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Initiative Schwarze Menschen zum George-Floyd-Urteil: „Längst überfälliges Zeichen“

  • Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd ist Ex-Polizist Derek Chauvin zu mehr als 22 Jahren Haft verurteilt worden.
  • Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland begrüßt das Urteil.
  • Ihr Sprecher Tahir Della warnt vor einem strukturellen Problem, das auch in Deutschland existiere.
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Berlin. Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland begrüßt das Urteil im Prozess gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin. „Das ist ein längst überfälliges Zeichen“, sagte der Sprecher des Vereins, Tahir Della, am Samstagmorgen dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Das Urteil zeigt, dass die Polizei nicht über dem Gesetz steht“, so Della. Frühere Fälle in den USA hätten in der Vergangenheit leider das Gegenteil gezeigt. Häufig blieben nach Gewalttaten gegen Schwarze Konsequenzen für die angeklagten Polizisten aus.

Chauvin war am Freitag zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe für Chauvin gefordert, die Staatsanwaltschaft dagegen 30 Jahre Haft.

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Chauvin und andere Polizisten hatten den 46 Jahre alten George Floyd am 25. Mai 2020 zu Boden gedrückt, Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser immer wieder flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor das Bewusstsein und starb wenig später.

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„Nicht nur in den USA ein Problem“

Della sieht in der Tat keinen Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem – nicht nur in den USA. „In Deutschland gibt es nicht so viele Fälle wie in den USA, das Problem besteht aber – und die Qualität ist die gleiche“, sagt der Sprecher. Eine Debatte darüber sei „längst überfällig“.

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Es habe in der Vergangenheit auch hierzulande eine ganze Reihe von Gewalttaten von Polizistinnen und Polizisten auf People of Color gegeben. Als drastischstes Beispiel nennt Della den Fall Oury Jalloh.

Der Asylsuchende aus Sierra Leone war vor 16 Jahren im Keller des Dessauer Polizeireviers ums Leben gekommen – er war auf einer schwer entflammbaren Matratze in einer gefliesten Arrestzelle verbrannt. Nach offizieller Version soll sich der Mann, an Händen und Füßen gefesselt, selbst angezündet haben. Brandgutachter, Mediziner und Kriminologen sind sich einig, dass das im Grunde nicht möglich ist. Bis heute wurde der Fall nicht abschließend aufgeklärt.

Mehr Engagement aus der Zivilgesellschaft gefordert

Von der Zivilgesellschaft wünscht sich Della, auch weiter auf das Problem aufmerksam zu machen – zumal von den Black-Lives-Matter-Protesten inzwischen kaum noch etwas auf den Straßen zu sehen sei. Einmal im Jahr veranstalte der Verein eine Demonstration in Dessau, um an die Ereignisse zu erinnern. „Da würde ich mir mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer wünschen“, sagt Della.

RND/msc

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