Gepunktetes Zebra in Kenia entdeckt: Ist es der verschollene Tira?

  • In Kenia ist nach zwei Jahren wieder ein gepunktetes Zebra aufgetaucht.
  • Einige freuen sich über die Rückkehr von Tira, der 2019 weltweit Schlagzeilen machte.
  • Andere zweifeln, ob es wirklich Tira ist – denn Melaninstörungen sind bei Zebras nicht mehr so ungewöhnlich.
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Nairobi. Fast zwei Jahre ist es her, dass ein kleines Zebrakind Menschen überall auf der Welt verzückte: Zebra Tira war nämlich nicht schwarz-weiß gestreift, sondern dunkelbraun mit weißen Punkten. Kurz nach seiner Geburt im September 2019 wurde Tira zu einer Touristenattraktion – doch nach nur wenigen Wochen verschwand das Tier im Zuge der großen Gnuwanderung Richtung Tansania und ward nie wieder gesehen.

Bis August 2021! Jetzt soll Tira nämlich plötzlich wieder aufgetaucht sein. Bilder, die seit dem Wochenende in den sozialen Medien zu sehen sind, zeigen ein größeres Zebra – ebenfalls dunkelbraun mit weißen Punkten und einzelnen Streifen. Die Rückkehr von Tira wurde in diversen Facebook-Gruppen, vor allem unter Safariexperten und -expertinnen, gefeiert.

Gepunktetes Zebra in Kenia: Ist es wirklich der verschollene Tira?

Doch mit dem plötzlichen Auftauchen des vermeintlichen Tira kommen auch Fragen auf: Kann das wirklich der kleine Zebrajunge sein, der einst weltweit Schlagzeilen machte? Das erste gepunktete Zebra, das in der Masai Mara in Kenia geboren wurde? Und wenn ja, wo war er all die Zeit?

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Abdelraham Hassanein arbeitet als Fotograf und Safariguide in der Masai Mara in Kenia, wo Tira am 13. September 2019 von Safariguide Antony Tira (der auch Namensgeber wurde) entdeckt wurde. Hassanein war nun einer der Ersten, die Fotos von dem älteren gepunkteten Tier teilten. Auch wenn das Muster nicht mehr gleich ist und das Zebra für ein Alter von zwei Jahren verhältnismäßig klein ist, ist er sich sicher, dass es sich um Tira handelt. Er habe die Mutter erkannt, schreibt er auf Facebook.

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Gepunktetes Zebra: Normalerweise überleben die Tiere nur kurz

Zudem sei es nicht verwunderlich, dass sich die Fellzeichnung änderte – so könnten aus einigen Punkten mit dem Wachstum längliche Ovale geworden sein. Auch sei es nicht ungewöhnlich, dass sich Tiere mit einer Melaninstörung nicht so entwickeln wie gesunde Zebras.

Dennoch: Ein gewaltiger Fakt spricht dagegen, dass es sich bei dem Tier wirklich um Tira handelt: Zebras mit einer derartig ausgeprägten Melaninstörung überleben in der Regel keine sechs Monate, da sie auch andere Krankheiten aufweisen und sich aufgrund der anderen Fellzeichnung nicht vor gefährlichen Fliegen schützen können.

Immer wieder Fälle von gepunkteten Zebras in Afrika

Tira war das erste in der Masai Mara geborene Zebra mit Punkten. Auf dem gesamten Kontinent gibt es aber immer wieder Fälle, in denen Zebras mit einer Melaninstörung geboren wurden. Das kann bedeuten, dass die Tiere braunes oder goldenes Fell haben statt schwarzem – oder eben Punkte statt Streifen. Einige Tiere sind komplett betroffen – wie Tira, andere haben nur kleinere Stellen im Fell, die untypisch sind.

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Punkte statt Streifen: Mutationen zeigen Gefährdung der Zebras

Die University of California hat im Januar eine Studie veröffentlicht, wonach solche Melaninstörungen bei Zebras immer häufiger werden, berichtet „National Geographic“. Sie untersuchten 140 Zebras aus neun afrikanischen Nationalparks, nachdem eine Häufung von Zebras mit Anomalien am Mburo-See in Uganda entdeckt wurde. Sie schätzten, dass 5 Prozent der Zebras dort nicht mehr ihr eigentliches Muster haben.

Durch die Untersuchungen fanden die Forscherinnen und Forscher heraus, dass gerade rund um den Mburo-See der Lebensraum der Tiere schrumpft, die Herden weniger wandern und es damit häufiger zu Inzucht kommt – die wiederum zu Anomalien führen kann.

Genveränderungen bei Zebras durch Lebensraumverlust

Steppenzebras brauchen die Wanderungen zum Überleben, denn nur auf diese Art werden Gene ausgetauscht, die zur Arterhaltung beitragen, weil Krankheiten und genetische Defekte verhindert werden. Überall dort, wo der Lebensraum der Zebras stark begrenzt ist, war die genetische Vielfalt nicht mehr vorhanden und es gab eine höhere Wahrscheinlichkeit für Melaninstörungen.

Auch wenn Steppenzebras derzeit trotz Populationsrückgängen noch nicht gefährdet sind, stellen die Ergebnisse ein erstes Warnsignal dar: Auch bei anderen Tierarten hatte man genetische Veränderungen aufgrund des Verlustes an Lebensraum festgestellt – bevor sich der Bestand deutlich verringert hat.

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