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Kamala Harris, Jill Biden, Amanda Gorman und Co.: Die Rolle der Frauen auf Bidens Vereidigung

  • Die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden war anders als die vorheriger Jahre.
  • Das lag an der Pandemie, an der Ablösung Trumps – aber auch an den Frauen, die hier eine große Rolle spielten.
  • Sie nahmen bei der Inauguration eine bedeutende Rolle ein – und werden die Zukunft des Landes entscheidend prägen.
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Joe Bidens Amtseinführung unterschied sich von der seiner Vorgänger. Das lag natürlich an der Corona-Pandemie, die ein großes Publikum nicht möglich machte, und an der Tatsache, dass die Erleichterung bei vielen groß war, dass Donald Trump endlich aus dem Amt ausschied. Doch es war noch etwas anders: Die Vereidigungszeremonie war weiblicher und diverser als vorangegangene Feierlichkeiten dieser Art.

Da war – natürlich – Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris. Da war Jill Biden, die Ehefrau des neuen Präsidenten und jetzige First Lady, die angekündigt hatte, nach der Amtsübernahme weiter in ihrem Job als Lehrerin zu arbeiten. Da war die 22-jährige Poetin Laureate Amanda Gorman, die bei der Zeremonie ihr bewegendes Gedicht „The Hill We Climb“ vorlas und damit so manchen Rednern die Show stahl. Da waren Lady Gaga und Jennifer Lopez mit ihrem Starauftritt. Und da waren viele mehr. Sind das Hinweise darauf, dass auch die US-Politik unter Biden mehr Wert auf die Rechte von Frauen und Minderheiten legen wird?

Eins ist jedenfalls deutlich: Joe Biden hat seinen Erfolg auch den Frauen zu verdanken – einer ganz besonders, seiner Vizepräsidentin Kamala Harris. Der Einfluss der 56-Jährigen, die in der US-Geschichte sowohl die erste Frau als auch die erste Schwarze in diesem Amt ist, ist enorm. Biden weiß das zu schätzen und zu nutzen. Auch durch seine Vertreterin gewann er an Popularität. Viele glauben sogar, dass er es ohne sie nicht zum Präsidenten geschafft hätte. „Obwohl ich vielleicht die erste Frau in diesem Amt bin, werde ich nicht die letzte sein“, sagte Kamala nach der Wahl.

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Kamala Harris: Die erste Vizepräsidentin in der US-Geschichte

US-Präsident Joe Biden gratuliert der Vizepräsidentin Kamala Harris, nachdem sie während der 59. Amtseinführung des Präsidenten vor dem US-Kapitol vereidigt wurde. © Quelle: Kevin Dietsch/Pool UPI/AP/dpa

Die Wahl von Kamala Harris bedeutet Aufbruch für Amerika. Bereits ihre Nominierung im August löste Jubel aus, ihr gemeinsamer Sieg mit Biden ist historisch. Mit ihrer Karriere ist sie ein ermutigendes Vorbild für viele Frauen in den USA: Harris ist nicht nur die erste Vizepräsidentin des Landes, sie wurde 2003 die erste schwarze Bezirksstaatsanwältin in San Francisco, 2010 als erste schwarze Frau zur Attorney General in Kalifornien gewählt und sie zog 2017 als erste Frau mit indischen Wurzeln für Kalifornien in den US-Senat ein.

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Und schon jetzt, keine Woche im Amt, ist Madam Vice President enorm beliebt: Der große Applaus bei ihrer Vereidigung ist nur ein Beispiel dafür. Die herzlichen Glückwünsche von Vorgängern, Politikerinnen und Politikern sowie Prominenten zeigen das ebenfalls. Als neue Präsidentin des US-Senats musste Harris am Mittwoch herzlich lachen, als sie über sich selbst in ihrer früheren Senatsposition in der dritten Person sprach. „Das war sehr komisch“ („That was very weird“), sagte sie. Applaus und Lachen aus dem Senat waren die Folge. Harris ruft positive Reaktionen bei ihren Kollegen, aber auch Mitstreiterinnen und Mitstreitern hervor und zeigt: Politik muss nicht immer bitterernst sein. In Amerika darf wieder gelacht werden.

Auch die Reaktionen im Netz zeigen die Beliebtheit der neuen Vizepräsidentin: Sie wird dort mit Lob überschüttet – und hatte auf Twitter bereits eine halbe Stunde nach der Übertragung der offiziellen Accounts an sie und Biden viermal so viele Follower wie der Präsident – zumindest auf dem offiziellen Account. Auch einen Tag später (Stand: 21.2.21, 17.35 Uhr) hat sie in Sachen Abonnenten die Nase vorn: 7,4 Millionen Menschen folgen der Demokratin mittlerweile in dem sozialen Medium, 5,2 Millionen Follower sind es bei Bidens offiziellem Account als Präsident, Auf seinem privaten Account hat Biden dafür 25,9 Millionen Follower – Harris „nur“ 15,9.

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Harris kann als Vizepräsidentin viel erreichen – mehr vielleicht als ihre Vorgänger. „Frau Harris wird für Biden sicher weit mehr sein als die 51. demokratische Senatorin“, ist sich auch die „New York Times“ sicher. „Sie wird in ihrer geschichtsträchtigen Rolle im Weißen Haus eine Reihe von Fähigkeiten einbringen, auf die Biden zurückgreifen wird.“ Als Beispiele werden ihre Erfahrungen aus dem Justizausschuss des Senats genannt, aber auch ihre „persönliche Energie, die in Einklang mit dem zurückhaltenden Ansatz von Biden steht“. Und ganz wichtig: „die Stimme, die sie Frauen und People of Color geben wird“. Die Prognose der Zeitung: „Dieses Mandat könnte sie zu einem der einflussreichsten Vizepräsidenten der Geschichte machen“.

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Amtseinführung mit Social Distancing. Blick von oben auf die Inauguration.  @ Quelle: Carolyn Kaster/AP/dpa

Die neue First Lady: Jill Biden

Die neue First Lady Jill Biden legt ihrem Mann vor der Vereidigung zärtlich die Hände auf die Schultern. © Quelle: imago images/UPI Photo

Ebenfalls in die Geschichte eingehen, als neue First Lady, wird Jill Biden. Kurz vor der Vereidigung machte der neue Präsident seiner Frau noch eine Liebeserklärung auf Twitter: „Ich liebe Dich, Jilly, und ich könnte nicht dankbarer sein, dich auf dieser Reise an meiner Seite zu haben“, schrieb er. Bei der Vereidigungszeremonie stand die neue First Lady ihrem Mann zur Seite – Bilder zeigen, wie sie ihm kurz vor der Vereidigung noch zärtlich die Hände auf die Schultern legte.

Ihr Ehemann und Kamala Harris „werden jeden Tag genauso hart arbeiten wie Sie, um diese Nation besser zu machen. Und wenn ich die Ehre habe, als Ihre First Lady zu dienen, werde ich das auch tun“, hatte Jill Biden dem amerikanischen Volk bereits im August des vergangenen Jahres versprochen, nachdem ihr Mann offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten nominiert worden war. In einem ersten Tweet nach der Vereidigung am Mittwoch schrieb die neue First Lady nun: „Danke für Ihren Glauben an etwas, das größer ist als wir alle: daran, dass wir eine bessere Welt erschaffen werden, weil wir es zusammen tun.“

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Doch Jill Biden wird trotz aller Unterstützung für ihren Mann ihre eigene Karriere nicht aufgeben: Die promovierte Lehrerin hat vor, weiterhin am Northern Virginia Community College zu unterrichten, wo sie auch während ihrer Zeit als Second Lady – als Biden Vizepräsident an der Seite von Barack Obama war – in Vollzeit arbeitete, wie unter anderem die „New York Times“ berichtet. Für die Selbstständigkeit und das Wohl aller Menschen soll die neue US-Regierung stehen – das demonstriert auch die First Lady.

