Ein Vergnügen mit Super Mario: Eigener Park für Videospielhelden eröffnet

  • In Japan wird dem Videospielhelden Super Mario mit der Super Nintendo World ein ganzer Vergnügungspark gewidmet.
  • Nach langem Warten haben sich am heutigen Donnerstag die Tore geöffnet – kein optimales Timing in Pandemiezeiten.
  • Parkbesucher können sich per App einen eigenen Account anlegen.
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„Erkennt ihr, wo ich am Ende dieses Ganges angekommen bin?“, fragt der Mann mit grau meliertem Haar und buntem T-Shirt, als er sich umdreht. „Genau, das ist natürlich die Lobby der Prinzessin Peach! Und bei der Musik, die ihr hier hört, wird euch doch sofort klar: Diese Lobby kennt ihr noch aus ‚Super Mario 64′!“ Mit breitem Grinsen und ausgestreckten Armen dreht sich der ältere Herr um die eigene Körperachse. „Hier gibt es noch alle möglichen weiteren Dinge und Situationen, die ihr aus den Spielen wiedererkennen werdet.“

Rede vom Vater: Shigeru Miyamoto, der Erfinder von Mario, spricht bei der Eröffnung des Parks. © Quelle: imago images/Kyodo News

Diese kindliche Glückseligkeit würde man dem 68-Jährigen kaum abnehmen, wenn man nicht wüsste, um wen es sich handelt: Shigeru Miyamoto, der japanische Spieleentwickler, der als Schöpfer von Super Mario gilt. Denn das Areal, über das er in diesem PR-Film führt und eigentlich schon im Dezember fertig war, ist vollends den Abenteuern seines populären Ziehsohnes gewidmet: In der südwestjapanischen Metropole Osaka hat am heutigen Donnerstag die Super Nintendo World eröffnet.

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Das erste Mario-Spiel erschien 1981

Weltweit ist es der erste Vergnügungspark, der die Helden aus dem beliebten Videospieluniversum rund um Super Mario in die Realität hebt. Seit den 1980er-Jahren begeistert Mario Generationen von jungen – und auch mittlerweile nicht mehr jungen – Menschen aller möglichen Länder. Das erste Videospiel mit Mario als Charakter erschien 1981, damals noch als Nebendarsteller in „Donkey Kong“ auf einer Arcade-Maschine, die mit Münzeinwurf funktionierte. Es war ein Schlüsselmoment in der jüngeren Popkulturgeschichte.

Zwei Jahre nach „Donkey Kong“ kam der Klempner Mario erstmals selbst als Hauptperson raus: Im Arcade-Spiel „Mario Bros.“ müssen er und sein Bruder Luigi in einem Kanalisationssystem diverse Monster bekämpfen. Von diesem Urtyp Mario flutete Nintendo über die nächsten Jahrzehnte dann eine kaum mehr zählbare Menge an Fortsetzungen und Adaptionen.

Zunächst folgte auf der Heimkonsole Famicon, die in Europa unter dem Namen Nintendo firmierte, das Spiel „Super Mario Bros.“ – in der Mario und Luigi die entführte Prinzessin Peach aus den Krallen des Bösewichts Bowser befreien müssen. Neuauflagen und Weiterentwicklungen erschienen auf jeder Konsole aus dem Hause Nintendo. Super Mario ist seither der wohl einflussreichste Jump-‘n‘-Run-Held der Videospielgeschichte.

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Die nun eröffnete Super Nintendo World ist so aufgebaut, das sich Fans der Spiele sofort zurechtfinden. Tatsächlich entsteht eine Atmosphäre wie in der Welt der Videospiele – ob man diese nun während der 1990er-Jahre in 2-D-Grafik oder in viel anspruchsvoller Auflösung auf den jüngsten Konsolen kennengelernt hat. Denn seinem grundlegenden Design aus vollen Farbtönen und popartigen, comicähnlichen Charakteren sind die Designer von Super Mario immer treu geblieben.

