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Witwe von Corona-Totem fordert 100.000 Euro: die Schuldfrage von Ischgl

Kontrollen der Polizei am Ausgang des Paznauntals , nachdem Ischgl unter Quarantäne gestellt worden war (Archivfoto).

Wien. Der Skiort Ischgl in Tirol gilt als einer der ersten europäischen Corona-Hotspots. Im März 2020 hatten sich hier etliche Menschen angesteckt und dazu beigetragen, das Virus in Europa zu verteilen. Nun landet das Krisenmanagement der österreichischen Regierung vor Gericht.

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Angehörige von Corona-Opfern sehen eine Mitschuld des Staates an dem Tod ihrer Verwandten. Im Kern der Kritik steht eine Pressekonferenz von Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der Regierungschef verkündete am 13. März 2020, dass das Gebiet rund um Ischgl ab sofort isoliert werde. Daraufhin setzte eine hastige Flucht ein. Viele Touristinnen und Touristen versuchten, mit dem Bus zum Bahnhof zu gelangen, was aufgrund von Staus deutlich länger dauerte. Auf dieser Fahrt infizierte sich ein österreichischer Journalist mit Covid-19 und verstarb später.

Die Witwe und der Sohn des Verstorbenen fordern nun 100.000 Euro Schadensersatz vom Staat Österreich. Ab Freitag wird in Wien die sogenannte Amtshaftungsklage verhandelt. Sie sieht ein Versagen der Behörden, die zu spät gehandelt hätten. Unterstützt wird dies vom Verbraucherschutzverein (VSV). Und es soll nur die erste einer ganzen Reihe von Klagen werden.

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Expertenkommission stellte kein generelles Versagen fest

„Ich schätze, dass letztlich bis zu 3000 Ansprüche an die Republik gestellt werden“, sagt der Obmann des VSV, Peter Kolba. Der Verbraucherschutzverein fordert, den Kanzler, den Innenminister Karl Nehammer, den damaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober sowie Vizekanzler Werner Kogler als Zeugen zu laden. „Kurz ist ein zen­traler Zeuge“, sagt Kolba. Er könne darüber aussagen, wie die Absprachen zwischen dem Land Tirol und dem Bund in Wien über die geplante Ausreise gelaufen seien. Aus Sicht des VSV ist Kurz mit seiner Pressekonferenz vorgeprescht, bevor die Vorbereitungen in Ischgl für eine geordnete Abreise abgeschlossen waren.

Mit dem Fall Ischgl hat sich bereits eine unabhängige Expertenkommission befasst. In deren Abschlussbericht wird zwar festgestellt, dass die Ankündigung des Kanzlers zu Panik geführt habe. Aber es sei kein generelles Versagen festzustellen, hieß es in dem vor einem Jahr präsentierten Bericht. Die österreichische Finanzprokuratur, die die rechtlichen Interessen des Staates vor Gericht vertritt, hat stets betont, alles sei richtig gemacht worden.

Neben dem 48-jährigen Sohn des Verstorbenen wird am Freitag auch Dörte Sittig aus der Nähe von Köln in Wien anwesend sein. Ihr 52-jähriger Lebensgefährte hatte sich ebenfalls in Ischgl mit dem Coronavirus infiziert und verstarb daran. Auch sie hat geklagt und sieht eine klare Mitschuld der Behörden an dem Tod ihres Lebensgefährten.

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