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“Kassenbonpflicht”: Tankstellenbetreiber verdeutlicht den drohenden Müllwahnsinn

  • Ab dem 1. Januar sind Unternehmer dazu verpflichtet, bei jedem Bezahlvorgang einen Kassenbeleg auszustellen.
  • Dafür gibt es heftige Kritik, Händler fürchten riesige Papierberge.
  • Ein Tankstellenbesitzer macht seinem Ärger nun in einem Facebook-Post Luft.
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Stuttgart. Ab dem 1. Januar sind Unternehmer dazu verpflichtet, bei jedem Bezahlvorgang einen Kassenbeleg auszustellen – ganz egal, ob der Kunde das möchte oder nicht. Diese Belege können ausgedruckt oder elektronisch an den Kunden übermittelt werden. Doch genau da liegt das Problem: Die technischen Möglichkeiten für eine elektronische Übergabe an den Kunden gibt es noch nicht flächendeckend, Händler fürchten Unmengen an Müll.

Dafür hagelt es heftige Kritik. Nachdem ein Bäcker die drohende Papierflut verdeutlicht hat, macht nun auch Tankstellenbesitzer Friedrich Haag seinem Ärger auf Facebook Luft. Zu einem Foto, auf dem der Stuttgarter hinter seiner Kasse vor Unmengen von Bons steht, schreibt er: “Als hätten wir keine anderen Probleme.” Er hätte ausgerechnet, dass die Kassenbonpflicht für seine zwei Tankstellen 500 Meter mehr Papier bedeuten würde. Wie viel sei das wohl im ganzen Land sei, fragt er sich und bezeichnet die neue Kassensicherheitsverordnung als “Schwachsinn”. “Grade in der heutigen Zeit, wo wir über Umweltschutz sprechen”, flucht er weiter.

Tankstellenbesitzer beschwert sich auf Facebook

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Unter dem Beitrag haben zahlreiche Nutzer Kommentare geschrieben – mit wenig Verständnis für das neue Gesetz. So schreibt ein User: “Unfassbar, da die Kassenbons doch eigentlich in den Sondermüll gehören.” Ein weiterer Nutzer schreibt: “Da kannst du gleich ’ne Tonne neben die Kasse stellen. Sonst fliegt nur alles auf dem Hof rum.” Und noch ein Nutzer fragt: “An welches Ministerium darf ich denn die Kassenbelege, welche ich nicht benötige, schicken?”

Befreiung gilt nicht für Tankstellenbetreiber

Die neue Verordnung sieht zwar Möglichkeiten der Befreiung vor, doch für Haag kommt das scheinbar nicht in Frage. Von der Oberfinanzdirektion hat er seinen Angaben nach folgende Informationen bekommen: “Eine Tankstelle könnte nur im Ausnahmefall (Härtefall) von der Belegausgabe befreit werden. Allein die Ausgabe von Waren an eine Vielzahl unbekannter Personen sei nicht ausreichend.” Weiter heißt es, dass zum Beispiel ein Härtefall gegeben sei, wenn zusätzliche Bondrucker angeschafft werden müssten oder es sich um viele Kleinbeträge wie in einer Bäckerei handeln würde. Dies dürfte bei den Tankstellenbetreibern aber nicht zutreffen, so dass es bei der Belegausgabepflicht bleibe.

RND/ce


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