„Katastrophe“: Katzenverbände lehnen Ausgehverbot strikt ab

  • Niederländische Juristen fordern, dass Katzen nicht mehr allein draußen herumstreunen sollen.
  • Sie argumentieren mit dem Schutz bedrohter Tierarten.
  • Katzenverbände halten die Forderung für eine „Katastrophe“ – sie haben jedoch einen Gegenvorschlag.
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Hannover. Eine Forderung zweier Juristen sorgt derzeit für große Aufregung bei Katzenhaltern und Tierschutzverbänden. Die niederländischen Anwälte Arie Trouwborst und Han Somsen wollen ein Ausgehverbot für Katzen. Die Begründung: Die Katze sei einer der größten Zerstörer von Tierarten, etwa von Vögeln. Besitzer würden mit dem Freigang ihrer Tiere sogar gegen das europäische Naturschutzgesetz verstoßen, heißt es in der Begründung der Niederländer.

„Die größte Bedrohung für Vögel ist der Mensch“

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Bei Katzenfreunden stoßen die Juristen mit ihrer Idee auf wenig Gegenliebe – im Gegenteil. „Das ist ganz großer Quatsch“, sagt etwa Sonja Meier, Vorsitzende des Katzenschutzbundes Düsseldorf gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Verein mit rund 800 Mitgliedern hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um herrenlose Katzen zu kümmern und arbeitet dafür eng mit Behörden und Tierärzten zusammen.

„Allein hier in der Region gibt es rund 30.000 Katzen, die überhaupt keinen Besitzer haben“, weiß Meier. „Zum Beispiel, weil sie einfach ausgesetzt wurden. Wie will man die denn alle einsperren?“

Es sei mitnichten so, dass ausschließlich Katzen Jagd auf Vögel machten. „Eichhörnchen klauen beispielsweise Eier aus den Nestern. Das liegt in der Natur der Sache.“ Und die größte Gefahr für heimische Tierarten seien keineswegs andere Tiere – sondern der Mensch: „Vögel sind bedroht, weil sie kaum noch Insekten finden – ein Umstand, der auf den Menschen und seine Pestizide zurückzuführen ist. Nicht auf andere Tiere.“

Kastrationspflicht statt Ausgehverbot

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Bettina Krauß vom Verein Katzenfreunde Norddeutschland sieht das ganz ähnlich. Der Verband aus Niedersachsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Katzenzucht und Katzenschutz miteinander in Einklang zu bringen. Krauß weiß: „Ja, es gibt sicherlich zu viele streunende Katzen. Dagegen hilft aber kein Ausgehverbot, sondern eine flächendeckende Kastrationspflicht.“

Tatsächlich wird die Kastrationspflicht bundesweit von nahezu allen Tierschutzorganisationen und Verbänden gefordert. Die Organisation Peta beispielsweise argumentiert mit überfüllten Tierheimen und schätzungsweise zwei Millionen Katzen, die durch Deutschlands Parks, Parkhäuser, Hinterhöfe und Gärten streunen. Oftmals würden diese Tiere frühzeitig und qualvoll sterben.

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Auch der Deutsche Tierschutzbund setzt sich für die Kastrations- und Registrierungspflicht von Katzen ein. Und der Deutsche Tierärzteverband argumentiert mit einer deutlich höheren Lebenserwartung kastrierter Tiere. Bislang haben jedoch nur vereinzelte Kommunen eine Kastrationspflicht beschlossen – flächendeckend gilt sie nicht.

„Ausgehverbot wäre eine Katastrophe“

Bei einem sind sich die Katzenexpertinnen aber einig: Ein generelles Ausgehverbot für die Tiere wäre eine Katastrophe. „Klar gibt es Katzen, die die Haltung in der Wohnung gewohnt sind“, weiß Sonja Meier. „Tiere, die jedoch den Freigang gewohnt sind, sollten unter keinen Umständen eingesperrt werden.“

„Die Katze würde in der Wohnung die Wände hochgehen“, sagt Bettina Krauß. Das Tier werde schnell verhaltensauffällig, würde vermutlich in die Wohnung pinkeln und alles zerkratzen, so die Expertin.

Zuvor hatte bereits der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) die Forderung der Juristen als kritisch eingestuft. „Das Katzenproblem muss man ernst nehmen“, sagte Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar.