Judith Meyer ist polyglott: So ist es, 13 Sprachen fließend zu sprechen

Judith Meyer

Judith Meyer

Das Original macht am meisten Spaß. Doch was, wenn die Lieblingsserie aus Japan kommt? Japanisch lernen? Judith Meyer hat es so gemacht. “Ich wollte die Staffel im Original sehen und habe ein paar Monate darauf hingearbeitet.” Mit Erfolg. Erst später tauchte sie tiefer in die japanische Grammatik und den Wortschatz ein. Hebräisch lernte Meyer in 90 Tagen so weit, dass sie eine viertelstündige Unterhaltung führen konnte. Die 36-jährige IT-Expertin und Autorin von mehreren Sprachbüchern beherrscht 13 Sprachen und beschäftigt sich mit 30 weiteren. Außer Deutsch spricht sie Englisch, Französisch, Esperanto und Chinesisch fließend, unterrichtet Latein und kann sich in sieben weiteren Sprachen verständigen, darunter Indonesisch und Suaheli.

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Weltweit gibt es 7000 Sprachen, 230 davon in Europa

Damit zählt die Wahl-Berlinerin zu den Hyperpolyglotten, also zu den Menschen, die außergewöhnlich viele Sprachen beherrschen. Ab welcher Anzahl jemand als hyperpolyglott oder nur polyglott gilt, ist nicht festgelegt, ebenso wenig wie der Grad der aktiven und passiven Beherrschung.

Schon im Alter von zwölf Jahren fand Judith Meyer mit populärwissenschaftlichen Büchern wie “Sprachen die Neandertaler Englisch?” Zugang zur Linguistik. Es war ihr eigener Impuls. Sie habe damals “den Drang, viele Sprachen zu lernen verspürt – vielleicht alle Sprachen der Welt.” Das dürfte schwierig werden. Weltweit gibt es fast 7.000 Sprachen. Davon werden in Europa nur 230 gesprochen und mehr als 2.000 davon in Asien. Besonders Indonesien ist eine wahre Fundgrube für Forscher. Die 267 Millionen Einwohner leben auf mehr als 17.000 Inseln – ganz klar, dass es hier vor Jahrhunderten unzählige verschiedene Sprachen gab, als die Bewohner noch keinen Kontakt zueinander hatten. Der Datenbank “Ethnologue” zufolge wird Englisch weltweit von mehr als 1,1 Milliarden Menschen zur Kommunikation verwendet. Damit liegt die Sprache knapp vor dem chinesischen Mandarin. Geht es jedoch um die Anzahl der Muttersprachler, fällt Englisch auf den dritten Platz zurück, hinter Mandarin und Spanisch – Deutschland liegt auf Platz zwölf.

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Für Maltesisch und Gälisch fehlt die Zeit

Meyers Lieblingssprache ist Chinesisch. “Allein die Zeichen zu schreiben ist fast eine Art Meditation.” Hinzu kämen die interessanten Ausdrucksweisen, die oft geschichtliche Bezüge hätten. Dagegen habe sie zum Russischen kaum eine Verbindung. “Vielleicht kommt das noch, wenn ich dort einmal länger bin.” Eine Reise ins Land, also ein konkretes Ziel – das ist es, was die 36-Jährige motiviert, immer wieder Neues zu lernen. Oft bucht sie sich im Internet private Sprachlehrer, um so viel wie möglich zu reden. “Nahezu alle Polyglotten unterscheidet von anderen, dass sie sich für Sprache interessieren und nicht nur deshalb eine lernen, weil sie es müssen”, sagt sie.

Hilfreich ist die Mehrsprachigkeit allemal. Einer der bekanntesten Polyglotten ist Ioannis Ikonomou. Für ihn sei Sprache eine “Brücke zu anderen Menschen”, sagte der Grieche einmal in einem Interview. Mit seiner Sonderbegabung hat es Ikonomou nach Brüssel verschlagen, wo er für die Europäische Kommission als Übersetzer arbeitet. Zum Lernen brauche es nach seiner Überzeugung drei Dinge: Liebe, Schweiß und Zeit. Ikonomou beherrscht 32 Sprachen und damit 21 der 24 EU-Amtssprachen, alle außer Litauisch, Maltesisch und Gälisch. Litauisch habe er wieder vergessen, für Maltesisch und Gälisch fehle ihm die Zeit, so das Sprachtalent. Manchmal fehlen Ikonomou aber schlichtweg auch die Gesprächspartner. Für Gotisch und Maya zum Beispiel.

“Ab der 6. Sprache wird es einfacher”

Auch Judith Meyer beschäftigt sich jeden Tag mit Linguistik, redet mit Leuten auf der ganzen Welt, liest gern ausländische Twitter-Meldungen, lernt Grammatik und Vokabeln, reist viel. “Ohne regelmäßige Übung verlernt man eine Sprache auch wieder”, sagt die Frau, die schon mehrmals das internationale Treffen der Polyglotten organisiert hat. Ein besonderes Faible hat Meyer für Esperanto, eine Plansprache, logisch und simpel in der Grammatik und mit einem Wortschatz, der sich aus romanischen, germanischen und slawischen Wörtern rekrutiert. “Man kann sich im Esperanto einfach Worte selbst basteln und hat so sehr gute Ausdrucksmöglichkeiten.”

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Derzeit steht bei ihr Griechisch auf dem Plan – “es läuft toll”. Verzweifelten Sprachschülern rät die Sprachexpertin zum Durchhalten: “Irgendwann bekommt man ein Gefühl dafür, eine Sprache zu lernen. Ab der sechsten wird es einfacher.”

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