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Isolierte Familie: Haben Gerrit Jan van D. und Josef B. eine Sekte gegründet?

  • Neun Jahre lang lebten ein Vater und sechs Kinder total isoliert auf einem Hof in den Niederlanden.
  • Der 67-jährige Vater und ein Österreicher sind in Haft.
  • Hatten sie eine Sekte gegründet?
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Ruinerwold. Im mysteriösen Fall um die isolierte Familie auf einem Bauernhof in den Niederlanden konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf das Motiv. Vieles weist darauf hin, dass der nun festgenommene Vater eine sektenähnliche Gemeinschaft errichten wollte. Eine Sondereinheit von 30 Beamten ermittelt. Sie versuchen, auch mithilfe von Psychologen festzustellen, was auf dem abgelegenen Hof in Ruinerwold seit 2010 geschehen ist.

Der 67-jährige Gerrit Jan van D. war am Donnerstagabend festgenommen worden. Fünf seiner nun erwachsenen Kinder waren nach Aussagen der Polizei dabei und hätten „sehr heftig reagiert“. Sie sollen den Vater nach einem Schlaganfall vor einigen Jahren versorgt haben. Genau wie der ebenfalls festgenommene 58 Jahre alte Österreicher Josef B. wird der Vater der Freiheitsberaubung verdächtigt. Josef B. hatte den Hof gemietet, wohnte dort aber wahrscheinlich nicht. Er hatte die Familie versorgt.

Gerrit Jan van D. war in den 80ern Mitglied der Vereinigungskirche

Das isolierte Leben in der Natur und die Selbstversorgung mit eigenem Gemüse passen zu Ideen, die Vater Gerrit Jan van D. schon vor Jahren geäußert haben soll. Er gehörte in den 80er-Jahren der Vereinigungskirche des Koreaners Moon an. Für die Sekte soll er sehr aktiv gewesen sein. In Österreich soll Gerrit Jan van D. auch Josef D. und seine spätere Frau kennengelernt haben. Seine Familienangehörigen berichten, dass Gerrit Jan van D. sich selbst „überirdische Kräfte“ zuschrieb. Die Sekte habe er dann verlassen, sagte der Generalsekretär der Vereinigungskirche, Wim Koetsier. „Gerrit verließ die Bewegung 1987 und gründete, soweit wir wissen, seine eigene Gruppe.“

Auch der Österreicher soll der Sekte angehört haben. Peter Zöhrer, ein früheres Oberhaupt der Vereinigungsbewegung in Österreich, wird von der „Bild“-Zeitung mit den Worten zitiert: „Er war ein absoluter Idiot. Deshalb hat sich unsere Bewegung von ihm abgewandt, wie ich aus meinen Quellen in den Niederlanden erfahren habe.“

Der Vater und der Österreicher kennen sich schon lange und hatten auch ein gemeinsames Unternehmen. Die Geschäftsräume wurden nun durchsucht. Die Polizei untersucht auch, woher die große Summe Geld stammt, die auf dem Hof gefunden wurde. Zehntausende Euro sollen es sein, so berichteten Medien.

Raum war hinter einem Schrank verborgen

Bisher gibt es nur wenige Informationen über das Leben auf dem Hof. Die Familie hat neun Jahre lang in einem „abschließbaren Raum“ gewohnt, der in kleine Kämmerchen aufgeteilt war. Der Raum war hinter einem Schrank verborgen. „Der abgeschlossene Raum war deutlich gedacht, um die Außenwelt draußen zu halten“, sagte die stellvertretende Polizeichefin in Drenthe, Janny Knol, im niederländischen Fernsehen. Die Polizei geht davon aus, dass die Mutter der Familie schon 2004 gestorben ist.

Die vier Mädchen und zwei Jungen waren zwar ab und zu im Garten, aber haben nie das Gelände verlassen. Auch wenn sie nie zur Schule gegangen sind, können sie lesen und schreiben und sprechen Niederländisch. Der Kontakt zu ihnen sei aber nicht einfach, sagte die Polizeichefin. „Dass sie nicht unbedingt dasselbe Verhalten zeigen wie wir, ist deutlich.“

„Es ist ein schwieriges Puzzle“, sagte der Bürgermeister der Kommune De Wolden, Roger de Groot, „und wir haben noch nicht alle Teile.“ Das Puzzle wird wohl kein holländisches Landidyll abbilden.

RND/seb/dpa