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Besucher legen sich per App einen Account an

Diese Mühe haben sich offenbar auch die Planer beim Vergnügungspark gegeben. Per App kann sich jeder Parkbesucher einen Account anlegen und bei diversen Aktivitäten Punkte sammeln, entsprechend den klimpernden Münzen aus den Videospielen. Auch die Restaurants bieten Mottomenüs im Mario-Stil an. Außerdem gibt es natürlich Möglichkeiten, sich selbst als Mario zu fühlen. „Hier stehe ich vor der Burg von Bowser“, sagt Shigeru Miyamoto: „Da drinnen ist der Kurs von ‚Mario Kart’!“

Die Kartbahn, die auf dem gleichnamigen Heimkonsolenspiel basiert, wird als eine der Hauptattraktionen des Parks angepriesen. Zwar können die Besucher ihren Gegnern – anders als im fiktionalen Original auf der Konsole – keine Bomben legen und auch keine Bananenschalen auf den Asphalt werfen, damit diese langsamer ins Ziel kommen. Ansonsten aber ähnelt das Konzept jenem aus „Mario Kart“. Im regulären Eintrittspreis von 7315 Yen (rund 56 Euro) ist eine Fahrt immerhin enthalten.

Auf der Mario Kart-Achterbahn treten die Gäste gegeneinander in den Wettstreit.

Die Super Nintendo World ist bei Weitem nicht der erste Vergnügungspark, mit dem eine fiktionale Welt physisch greif- und erlebbar wird. Im Jahr 1971 öffnete im US-amerikanischen Florida der erste Themenpark von Disney, mit Mickey und Minnie Mouse als wichtigsten Protagonisten. Das Konzept hat sich seither ausgezahlt und ist weltweit expandiert. Seit gut zehn Jahren bietet der Universal Orlando Resort den Superlativ in Form eines Multithemenparks: Dort finden Besucher unter anderem die Welten aus „Harry Potter“, „Jurassic Park“, Helden aus dem Marvel-Universum wie Spiderman oder Hulk. Immer wieder handelt es sich um Achterbahnen, Labyrinthe und andere Attraktionen, die mehr oder weniger den Originalgeschichten nachempfunden sind.

Bis zur Öffnung von Super Nindento World in Osaka ist das Durchhaltevermögen der Fans reichlich getestet worden. Ursprünglich sollten die Tore schon Mitte 2020 öffnen. Als im Frühjahr Japans Regierung wegen der Pandemie einen nationalen Ausnahmezustand verhängte, wurde die Einweihung auf ein späteres Datum im Jahr verlegt. Als sich die korrigierten Pläne aber als zu optimistisch erwiesen, verschoben die Verantwortlichen auf Anfang Februar. Jener Termin wurde dann – pandemiebedingt – wenigen ausgewählten Gästen vorbehalten. Erst ab dem 18. März läuft der reguläre Betrieb.

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Die Super Nintendo World ist auch nicht der einzige Vergnügungspark, der unter der Pandemie schwer zu leiden hat. Disneyland im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien wurde Anfang des Jahres zu einem großen Impfzentrum umfunktioniert. Das Äquivalent Disney World im US-Bundesstaat Florida musste den Betrieb vorübergehend einstellen. Ebenso die Dépendance in Paris. Die Kosten dieser pandemiebedingten Schließungen betragen jeweils mehrere Milliarden Euro.

Viele Parks leiden unter der Pandemie

Wohl auch aus ökonomischen Überlegungen wollte Universal Studios Japan, das die Super Nintendo World betreibt, nicht noch länger warten. Dafür wird beteuert, alles sei ganz sicher. Während des gesamten Aufenthalts besteht Maskenpflicht, bei jeder Attraktion stehen Desinfektionsmittel bereit, Menschenansammlungen sollen vermieden werden. Wobei gerade diese letzte Regel naiv anmuten mag, sobald man ans Anstehen vor der Kartbahn oder an einem Essensstand denkt.

Zwar soll jeder Person, die mit einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person in Kontakt war, der Eintritt verwehrt bleiben. Natürlich garantiert aber selbst dies kaum, dass die Pandemie nicht auch hier eingeschleppt wird und sich dann rasch ausbreitet. Hierüber scheint erst dann laut nachgedacht zu werden, wenn es so weit ist. Erst mal soll man sich freuen. Der Endgegner kommt zu seiner Zeit.

RND

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