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„Jeder ist schön und fähig“: 23-Jährige trotz Downsyndrom als Model erfolgreich

  • Madeline Stuart wurde mit dem Downsyndrom geboren und war übergewichtig.
  • Dennoch ist die 23-Jährige ein gefragtes Model – nicht zuletzt dank ihrer Mutter.
  • Im Interview spricht die Australierin über Erfolg, Akzeptanz und den Druck, immer schlank und attraktiv zu sein.
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Wie wurden Sie Model?

Meine Karriere hat sich in den letzten vier Jahren rasant entwickelt. Angefangen hat alles mit einem Foto auf Facebook, das viral ging. Meine Mutter startete eine öffentliche Seite mit Vorher- und Nachherbildern von mir. Ein Jahr zuvor war ich 40 Pfund schwerer. Dann hatte ich damit begonnen, einen gesunden Lebensstil zu führen. Meine Fotos wurden innerhalb weniger Tage von über 6,8 Millionen Menschen angesehen. Danach wurde ich von Marken angesprochen, um für ihre Produkte zu werben. Dann kam die Einladung, im September 2015 bei der New York Fashion Week zu modeln. Das öffnete mir die Tür. Seitdem bin ich in vielen Ländern auf dem Laufsteg gelaufen.

Was bedeutet es für Sie, Mode auf dem Laufsteg zu präsentieren?

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Nichts kann wirklich die Freude, Aufregung und Leidenschaft beschreiben, die ich dort oben fühle. Es ist mein Glücksort, ich bin nie nervös, nur stolz darauf, dass ich so viele Menschen vertreten und sie für die Zukunft inspirieren kann.

Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg?

Ich arbeite hart und sage nie, dass ich aufgrund meiner Behinderung etwas nicht tun kann. Manchmal bin ich nicht so schnell wie andere, aber ich schaffe alles, wenn man mir eine Chance gibt. Das Reisen kann anstrengend sein, aber ich würde es für nichts eintauschen. Denn: Die einzig unmögliche Reise ist die, die man nie beginnt.

© Quelle: Madeline Stuart
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Die Modebranche steht nicht gerade für Vielfalt und Inklusion.

Die meisten Menschen sind leider immer noch der Meinung, dass ein Mensch mit Behinderung nicht modeln kann oder nicht zum Image eines „idealen Models“ passt. Ich habe versucht, die Einstellung der Menschen zum Downsyndrom und zum Thema Behinderung zu ändern, damit sie sehen, dass jeder schön und fähig ist. Jeder sollte gleich behandelt werden.

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Hat sich Ihrer Meinung nach die Akzeptanz von behinderten Menschen in der Modewelt in den vergangenen Jahren gewandelt?

Ich sehe jede Saison immer mehr unterschiedliche Models bei der New York Fashion Week, und das ist ermutigend. Ich bin froh, Teil dieser Veränderungen zu sein. Die Modebranche hat sich in den letzten Jahren stärker geöffnet, aber ich denke, es ist immer noch ein langer Weg. Es wird immer Raum für Verbesserungen geben. Die Leute in der Branche haben mich stets akzeptiert, aber ich denke, dass der Weg dorthin, wo ich bin, für Menschen mit Behinderungen immer noch schwer ist. Ich möchte, dass sich das ändert, und ich werde weiterhin hart daran arbeiten, diese Veränderungen in der Branche voranzutreiben.

“Ich wurde mit einem Herzfehler geboren und muss deshalb fit und aktiv sein”

Wie sehr fühlen Sie selbst denn den Druck, immer schlank und schön auszusehen?

Ich habe den Druck, die ganze Zeit dünn und schön auszusehen, nie direkt gespürt. Ich wurde mit einem Herzfehler geboren, der behoben wurde, und muss deshalb fit und aktiv sein, wenn ich ein langes gesundes Leben führen möchte. Ich fühlte mich sehr unwohl, als ich schwerer war, und es gefiel mir nicht. Aber es ist schwer, eine Übungsroutine zu beginnen. Ich hatte am Anfang Probleme. Ich schwamm jeden Tag im Pool und fing an, mit einem Personal Trainer zu trainieren. Man muss etwas finden, das man liebt, damit es Spaß macht. Wenn man Angst vor dem hat, was andere denken, sollte man sich erinnern, dass man nicht der Einzige ist, der sich fürchtet. Wir sind manchmal selbst unsere schlimmsten Feinde.

Modeln ist ein ziemlich kurzlebiger Beruf. Haben Sie über eine Nachfolgekarriere nachgedacht, wenn Sie älter sind?

Ich bin ja erst 23, und die meisten Menschen denken, ich bin immer noch ein Teenager, also mache ich mir keine Sorgen um die Dauer meiner Karriere. Die meisten Menschen mit Downsyndrom sehen sogar in den Fünfzigern noch so aus, als wären sie Ende 20 oder Anfang 30. Ich bin mir sicher, dass ich noch viele Jahre als Model arbeiten werde. Wenn es dann wirklich zu Ende geht, werde ich eine gemeinnützige Organisation einrichten, damit ich anderen Menschen mit Behinderungen helfen kann, in die Modewelt einzusteigen.

© Quelle: Madeline Stuart

Das rät Madelines Mutter Rosanne

Zum Schluss zwei Fragen an Sie, Rosanne, Madelines Mutter: Wie wichtig ist Ihnen der Erfolg Ihrer Tochter?

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Madelines Karriere war für mich enorm wichtig, da sie sie glücklich gemacht und ihr viel Selbstwertgefühl und eine Stimme in der Welt gegeben hat. Ich habe seit der Geburt von Madeline dafür gekämpft, dass sie trotz Downsyndrom akzeptiert wird. Viele hatten Vorurteile, und es war nicht immer leicht. Jetzt gilt Madeline als das erfolgreichste professionelle Erwachsenenmodel der Welt mit Downsyndrom. Noch wichtiger ist aber, dass sie als Inspiration und Stimme für all diejenigen gilt, die das Gefühl haben, nicht dazuzugehören.

Haben Sie eine Botschaft für andere Eltern, Rosanne?

Ich möchte Eltern auffordern, nicht aufzugeben. Sie sind die Helden dieses jungen Menschen, und er braucht Sie. Nur weil Ihr Kind eine Behinderung hat, heißt das nicht, dass es nicht so würdig ist, wie alle anderen auf dem Planeten. Sie sind genauso ein Segen, und Menschen mit Behinderungen sind immer noch wichtige Leistungsträger. Sie brauchen nur etwas Hilfe. Jeder Mensch braucht mal auf die eine oder andere Weise Hilfe. Ich möchte mehr Bewusstsein und Akzeptanz in der Gemeinschaft schaffen, um das Stigma gegenüber Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft zu ändern. Je mehr die Leute etwas sehen, desto mehr gewöhnen sie sich daran. Deshalb finde ich es fantastisch, dass Madeline zu einer so bekannten Persönlichkeit des öffentlichen Lebens geworden ist.

Ärzte prophezeiten ihrer Mutter Rosanne, die Tochter könne nie etwas erreichen. Doch heute reißt man sich auf den Laufstegen der Welt um Madeline Stuart. Sie wurde vor 23 Jahren mit dem Downsyndrom geboren. Bei dem auch als Trisomie 21 bekannten Gendefekt tragen die Zellen statt der üblichen 46 Chromosomen 47 in sich. Dies wirkt sich körperlich und geistig aus.



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