45 Tote bei Massenpanik auf religiösem Fest in Israel

  • Bei einem religiösen Fest in Israel sind mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen.
  • Ersten Erkenntnissen zufolge kamen Besucher auf einer abschüssigen Rampe ins Rutschen und fielen übereinander.
  • Im Anschluss an das Unglück kam es zu Auseinandersetzungen.
1:09 min
Tausende Gläubige strömen zum Lag-Baomer-Fest im Wallfahrtsort Meron. Ausgelassen verbringen sie den Abend. Doch dann bricht plötzlich Panik aus - und viele Menschen sterben im Gedränge. Die Rettungskräfte sind erschüttert vom Anblick, der sich ihnen bietet.  © dpa
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Meron. Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach offiziellen Angaben mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Dutzende Verletzte wurden in sechs verschiedene Krankenhäuser gebracht, wie das Gesundheitsministerium am Freitag ferner mitteilte. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am frühen Freitagmorgen von einer „unfassbaren Katastrophe“.

Tausende – vor allem Strengreligiöse – hatten auf dem Meron-Berg den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen. Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl auf 10.000 begrenzt, nach Medienberichten waren aber bis zu zehnmal mehr Menschen angereist. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften.

Vorwürfe gegen die Polizei

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Wie genau es zu der plötzlichen Massenpanik kam, ist noch nicht abschließend geklärt – die Ermittlungen laufen. Nach ersten Erkenntnissen kamen Menschen auf einer abschüssigen Rampe mit Metallboden und Wellblechtrennwänden auf beiden Seiten ins Rutschen. Die dicht gedrängten Feiernden fielen dann übereinander. In ersten Medienberichten war vom Einsturz einer Tribüne die Rede gewesen.

Israelische Sicherheitsbeamte und Rettungskräfte stehen neben den Leichen der Opfer, die während Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Lag Baomer auf dem Berg Meron gestorben sind. © Quelle: Ishay Jerusalemite/Behadrei Hare

In den Morgenstunden wurden erste Vorwürfe gegen die Polizei laut. Sie habe Leute in das abgesperrte Areal gelassen, obwohl es schon extrem voll gewesen sei. Nach Beginn der Panik habe die Polizei dann nicht schnell genug Ausgänge auf der anderen Seite geöffnet, so die Kritik. Insgesamt waren rund 5000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte im Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte der Sprecher. „Das sind unfassbare Zahlen.“ Auch ein Sanitäter berichtete, er habe Schreckliches mitansehen müssen.

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Auseinandersetzungen nach dem Unglück

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Die Polizei sperrte Zufahrtsstraßen und räumte das Gelände. Berichten zufolge weigerten sich jedoch Hunderte Gläubige zu gehen, weil sie beten wollten. Es sei auch zu Konfrontationen gekommen. „Sie blockieren uns ohne Grund“, zitierte die „Times of Israel“ einen Anwesenden. Auch im Fernsehen waren Bilder der Konfrontationen zu sehen. Selbst Soldaten waren im Einsatz, darunter eine Eliteeinheit der Armee. Der Polizei zufolge gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron telefonisch nicht erreichen.

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Am Freitagmorgen begann die Identifizierung der Todesopfer. Angehörige suchten nach Medienberichten weiter nach Vermissten. Es wurde damit gerechnet, dass viele der Opfer noch im Verlauf des Tages - vor Beginn des jüdischen Ruhetages Sabbat - begraben werden.

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb bei Twitter, er verfolge die Berichte über die Tragödie und bete für die Genesung der Verletzten. Regierungschef Benjamin Netanjahu zeigte sich bestürzt über das „schwere Unglück“ und sicherte den Rettungskräften Unterstützung zu. Gesundheitsminister Juli Edelstein sprach von einer schrecklichen Katastrophe. Auch er sprach den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus und dankte den Rettungskräften für ihre Arbeit.

Ermittlungen haben begonnen

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Nach der tödlichen Massenpanik hat die Polizei mit der Suche nach den Ursachen begonnen. Man habe erste Ermittlungen aufgenommen, sagte der für den Norden zuständige Polizeichef Schimon Lavi am Freitag vor Journalisten. „Es war eine schlimme, tragische Nacht“, sagte er. „Ich trage die übergreifende Verantwortung, im Guten wie im Schlechten.“ Er sei „zu jeder Prüfung bereit“.

Der Polizeichef erklärte, die Sicherheitskräfte hätten sich sehr gründlich auf die Feier vorbereitet. „Die Sicherheit stand an erster Stelle.“ Er warnte vor der Verbreitung von Fehlinformationen in sozialen Medien. Viele der Polizisten hätten Leben gerettet und sich dabei selbst in große Gefahr begeben, betonte er.

Erinnerung an jüdischen Aufstand gegen römische Besatzer

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden, doch inzwischen sind die Infektionszahlen deutlich gesunken und die Regeln wieder gelockert worden.

RND/dpa

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