Lady Gaga und Jennifer Lopez singen zur Vereidigung

Die Sängerinnen Jennifer Lopez (r) und Lady Gaga begrüßen sich nach ihrem Auftritt bei der Amtseinführung des US-Präsidenten Joe Biden. © Quelle: Jonathan Ernst/Pool Reuters/AP/d

Für alle Menschen in den USA singen wollte auch Lady Gaga, wie sie auf Twitter kurz vor der Zeremonie bekanntgab. Sie trat wie Jennifer Lopez auf Joe Bidens und Kamala Harris’ Vereidigung auf: Während Lady Gaga, die sich immer wieder für die Rechte der LGBQT-Community einsetzt, die Nationalhymne mit viel Emotionen zum Besten gab, sang Jennifer Lopez die Lieder „This Land Is Your Land“ und „America the Beautiful“. „Dieses Land ist euer Land“, so die deutsche Übersetzung des einen Songs, gilt auch für die Frauen und Einwanderer, hatte man in diesem Moment den Eindruck. J. Lo baute zwischen ihren Songs auch eine Botschaft auf Spanisch ein: „Una nación bajo Dios, indivisible, con libertad y justicia para todos“, sagte sie – auf Deutsch: „Eine Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle“. Sie bei der Inauguration auftreten zu lassen, hat eine klare Signalwirkung: Spanisch ist in den USA die am zweithäufigsten gesprochene Sprache. Lopez ist Amerikanerin mit puerto-ricanischen Wurzeln.

Berührende Worte von Dichterin Amanda Gorman

Die junge Poetin Amanda Gorman trägt ein Gedicht vor. © Quelle: Getty Images

Kein Popstar, aber zum heimlichen Star der Inauguration wurde hingegen Amanda Gorman (22). Die junge Poetin sorgte für einen der emotionalsten Momente bei der Amtseinführung: Sie trug das selbst geschriebene Gedicht „The Hill We Climb“ (deutsch: „Der Hügel, den wir erklimmen“) vor. Es handelte von den schweren Zeiten, die die USA durchgestanden haben und noch durchstehen müssen, vom Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol vor zwei Wochen. Aber es handelt auch von Hoffnung für die Zukunft, die wohl viele an diesem Tag in sich trugen.

Auch wer den Blick von den Menschen abschweifen ließ, die im Vordergrund dieses Tages standen, sah viele Frauen und auch einige People of Color im Publikum der Vereidigungszeremonie. Auch die Familien waren vor Ort: Neben Jill Biden und Harris’ Ehemann Douglas Emhoff, dem ersten Second Gentleman der US-Geschichte, war da unter anderem die Stieftochter von Harris, die Künstlerin und Modestudentin Ella Emhoff, die auf Instagram mehr als 200.000 Follower hat. Auch Harris‘ vierjährige Großnichte Amara war da, die im vergangenen Jahr schon groß in einem Video herauskam, in dem die neue Vizepräsidentin ihr erzählte, sie habe in der Zukunft auch die Möglichkeit, Präsidentin zu werden.

Vergleich mit Trump: Biden hat ein wesentlich diverseres Kabinett

Ob klein oder groß: Die Vereidigung des US-Präsidenten war in diesem Jahr weiblicher und diverser – auch wenn das neue Oberhaupt der Vereinigten Staaten (noch) keine Frau ist. Doch es ist ein Zeichen für die Zukunft der US-Politik: Viele gehen davon aus, dass Kamala Harris nach ihrer Wahl zur Vizepräsidentin in vier Jahren dann als Präsidentschaftskandidatin antreten wird. Ihre Ziele setzt sie schon jetzt mit Biden nach und nach um: Das zeigen unter anderem die Kabinettsmitglieder Bidens, die wesentlich vielfältiger sind als die unter Trump.

Als stellvertretende Ministerin für Gesundheit hat Biden mit Rachel Levine unter anderem erstmals eine Transfrau ausgewählt. Er erklärte, Levine bringe das nötige Fachwissen und die Führungskompetenzen mit, um die Menschen im Land durch die Pandemie zu bringen – unabhängig von ihrem Wohnort, ihrer Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung.

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, den es ohne Vizepräsidentin Kamala Harris und viele andere Frauen in den USA so nicht gegeben hätte. Schon jetzt zeigt sich der Einfluss der Politikerin – ob sie die einflussreichste Vizepräsidentin wird, wie die „New York Times“ es voraussagt, bleibt abzuwarten.

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