Mann aufnehmen, ordnete Richter Thomas Barrett auf Bitten der Verteidigung hin an. Spacey, der in dunklem Anzug, gemusterter Krawatte und Hemd zu dem Termin erschienen war, nickte stumm und seine Anwälte stimmten zu.

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Mehr als 30 Fälle sexueller Belästigung stehen im Raum

Danach wurde die Anhörung nach nur rund sechs Minuten beendet und eine weitere für den 4. März angesetzt. Bei diesem nächsten Termin müsse Spacey nicht persönlich anwesend sein, aber für eventuelle Rückfragen beispielsweise per Telefon zur Verfügung stehen, ordnete Richter Barrett an.

Seit Herbst 2017 sind in mehr als 30 Fällen Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Belästigung gegen Spacey öffentlich vorgebracht worden. Die Vorfälle sollen sich teilweise bereits in den 80er-Jahren ereignet haben. Der Streaming-Dienst Netflix hatte im Zuge der Enthüllungen die Zusammenarbeit mit dem Oscar-Preisträger bei der Polit-Serie "House of Cards" aufgekündigt. Regisseur Ridley Scott ging noch einen Schritt weiter und ließ kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Szenen mit Spacey aus seinem Kinofilm "Alles Geld der Welt" herausschneiden.

Von RND/dpa