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Kaugummiabsatz in Spanien eingebrochen: Corona killt den „Chicle“

  • Heimarbeit und Ausgangssperren haben den Bedarf an frischem Atem gesenkt.
  • Das merken die Kaugummiverkäufer in Spanien.
  • Doch es gibt Hoffnung auf eine Renaissance des „chicle“, wie er dort genannt wird.
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Madrid. „Kaugummi machen kann jeder“, sagte William Wrigley junior ums Jahr 1925. „Knifflig ist es, ihn zu verkaufen.“ Das gilt knapp 100 Jahre später immer noch. Und in Corona-Zeiten ganz besonders. In der ganzen Welt ging der Kaugummiumsatz im vergangenen Jahr um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, berichtete kürzlich der „Economist“. In Spanien – wo der Kaugummi nach seinem uramerikanischen Vorbild „chicle“ heißt – brach der Konsum laut dem Marktforscher Nielsen um 26 Prozent ein, laut dem Süßwarenverband Produlce (der auch die Kioske und andere Kleinhändler im Blick hat) sogar um 45 Prozent. Die Kaugummiblase ist geplatzt. Sie beginnt sich allerdings gerade wieder aufzublasen.

Wer kein Kaugummi kaut, hält Kaugummikauen für ungefähr so nützlich wie Rauchen (wobei manche das Eine tun, um das Andere zu lassen). Gerade weil es als eher unfein gilt, hatte das demonstrative Kauen früher was Rebellisches an sich. Noch früher hing ihm ein Hauch von Freiheit an, weil es die Amisoldaten waren, die den Europäern was vorkauten. Aber warum soll man sich heute noch einen Kaugummi in den Mund stecken?

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Aus Langeweile und für den frischen Atem. 75 Prozent der Kaugummis würden „auf der Straße“ konsumiert, sagt Dirk Van De Put, der Chef von Mondelez, einem der großen Kaugummihersteller. Will heißen: unterwegs von einem Ort zum anderen, im Auto oder in der U-Bahn. Man langweilt sich und holt ein Kaugummi aus der Tasche. Oder man denkt an die Menschen, denen man nach der Ankunft begegnen wird, und möchte ihnen mit frischem Atem begegnen. Dafür ist der Kaugummi gut. Kaugummis gelten immer noch als Süßigkeiten, sind aber in Europa meistens zuckerfrei, in Spanien zu 95 Prozent, und machen so die Zähne nicht kaputt. Sie sind nahezu nützlich.

Soziale Komponente des Kaugummikonsums

Als im vergangenen Jahr das Coronavirus über die Welt kam, ging erstmal kaum noch jemand auf die Straße. In Spanien galt sieben Wochen lang eine strenge Ausgangssperre. Heimarbeit und Videokonferenzen ersetzten das Büro. Keine U-Bahnfahrten, keine Autofahrten. Und wenn doch, dann mit Maske, was den Weg des Kaugummis von der Hand in den Mund erschwert. Der Konsum ging zurück, in Spanien gewaltig, weil hier auch die Corona-Beschränkungen gewaltig waren.

Nach anderthalb Jahren Pandemie ist die Pandemie noch nicht vorbei, aber immerhin sind dreiviertel der Spanier komplett geimpft. Womit die Angst vor dem Virus nachlässt. Auch die Politik macht den Bürgern nur noch wenige Sicherheitsvorschriften. Die Spanier kehren zurück auf die Straße, wo sie sowieso besonders gerne sind. Und sie greifen zum Kaugummi. „Es gibt diese soziale Komponente des Chicle-Konsums, die mit der Pandemie verloren gegangen ist“, sagt Rubén Moreno, der Präsident von Produlce. „Und die kommt jetzt wieder.“

Jetzt wissen wir‘s: In Wirklichkeit ist der Kaugummikonsum ein gesellschaftlicher Glücksindikator.

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